Ackermann: Straffen Zeitplan auferlegen und ihn einhalten / Breuer baut Netzwerk auf

CDU geht vieles zu langsam

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Die CDU stößt mit ihren Gästen auf das neue Jahr an: Fraktionschef Werner Ehlers, Kreistagsabgeordneter Torsten Busch, Ortsverbandsvorsitzender Raphael Ackermann, Schornsteinfeger Hermann Hansen, der jedem Gast eine Glücksmünze überreichte, Wirtschaftsförderin Steffi Breuer, Bundestagsabgeordneter Ingo Gädechens und Landtagsabgeordneter Peer Knöfler (v.l.).

Fehmarn – Von Andreas Höppner Jahrzehnt hin, Jahrzehnt her – die Diskussion darüber, ob ein neues Jahrzehnt am 1. Januar 2020 beginnt oder das alte erst am 31. Dezember 2020 endet, wurde auf dem Neujahrsempfang der CDU Fehmarn nicht geführt. Für den Ortsverbandsvorsitzenden Raphael Ackermann war „die Null einfach zu verlockend“, um die letzten zehn Jahre der Entwicklung Fehmarns Revue passieren zu lassen und schließlich vorwärtsgewandt zu fordern, Entscheidungen und Projekte müssten viel schneller umgesetzt werden.

Als Paradebeispiel führte er die rasche Verwirklichung des Skaterparks am Gahlendorfer Weg an. Für ihn, der als bürgerliches Mitglied im Finanzausschuss mitwirkt, steht auf der To-do-Liste, Ende 2020 an der Gorch-Fock-Straße ein Bauschild mit der Aufschrift „Hier entsteht bezahlbarer Wohnraum“ stehen zu haben. „Wir müssen uns einen straffen Zeitplan auferlegen und ihn einhalten“, machte Ackermann deutlich, dass ihm vieles zu langsam vorangeht, vor allem bei der Planung und Umsetzung von Baugebieten.

Ackermanns Achterbahnfahrt

Die letzten zehn Jahre glichen laut Ackermann einer Achterbahnfahrt, die mit der Finanzkrise startete und in die Klimakrise mündete. Ackermanns Achterbahn startete 2010 auf einem tief verschneiten Fehmarn, machte Halt beim neu eröffneten Inselbahnhof, stoppte 2012 am Neubau der Inselklinik und fuhr 2013 anlässlich ihres 50-jährigen Jubiläums über die Fehmarnsundbrücke. Er erinnerte an den Tod der ehemaligen CDU-Vorsitzenden Giesa Wulf (2014), die Wahl Jörg Webers (SPD) zum Bürgermeister und die Verbannung des Papiers aus dem Sitzungsdienst. 2016 sei der Kitesurf Worldcup auf die Insel gekommen, ein Jahr später das Einzelhandelskonzept aus der Taufe gehoben und 2018 eine neue Stadtvertretung gewählt worden. Und 2019 schließlich die Diskussion um die Aldi- und Edeka-Erweiterung mit oder ohne dm-Markt. Ackermanns Prognose für 2020: „Die Diskussion wird noch nicht zu Ende sein.“

Fehmarns CDU-Chef vergaß aber auch nicht, die für 2019 so bedeutsame Fridays-for-Future-Bewegung zu erwähnen. Er zeigte Verständnis für die von der Jugend geäußerten Sorgen, er forderte die Bewegung aber auch dazu auf, auf die „ältere Generation zuzugehen“ und schloss mit dem Kennedy-Zitat „Es ist das Schicksal jeder Generation, in einer Welt unter Bedingungen leben zu müssen, die sie nicht geschaffen hat“.

Die Lebensbedingungen auf Fehmarn zu verbessern, das hat sich Steffi Breuer (29) vorgenommen. Die Wirtschaftsförderin der Stadt Fehmarn, seit etwas mehr als 100 Tagen im Amt, war Gastrednerin auf dem CDU-Neujahrsempfang. Greifbare Ergebnisse konnte Breuer, die mit ihrem Mann, der in Marienleuchte seinen Marinedienst versieht, und der dreijährigen Tochter auf Fehmarn lebt, noch nicht vorlegen, denn Wirtschaftsförderung zielt nicht auf kurzfristige Erfolge ab, sondern will Strategien entwickeln, die langfristig und damit nachhaltig Wachstum und bessere Lebensbedingungen schaffen.

Noch sei sie damit befasst, sich ein breit aufgestelltes Netzwerk aufzubauen. Viele interessante und aufschlussreiche Gespräche mit heimischen Unternehmen und Verbänden habe sie bereits geführt und auch Kontakte hergestellt, beispielsweise zur Entwicklungsgesellschaft Ostholstein und zur Aktivregion Wagrien-Fehmarn.

Als wichtigen Bestandteil ihrer Arbeit sieht Breuer den Erhalt und die Neuschaffung von Arbeits- sowie Ausbildungsplätzen. Hinsichtlich Letzterem hält sie überbetriebliche Kooperation für ein mögliches Erfolgsmodell.

Neben Standortvorteilen wie die ausgewogene Mischung von Stadt und Land sowie den Wassersport hat Fehmarns Wirtschaftsförderin aber auch Faktoren ausgemacht, die die wirtschaftliche Entwicklung der Insel hemmen. Hierzu zählt sie eine zu wenig entwickelte Infrastruktur, den spärlich ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr sowie die Knappheit bezahlbaren Wohnraums. Der beschlossene Breitbandausbau sei deshalb „ein großer Gewinn“ für Fehmarn. Wichtig, so Breuer, sei auch der Bau einer Umgehungsstraße für Burg. Widmen wolle sie sich auch dem Ausbau der Elektromobilität. Große Hoffnungen setzt die 29-Jährige in die begonnene Ausarbeitung eines Ortsentwicklungskonzeptes, das essenziel für vielfältige Förderanträge sei.

Nicht fehlen darf bei der städtischen Wirtschaftsförderung das Thema Feste Fehmarnbeltquerung. Hier gelte es, so Breuer, die Chancen und Potenziale zu erkennen und daraus Maßnahmen abzuleiten, die die wirtschaftliche Entwicklung Fehmarns voranbrächten. Ganz wichtig sei es, dass Fehmarn trotz des Tunnelbaus auch in der Bauphase attraktiv bleibe.

Gute Laune versprühte schließlich Fehmarns Bundestagsabgeordneter Ingo Gädechens. In Anbetracht der brisanten geopolitischen Lage im Nahen und Mittleren Osten sowie der jüngsten Großbrände in Südamerika und Australien ließ er in seinem Grußwort aber auch mahnende Worte nicht aus, die optimistische Grundhaltung war aber eindeutig zu erkennen. Seine nicht ganz ernst gemeinten Aussichten auf Fehmarn 2020 besaßen schon den Charakter, als wären sie Bestandteil einer Büttenrede. Sie gipfelten darin, dass den häufig prämierten Campingplätzen der Insel demnächst zehn Sterne verliehen werden und er als ehemaliger Marinesoldat die Gorch Fock in den Hafen von Burgstaaken steuert – es fehlte lediglich noch der Narrenruf Helau.

Erbsensuppe kommt mit Alarm

In dieser Hinsicht konnte dann nur noch der mit dem Catering beauftragte Peter Wolf mithalten, der die frische Erbsensuppe, die traditionell zum CDU-Neujahrsempfang ausgegeben wird, durch den Notausgang in die Mensa schob und zur Erheiterung der anwesenden Gäste prompt den Alarm auslöste.

Ein weiteres Mal Teil des Programms des CDU-Neujahrsempfangs waren auch 2020 die Sternsinger, die zwei Lieder zum Besten gaben, anschließend durch die Reihen gingen und um Spenden baten. Die diesjährige Aktion läuft unter dem Motto „Frieden! Im Libanon und weltweit“ und soll auf die Flüchlingskrise im Libanon aufmerksam machen.

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