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Kutterkapitäne starten durch: Arne Fröse (l.) und Frederik Otten investieren als Inselfischer in einen eigenen Verkaufswagen.

Gegen die Krise: Zwei Kutterkapitäne auf Fehmarn setzen auf Direktvermarktung

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Arne Fröse und Frederik Otten machen als Inselfischer in Burgstaaken auf Fehmarn gemeinsame Sache und investieren in einen eigenen Verkaufswagen. Das Zauberwort lautet Direktvermarktung.

  • Aktivregion fördert 30000 Euro teuren Verkaufswagen mit 11000 Euro.
  • Fischer benötigen weiteres Standbein.
  • Im Winter werden die Mengen für den Großmarkt nicht erreicht.

Fehmarn – Kutterkapitän zu sein, ist seit einigen Jahren nicht selten mit einer Leidensgeschichte verbunden, positive Wasserstandsmeldungen sind eher selten. Nun gibt es eine aus Burgstaaken: Unter der Dachmarke Inselfischer machen die Fischer Arne Fröse und Frederik Otten gemeinsame Sache. Erstmals waren die beiden 30-Jährigen im letzten Jahr im Hafen Burgstaaken mit einem gemieteten Verkaufswagen am Start. Jetzt soll ein eigenes Fahrzeug her, denn das Angebot kam an beim Publikum im Erlebnishafen. Rund 30000 Euro soll die Neuanschaffung kosten. Unterstützung erhalten Otten und Fröse von der Aktivregion, die den Fischern mit 11000 Euro unter die Arme greift.

Ist die Zusage da, können beide loslegen.

Matthias Amelung, Regionalmanager der Aktivregion

Fröse und Otten fragten bei der Aktivregion an. Dort stieß das Vorhaben auf offene Ohren. „Wenn ihr kauft, fördern wir“, habe es geheißen, erinnert sich Matthias Amelung, Regionalmanager der Aktivregion, und spricht von einer „Stärkung für die Fischerei“. Das Geld kommt aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) und wird über das Land ausgezahlt. Dort läuft zurzeit der Antrag. „Ist die Zusage da, können beide loslegen“, so Amelung. Die Inselfischer warten darauf, wollen dann sofort ein Fahrzeug in Auftrag geben – und zwar nach ihren Vorstellungen bis hin zur Folierung des Wagens.

Uns sind durch die Dorschquote und die generell schlechteren Fänge die Umsätze im Winter weggebrochen.

Arne Fröse, Fischer

Warum investieren die Fischer? Das entscheidende Stichwort im Fachjargon ist Einkommensdiversifizierung. Einfacher gesagt: Ein weiteres Standbein aufbauen, mit dem man Geld verdienen kann. „Uns sind durch die Dorschquote und die generell schlechteren Fänge die Umsätze im Winter weggebrochen“, so Fröse. Mit dem Verkauf könne man vor allem im Sommer Umsatz generieren und mit einem eigenen Wagen, der keine Miete koste, auch im Winter profitabel sein, erklärt Otten, der mit seinem „Tümmler“ bereits Kutterhochzeiten anbietet.

Für den Großmarkt reicht es nicht mehr

Im Winter erreiche man die relevanten Mengen für den Großmarkt sowieso nicht mehr, lassen die Inselfischer wissen. Die Schmerzgrenze liegt bei 1000 kg. Zum Vergleich: Bei einer Tagesfahrt kommen die Fischer im Schnitt auf 100 kg. Längst haben Fröse und Otten sich für einen anderen Weg entschieden. „Wir wollen eigentlich nicht wieder zurück in die Auktionshäuser gehen. Stattdessen ist uns die Direktvermarktung wichtig.“ So könne man gleich mehrere Nutznießer einsparen, sagt Otten und zählt Aktionshaus, Spediteur, Großhändler und Einzelhändler auf.

Die frisch gefangene Ware soll direkt vom Erzeuger an den Kunden gebracht werden. „Ich trage die Kiste zu Fuß vom Kutter zum Verkaufswagen“, bringt es Fröse auf den Punkt. Frischfisch, Räucherfisch, Pommes und Backfisch werden verkauft. Die eigenen Fänge werden durch Zukauf ergänzt. 

Regionalität ist bei den Kutterkaptänen nicht auf den Fisch begrenzt. Lars Bergemann von der Hofbäckerei Fehmarn liefert frische Brötchen in verschiedenen Sorten, die dann „mit der Bestellung frisch belegt werden“, betonen die Inselfischer.

Man sieht es ja – größer könnte das Sterben nicht sein. Es ist Endzeitstimmung.

Frederik Otten, Fischer

Die Kutterkapitäne setzen im Zuge ihrer schwer gebeutelten Branche hundertprozentig auf Direktvermarktung. „Anders geht es heutzutage nicht mehr. Man sieht es ja – größer könnte das Sterben nicht sein. Es ist Endzeitstimmung“, so Frederik Otten. Er sieht für die Ostseefischer einen ähnlichen Weg vorgezeichnet, wie ihn vor 20 bis 25 Jahren die Binnenfischer gegangen sind – und das sei nun mal die Direktvermarktung über Fischstände, Bistros oder Restaurants. Auch wenn Planungen im Voraus über Jahre äußerst schwer zu bewerkstelligen seien, ist dem Duo klar: „Wir müssen uns anpassen.“

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