Kreis Ostholstein will beim Bau der Festen Fehmarnbeltquerung möglichst hohe Wertschöpfung generieren

"Es geht um den größtmöglichen Nutzen für die Wirtschaft"

FEHMARN (wi)  • Im südlichen Dänemark, so heiße es in den Medien, sei man schon viel weiter, was Gewerbeansiedlungen im Zuge der Festen Fehmarnbeltquerung angehe. Doch auch in Ostholstein bereite man sich vor.

Landrat Reinhard Sager (CDU) verkündete gestern im Gewerbezentrum Eutin der Presse, dass der Kreis die Erstellung eines Entwicklungskonzepts in Auftrag gegeben habe. Auf Nachfrage des Fehmarnschen Tageblattes erklärte Sager unmissverständlich, dass Ostholstein an der Wertschöpfung durch den Bau der Beltquerung möglichst stark beteiligt sein wolle.

„Es ist das oberste Ziel, dass wir uns die Bauphase wirtschaftlich zu Nutze machen“, so Sager. Es gehe um „den größtmöglichen Nutzen für die Wirtschaft und den Tourismus und damit für die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen“. Im Klartext: Der Landrat möchte, dass möglichst viele Anteile auf deutscher Seite gebaut werden. Sager: „Die Musik gibt die dänische Seite vor. Aber wir möchten Einfluss nehmen. Wir wollen deutsche Firmen beteiligt sehen und deutsche Bauarbeiter, damit Wertschöpfung generiert wird.“ Es gebe von dänischer Seite allerdings auch die Aussage, dass man die Baustelle hauptsächlich vom Wasser aus betreiben wolle. „Dann wäre es mit der Wertschöpfung etwas weniger bis gar nichts“, weiß Sager. Bekanntlich hatte vor kurzem der Managing Director der Femern Bælt A/S, Peter Lundhus, erklärt, Fehmarn könne auf eine Baustelle auch verzichten. Daran denkt die Kreisverwaltung für Ostholstein aber keinesfalls. Sie zieht als möglichen Standort für die Fertigung allerdings auch den Lübecker Hafen in Betracht. „Es ist möglich, dass die Pylonen an drei oder vier Stellen gebaut werden“, sagte Horst Weppler von der Regionalplanung des Kreises, „es ist interessant für die Region, sich darum zu bewerben. Damit müssen wir uns intensiv beschäftigen.“ Im Grunde geht der Kreis aber schon davon aus, dass die deutsche Haupt-Baustelle auf Fehmarn sein wird. In den Ausschreibungsunterlagen für das Entwicklungskonzept heißt es nämlich: „Während auf der Insel Fehmarn und dem angrenzenden Festland natürlich die direkten Baumaßnahmen beispielsweise mit Fragen der Logistik der Baustelle, der Beeinträchtigung des Tourismus, den Möglichkeiten zur Beschäftigung von Mitarbeitern im Vordergrund stehen, sind es für die ganze Fehmarnbelt-Region Fragen nach dem möglichst großen wirtschaftlichen Nutzen, den es aus der neuen Verbindung zu ziehen gilt.“ „Die Befürchtungen, dass Ostholstein die Anbindungs-chancen nicht nutzt, sind nicht begründet“, sagte Claus-Peter Matthiensen von der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (egoh). In Ostholstein, erläutert Matthiensen, gebe es in den Gewerbegebieten noch Freiflächen von 45 Hektar. „Sehr schnell“ könne man 28 Hektar in dem interkommunalen Gewerbegebiet Oldenburg-Gremersdorf zur Verfügung stellen. „Auch Fehmarn ist hervorragend gerüstet“, betont Matthiensen. Es sei von der Stadtvertretung ein Aufstellungsbeschluss über die Erweiterung des Gewerbegebietes von sechs bis acht Hektar gefasst worden. Insgesamt könnten in Burg neue Gewerbegebiete in einer Größenmordnung zwischen zwölf und 15 Hektar entstehen. Bislang, räumt Matthiensen ein, habe selbst die Unterzeichnung des Staatsvertrages keinen Nachfrageboom ausgelöst. Es gehe nicht eine Betriebs-ansiedlung auf den bevorstehenden Bau der Querung zurück. In den letzten fünf Jahren indes hätten sich 60 neue Betriebe in Ostholsteins Gewerbegebieten angesiedelt. Eine „Großvorratung“ von Gewerbegebieten, ergänzte Landrat Sager, sei „nicht ratsam und nicht bezahlbar“. Um die Chancen für die Beltregion noch besser zu erkennen, heißt es in der Presseerklärung, soll für 100 000 Euro ein Entwicklungskonzept erstellt werden. Die Landesregierung honoriere das mit einer Förderung. 

 Landrat Reinhard Sager machte schon klar, dass sich die Beltregion von Kopenhagen/Malmö bis nach Hamburg erstrecke: „Wir müssen großräumig denken.“ Neben dem Kreis Ostholstein bemühen sich auch noch das Fehmarnbelt Business Council der Industrie- und Handelskammer, das Fehmarnbeltkomitee und das Fehmarnbeltforum um die Fehmarnbeltregion. Es gelte eine mentale Brücke zu bauen, so Landrat Sager gestern. Doch zu oft war zuvor schon vom „größtmöglichen wirtschaftlichen Nutzen“ die Rede.

• Präsentation • Ende 2009

Schon im Februar erwarte der Kreis erste Ergebnisse. Das Gutachten werde in zwei Phasen erstellt. Die erste Präsentation solle bis zum Sommer erfolgen. Eine weitere Präsentation in größerem Rahmen solle Ende 2009 vorgenommen werden. Der Kreis Ostholstein sei federführend tätig für die Kreise Segeberg, Stormarn und Lauenburg und die Stadt Lübeck sowie für die Industrie- und Handelskammer. Speziell für die Insel Fehmarn und den Norden des Kreises solle untersucht werden, welche Nutzungsmöglichkeiten für den Fährhafen Puttgarden bestünden, sofern der Fährbetrieb eingestellt würde. In der Presseerklärung heißt es: „Oder auch, welche zusätzliche Infrastruktur für die Querungsbaustelle notwendig ist und wie diese nach Fertigstellung der Querung weiter genutzt werden kann.“

• Infozentrum • auch am Belt ?

Der Kreis denkt über ein Informationszentrum nach, wie es am Öresund erfolgreich betrieben wurde. Wie die Folgenutzung aussehen würde, das wurde noch nicht angesprochen, doch hatte Landrat Reinhard Sager selbst vor kurzem ein Meeresforschungszentrum ins Spiel gebracht.

FT-online/lokales vom 28. Januar 2009

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