Noch während der Anmeldefrist gibt es kontroverse Diskussionen

Gemeinschaftsschule: Flucht oder Siegeszug?

Vermutlich fünf Fehmaraner Kinder werden das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium besuchen.

FEHMARN (wi) • Noch vier Tage bleiben zur Anmeldung der künftigen Fünftklässler an der Gemeinschaftsschule Fehmarn – während immer noch heiß über die neue Schulform diskutiert wird.

„Flucht vor der Gemeinschaftsschule“, so lautete ein Artikel in den „Lübecker Nachrichten“. Während das „Hamburger Abendblatt“ titelte: „Siegeszug der Gemeinschaftsschule.“ Was ist denn nun richtig?

Genaue Zahlen sind nur schwierig zu erhalten, doch offenbar werden fünf Schülerinnen und Schüler der Insel, die eine Empfehlung für das Gymnasium haben, künftig täglich nach Oldenburg fahren, um dort das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium zu besuchen. So bestätigte es der Schulleiter Bernhard Koslowski auf unsere Nachfrage. Einige wenige Schüler höherer Klassen wollen nach unseren Recherchen zudem nach Oldenburg wechseln, nur weil sie in ihrem Zeugnis nicht „Gemeinschaftsschule“ stehen haben möchten. Auch zwei Lehrer des Inselgymnasiums seien bereits zum Freiherr-vom-Stein-Gymnasium gewechselt, so bestätigte Bernhard Koslowski.

„Die gymnasialempfohlenen Heiligenhafener Kinder werden fast komplett zu uns kommen“, meinte Koslowski. Und das wäre natürlich keine gute Nachricht für die Gemeinschaftsschule Fehmarn. „Bislang hatten wir Heiligenhafen kampflos aufgegeben, damit auch das Inselgymnasium bestehen konnte“, so der Leiter des Oldenburger Gymnasiums, „doch diesmal kommen sie von selbst.“

Fehmarn braucht Schüler vom Festland

„Auch wir haben Anmeldungen gymnasialempfohlener Kinder aus Großenbrode und Heiligenhafen“, hält Fehmarns Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt dagegen, „und wir bekommen auch realschulempfohlene Kinder vom Festland, die wir zu Abiturienten machen möchten.“ Er weiß, dass die Gemeinschaftsschule auch Schüler vom Festland brauchen wird, soll später die gymnasiale Oberstufe auch wirklich eingeführt werden können. Dass auf Fehmarn weiter das Abitur gemacht werden kann, war ja der Hauptgrund für die Schulreform auf der Insel.

Von einer großen Flucht vor der Gemeinschaftsschule kann anscheinend also keine Rede sein. Ob Fehmarn allerdings im Sommer 150 Schülerinnen und Schüler einschulen kann, wie es sich Politik und Verwaltung als Zielvorgabe gesteckt haben? „Ich gehe davon aus, dass wir diese Zahl am Freitag erreicht haben, zumindest annähernd“, so noch einmal Otto-Uwe Schmiedt.

Gemischte Gefühle

Doch auch der große Siegeszug, den das „Abendblatt“ verkündete, der muss sich erst noch bewahrheiten. „Selbst Städte, Ämter und Gemeinden, in denen die CDU den Ton angibt, liebäugeln mit der lange bekämpften Einheitsschule“, heißt es in dem Artikel. Die Gemeinschaftsschule habe gegenüber der Regionalschule die Nase vorn. Und weiter: „Während die CDU-Schulpolitiker in Kiel Trauer tragen, knallen bei der SPD-Landtagsfraktion die Sektkorken.“

Bei den Eltern scheinen die Gefühle sehr gemischt, seit die Verordnung über die Gemeinschaftsschule verabschiedet ist. Auf der einen Seite ist von „Schmusezeugnissen“ bis zur Klasse 8 die Rede. Auf der anderen Seite wird nach der 10. Klasse plötzlich ein Notendurchschnitt von 2,4 in den Hauptfächern Deutsch, Englisch und Mathematik erwartet, um überhaupt auf die gymnasiale Oberstufe zu dürfen.

Bürgervorsteherin beruhigt

Bürgervorsteherin Margit Maaß (CDU), die sich sehr für die Einführung der Gemeinschaftsschule stark gemacht hat, versucht, die Diskussion zu beruhigen. Es könnten auch schon vor der 8. Klasse Noten vergeben werden – und dies sei in dem pädagogischen Konzept der Gemeinschaftsschule ausdrücklich vorgesehen. Und die Bürgervorsteherin erklärt auch, dass sich der Notendurchschnitt auf den mittleren Abschluss nach der zehnten Klasse beziehe.

Das Abitur nach zwölf Jahren ist auf der Gemeinschaftsschule allerdings nicht vorgesehen. Es heißt in der Verordnung: Die Schülerinnen und Schüler bleiben bis zum Abschluss der Sekundarstufe I in ihrer Lerngruppe. Ein Überspringen oder Wiederholen ist nur in Ausnahmefällen möglich.

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