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ASB-Rettungsdienstleiter Hans-Jörg Will sieht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, den Betrieb des Rettungsdienstes auch in Corona-Zeiten sicherzustellen.

Einhaltung der Hygienekonzepte ist für den ASB der Schlüssel zum Erfolg

Gerüstet für die zweite Welle

Fehmarn/Heiligenhafen – Von Peter Foth Es wäre schon ein schlimmes Szenario, wenn einer der 125 hauptamtlichen Mitarbeiter des ASB-Regionalverbandes positiv auf das Coronavirus getestet würde. Für den Rettungsdienst würde das bedeuten, die Einsätze zu reduzieren. Und in den anderen sozialen Diensten, wie ambulante Pflege, Hausnotruf, Kita und Verwaltung, müsste die Arbeit eingeschränkt werden. Der ASB sieht sich aber gut gerüstet, auch durch die zweite Corona- Welle zu kommen.

  • Strikte Abstandsregeln und Kontaktverbot in den Rettungswachen
  • ASB setzt auf Wachtrennung
  • Kontakt mit den Gesundheitsämtern ausbaufähig

„Im Rettungsdienst hat das konsequente Hygienekonzept, das man schon zu Beginn der Pandemie eingeführt hat, bis heute Wirkung gezeigt“, sagte Rettungsdienstleiter Hans-Jörg Will. Auf den Rettungswachen in Heiligenhafen, Burg und Petersdorf herrschten strikte Abstandsregeln und ein Kontaktverbot, das bedeute, dass keine fremden Personen die Rettungswachen betreten dürfen. Eigene Mitarbeiter dürfen sich nur zu dienstlichen Zwecken auf den Wachen aufhalten. Um das regelmäßige Lüften der Wachräume sicherzustellen, sei eine CO2-Timer-App installiert worden, sagte der Rettungsdienstleiter. Besprechungen würden nur in kleinem Rahmen oder als Videokonferenzen stattfinden. Auch bei der Bekleidung gibt es neue Vorgaben. So werden auf den Wachen Trainingsanzüge getragen, wenn kein Einsatz läuft. Gibt es Alarm, schlüpfen die Notfallsanitäter in ihre Einsatzkleidung. „Wir müssen alles tun, um das Virus nicht an uns herankommen zu lassen“, so Hans-Jörg Will. Auf der Fahrt zum Einsatzort tragen beide Sanitäter, wenn sie vorne im Fahrzeug sitzen, einen Mund-Nasen-Schutz. Dasselbe taktische Vorgehen gelte auch am Einsatzort, wo der Patient sofort mit einer Maske versorgt wird. Nach jedem Einsatz werden die Flächen im Rettungswagen aufwendig desinfiziert, zweimal in der Woche ist eine Kontrolle der Schutzartikel vorgesehen. In der zweiten Corona-Welle setzt man aber noch mehr auf eine Wachtrennung. So kommen auch die Notfallsanitäter nur noch mit ihrer Schicht zusammen. Wenn es zu einem positiven Test kommen sollte, müssten nur die zwei betroffenen Mitarbeiter in Quarantäne geschickt werden. Der restliche Rettungsdienst wäre weiter einsatzfähig, so Will gegenüber unserer Zeitung. Wie ASB-Geschäftsführerin Elke Sönnichsen berichtet, mussten aus anderen Abteilungen schon Mitarbeiter in Quarantäne geschickt werden. Zum Glück seien aber alle Mitarbeiter gesund wieder zurückgekehrt. „Ich hoffe, es bleiben alle weiterhin gesund und können ihre Aufgaben wahrnehmen“, so Sönnichsen.

Gesundheitsämter zum Teil schwer erreichbar

Beim ASB hat man aus der ersten Corona-Welle gelernt. Heute ist man schon einen Schritt weiter. Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel konnten bevorratet werden. Die Geschäftsführerin und die Verwaltung halten laufend den Kontakt zu Behörden und Dienststellen, die dringend Informationen benötigen, um zu wissen, wie es im Land aussieht. Als ausbaufähig bezeichnet Sönnichsen jedoch den Kontakt mit den Gesundheitsämtern, denn hier sei an den Wochenenden kaum jemand zu erreichen, bemängelt sie. Mit Beginn der zweiten Corona-Welle gebe es weitere wichtige Vorgaben umzusetzen. „Im Großen und Ganzen waren es viele neue Aufgaben, die bewältigt werden mussten, nun sind wir aber einen Schritt weiter und wissen, was ab Montag auf uns zukommt und sind gut vorbereitet“, resümiert die ASB-Geschäftsführerin. Für die Mitarbeiter der ambulanten Pflege und die Patienten war die Umsetzung der Hygienemaßnahmen am Anfang sehr schwer. Die hauswirtschaftliche Versorgung sei aus Angst vor Ansteckung vorerst abgesagt worden. „Hier entstand natürlich eine Lücke in wirtschaftlicher Sicht, aber auch bei der Beschaffung von Masken und Desinfektionsmitteln“, so Sönnichsen. Für Pflegedienstleiterin Laura Ossenbrüggen geht durch Corona viel Nähe verloren. Beruhigender und tröstender Körperkontakt, wie Handstreicheln sei eigentlich kaum noch möglich und ein Lächeln unter der Maske könne kaum wahrgenommen werden. Die Kaffeerunde mit Mitarbeitern ging verloren. Dazu komme ein höherer Krankenstand. Doch der Einsatzwille sei groß. Das vorhandene Personal stehe alles Hand in Hand durch, „jeder tut, was er zusätzlich tun kann“, findet Laura Ossenbrüggen lobende Worte.

Vom plötzlichen Aus für die Kita „Kunterbunt“ in Groß Meinsdorf am 16. März 2020 war man vonseiten des ASB richtig geschockt, berichtet ASB-Geschäftsführerin Elke Sönnichsen. Während der Corona-Zeit entstand ein reger Meinungsaustauch mit den Eltern per E-Mail. Für die Kinder, die zu Hause bleiben mussten, sei eine „Hoffnungsregenbogen“- Aktion ins Leben gerufen worden, sodass der Kontakt aufrechterhalten werden konnte. Zurzeit befindet sich der ASB-Kindergarten wieder im Regelbetrieb mit allen notwendigen Hygienemaßnahmen. Mit Sorge blicke man aber auf den neuen kleinen Lockdown. „Zum Glück sollen die Kindertagesstätten geöffnet bleiben, so der Erlass der Landesregierung“, sagte Sönnichsen. Nach den Worten des Vorsitzenden des ASB-Regionalverbandes Ostholstein, Jörg Bochnik, haben alle ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer die erste harte Corona-Phase überstanden und sind dem ASB weiter treu geblieben. Nach kurzer Aufnahme der Gruppenarbeit ist nun aber wieder für vier Wochen Pause. Das gelte für die Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG), den Katastrophenschutz und die Drohnen-Gruppe genauso wie für das Einsatzleitfahrzeug, das bei Großeinsätzen des Rettungsdienstes mit ehrenamtlicher Besatzung alarmiert werde. Nach der ersten Corona-Welle gab es bei der Arbeiter-Samariter-Jugend (ASJ) eingeschränkt wieder Jugendarbeit. Darüber freuten sich die Kinder in Heiligenhafen und auf Fehmarn. Jetzt ist für sie allerdings ebenfalls Pause. Auch der Sanitätsdienst fiel dem Coronavirus zum Opfer, da es keine großen Veranstaltungen mehr gab. Die Erste-Hilfe-Ausbildung wurde allerdings nach einer kurzen Pause unter strengen Auflagen wieder gestartet. „Die Führerscheinanwärter standen Schlange, da sie den Erste-Hilfe-Nachweis für den Erwerb des Führerscheins dringend brauchten“, so Jörg Bochnik. Auch in der Geschäftsstelle wurde es ruhiger. Wegen des Kontaktverbots und der Abstandsregelung kam es zu verkürzten Arbeitszeiten. Besuche waren nicht möglich, wer die Möglichkeit hatte, arbeitete im Homeoffice.

Jörg Bochnik: Neue Regelungen notwendig

Nach dem neuen Lockdown befragt, sagte der Vorsitzende Jörg Bochnik, dass er im Anbetracht der neuen Corona- Zahlen die Regelung für notwendig halte. Der ASB werde bemüht sein, auch diese Hürde zu nehmen, auch wenn jetzt die Aus- und Fortbildung für vier Wochen eingestellt werden müsse. Erste-Hilfe-Kurse könnten bis zu einer veränderten Anweisung durch die Berufsgenossenschaften grundsätzlich weiter angeboten werden, um die Selbsthilfekapazität der Bevölkerung zu stärken. Hierbei seien die geltenden Hygienekonzepte konsequent einzuhalten. Die diesjährige Mitgliederversammlung des ASB wurde komplett abgesagt. Die Versammlung für das Jahr 2021 wird wahrscheinlich von März auf Ende Mai verschoben. In der Hoffnung, dass dann coronamäßig die Bedingungen stimmen und geplante Nachwahlen für den Vorstand satzungsgemäß erfolgen können, so Bochnik abschließend.

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