Klaus Treimer (65), Vorstandssprecher der VR Bank Ostholstein Nord - Plön eG, geht in den Ruhestand

„Gehe schon mit bisschen Wehmut“

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Klaus Treimer auf dem Dachgeschoss des 2004 zentral in Lensahn errichteten Hauptverwaltungsgebäudes der VR Bank.

FEHMARN - Von Andreas Höppner Er hat den Beruf des Bankkaufmanns von der Pike auf gelernt, sich weiter- und fortgebildet und ist bis zum Vorstandssprecher der VR Bank Ostholstein Nord - Plön eG aufgestiegen. Zudem übte er in den letzten acht Jahren das Amt des Sprechers der Volks- und Raiffeisenbanken in Schleswig-Holstein aus. Rund 50 Jahre hat er seinen Beruf mit Herzblut ausgeübt, am 31. Oktober geht er in den Ruhestand. Die Rede ist vom 65-jährigen Fehmaraner Klaus Treimer. Er, der nie die Nähe zu den Bankkunden und den Bürgern verloren hat, gesteht: „Ich gehe schon mit bisschen Wehmut.“

Treimers Werdegang ist von seltener Kontinuität geprägt. „Ich habe nie einen anderen Arbeitgeber gehabt“, erzählt der 65-Jährige. Nach dem Realschulabschluss begann er am 1. August 1968 eine Lehre bei der ehemaligen Spar- und Darlehnskasse in Burg. Anschließend waren zwei Jahre Bundeswehr angesagt – die einzig bankfremde Zeit im fünf Jahrzehnte währenden Berufsleben von Klaus Treimer, der sich 1974 dazu entschloss, das Abi nachzumachen. Und: „Nebenbei habe ich immer in der Bank gearbeitet.“ Das dann schon bei der Fehmarschen Volksbank, die zuvor mit den Spar- und Darlehnskassen Burg und Petersdorf fusionierte. 1977 sei er dann unter Walter Sabrowski, Harald Möller und Walter Frehers fest eingestellt und durch sie geprägt worden. 1989 wurde ihm Prokura erteilt, 1997 rückte er nach dem Tod von Harald Möller in den Vorstand nach.

Bereits seit 1984 war die Fehmarnsche Volksbank mit einer Zweigstelle auf dem Festland in Heiligenhafen vertreten. 1999/2000 erfolgte schließlich die Fusion mit der Volksbank Neustadt zur Volksbank Ostholstein Nord, 2009 dann kreisübergreifend mit der Raiffeisenbank im Kreis Plön zur VR Bank Ostholstein Nord - Plön eG. Diesen immer schneller werdenden Wandel in der Bankenlandschaft hat Klaus Treimer über 20 Jahre in verantwortlicher Position mitgestaltet, seit August 2012 als Vorstandssprecher.

„Die Verhältnisse in den letzten 50 Jahren haben sich gravierend gewandelt“, so Treimer. Vor 50 Jahren habe das Bilanzvolumen der Fehmarnschen Volksbank bei 40 Millionen D-Mark gelegen, bei der VR Bank Ostholstein Nord - Plön spreche man nun von rund 1,6 Milliarden Euro. Und heutzutage beim Nullzins kaum noch vorstellbar: Festgeldzinsen für einen Monat hätten damals um 15 Prozent betragen, Kreditzinsen um zehn Prozent.

Profitiert vom Windkraftausbau

Vom Beginn des Windkraftausbaus auf Fehmarn Mitte der 1980er-Jahre habe die Bank enorm profitiert, blickt Treimer zurück. Seitdem habe sich das Unternehmen bei der Finanzierung regenerativer Energien großes Know-how aneignen können, was sich auch bei den Repoweringmaßnahmen ab Anfang der 2000er-Jahre positiv ausgezahlt habe. Unter Hinzurechnung der zahlreichen touristischen Investitionen, vor allem auch in Heiligenhafen, weise der sich durch eine hohe Investitionsquote auszeichnende Nordkreis eine wirtschaftlich dynamische Entwicklung auf. Dies wiederum habe auch zur „sehr guten Marktstellung“ der VR Bank in der Region beigetragen, so Treimer. Deshalb sei einerseits nicht nur den Kunden für deren Vertrauen in die Bank ein Dank auszusprechen, sondern auch den Mitarbeitern und Vorstandskollegen, die zu den guten Ergebnissen der letzten Jahre ihren Beitrag geleistet hätten.

Klaus Treimer ist davon überzeugt dass der Wandel in der Bankenlandschaft und der Anpassungsdruck für die einzelnen Banken munter weitergehen wird. Sogar für „extrem groß“ hält er den Druck, der unvermindert aus der Digitalisierung heraus erwächst. Hinzu kämen als Knackpunkte weiter steigende regulatorische Anforderungen sowie die anhaltende Niedrig- beziehungsweise Nullzinsphase.

Doch damit muss sich Klaus Treimer in wenigen Tagen nicht mehr herumschlagen, obgleich er es wohl gerne getan hätte. Nichtsdestotrotz ist die Nachfolgeregelung im Vorstand seit Langem geregelt. Die bisherigen Vorstände Lars Nissen als neuer Sprecher und Stefan Frahm werden sich die Aufgabenbereiche teilen. „Ich werde jetzt entbehrlich“, so Treimer.

Ehrenamtliche Betätigung

Legt er jetzt im Ruhestand die Füße hoch? Nein, das ist nicht sein Ding. Er wird weiter auf Fehmarn wohnen bleiben und möchte sich ehrenamtlich engagieren. So will er beispielsweise für die evangelische Kirche sein Finanzfachwissen auf Kreis- und auch auf Landesebene einbringen. Eine Herzensangelegenheit sei ihm zudem der Fußballsport auf Fehmarn. Insbesondere der Jugendfußball müsse gut aufgestellt bleiben, findet Treimer, der zu den erfolgreichen Zeiten des SV Fehmarn selbst kickte. In der Fehmarn-Stiftung engagiere er sich bereits, er wolle zukünftig aber auch das Projekt der Festen Fehmarnbeltquerung (FFBQ) unterstützen. „Bei allen berechtigten Bedenken, die es gibt“, halte er eine positive Grundhaltung für angebracht, um die Chancen der FFBQ auch nutzen zu können.

Und schließlich wolle er sich auch mehr um seine Familie kümmern. Diese sei in der Vergangenheit zu kurz gekommen, gesteht er. Die Enkelkinder dürften ihren Opa nun öfter sehen.

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