Jahresverlust von 6500 Euro/Kein leichtes Erbe für neuen Vorsitzenden Hans-Christian Evers

Gewerbeverein durchschreitet tiefes Tal

Hans-Christian Evers (r.) wurde zum neuen 1. Vorsitzenden des Gewerbevereins Westfehmarn gewählt.

Von Nicole RochellPETERSDORF • Hans-Christian Evers hat kein leichtes Erbe anzutreten. In diesen Zeiten 1. Vorsitzender des Gewerbevereins Westfehmarn zu sein – kein Zuckerschlecken.

Der Verein steht finanziell auf tönernen Füßen. Das verregnete Rapsblütenfest 2006, Steuernachzahlungen für die Jahre 2003 bis 2005 in Höhe von 6500 Euro („das Finanzamt hat uns eingeholt“, so Kassenwart Wolfgang Stahnke) sowie eine bereits geleistete Anzahlung für 2006 tragen zu einem Jahresverlust von 6500 Euro bei.

Zudem hat der Gewerbeverein noch zwei Darlehen an der Backe, darunter eines des Anfang November verstorbenen 1. Vorsitzenden Heiner Rahlf. Die Darlehen – damals die Rettung vor dem Weg zum Amtsgericht, heute eine nicht unerhebliche Bürde für den Verein, der sich derzeit keine großen Sprünge erlauben kann.

Wieder mehr Niveau

Wie kann das Rapsblütenfest unter diesen finanziellen Umständen trotzdem auf ein höheres Niveau gebracht werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Mitglieder des Gewerbevereins auf jüngster Jahreshauptversammlung.

Denn: „Ich will, dass das Rapsblütenfest wieder Niveau bekommt“, hatte Evers, neuer Mann an der Spitze des Gewerbevereins, im Anschluss an seine Wahl die Marschroute vorgegeben. Gemeinsam mit den derzeit 49 Mitgliedern hoffe er, neuen Schwung in die Traditions-Veranstaltung bringen zu können. Die wird  übrigens vom 17. bis zum 20. Mai – Christi Himmelfahrt, ein Donnerstag, bis zum Sonntag – vier Tage lang rund um den Petersdorfer Dorfteich gefeiert. „Es muss da was geschehehen“, will Evers vermehrt auf Stände mit Kunsthandwerk setzen. 40 entsprechende Marketender seien im Vorfeld bereits angeschrieben worden, so Evers gegenüber dem FT, der sich auch über Bruno Waschkies und seine „Amboss-Polka“ als Attraktion von der Insel freuen würde.

Inthronisierung wieder auf dem Dorfteich

Das Fest wieder attraktiver machen – das große Ziel. Einen Beitrag dazu leisten soll die Inthronisierung, die, wie früher, auf einem Ponton, einer schwimmenden Bühne inmitten des Petersdorfer Dorfteichs stattfinden soll. „Es kann nur besser werden“, so Evers.

Sagt sich auch Kassenwart Wolfgang Stahnke. Für das Rapsblütenfest im Mai rechnet er mit Kosten in Höhe von 30000 Euro, eine Summe, die durch Stand- und Sponsorengelder erst einmal eingespielt werden müsse, denn, richtig: in der Kasse ist derzeit kein Geld, dafür ein Minus von über 6000 Euro. Stahnke kalkulierte in seinem Haushaltsplan mit Einnahmen von 27500 Euro.

Das Rapsblütenfest attraktiver aufzuziehen – diesen Wunsch trage er gerne mit, „aber es muss auch finanzierbar sein“, so Stahnke. Zu- nächst einmal müsse daran gearbeitet werden, aus den roten Zahlen zu kommen. Wenn das Wetter wieder nicht mitspiele, das Fest nach wie vor nicht genügend von den Feh- maranern angenommen werde, sehe es jedenfalls bitter aus für den Gewerbeverein, so Stahnke.

So sieht’s auch Schriftführer Jörn Schmidt. Alles stehe und falle mit dem nächsten Rapsblütenfest. Denn danach sollen die Darlehen in Angriff genommen werden. Wenn schlechtes Wetter abermals für ein Minus in der Kasse sorgen sollte, „sind wir planungs- und bewegungsunfähig“, zeichnete Schmidt die Konsequenzen auf. In diesem Falle sollte sich jeder darüber im Klaren sein, dass das Rapsblütenfest dann nicht mehr stattfinden könne. „Wir brauchen die Unterstützung der Fehmaraner und die Akzeptanz, dass das Rapsblütenfest eine Attraktion ist“, so Schmidt, der mangelnde Unterstützung seitens des Tourismusausschusses beklagte. „Wir werden schlicht und ergreifend stiefmütterlich behandelt“, so Schmidt gegenüber dem FT. Der Tourismusausschuss, der sich mit der Förderung von Vereinen befasse, habe die Wirkung des Rapsblütenfestes, „eine Institution auf der Insel seit 22 Jahren“, noch nicht erkannt. „Wir werden den Tourismusausschuss, den Beirat und den Bürgermeister anschreiben, um die Sache ins Rollen zu bringen“, hofft Schmidt dann auf mehr Zuwendung. Nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht.

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