Andreas Huber spricht im „liebevoll“ über Nachhaltigkeit, die bei uns selbst beginnt

„Es gibt ein Bremspedal“

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Das große Ganze im Blick: Andreas Huber referierte über Nachhaltigkeit und die notwendige Kooperation der Menschen.

FEHMARN -mb- Volles Haus im Veranstaltungssaal im Café „liebevoll“, als Marco Eberle seinen Gast Andreas Huber am Dienstagabend begrüßte. „Club of Rome – da war doch was“, erinnerte sich Eberle. Huber ist seit zwei Jahren Geschäftsführer des deutschen Ablegers, dessen „Geschäftsstelle direkt vor der Haustür liegt“, erklärte Eberle, der den gefragten Redner in Sachen Nachhaltigkeit unbedingt aus Hamburg auf die Insel holen wollte. Der Schwabe, der als Praktikant beim Club of Rome angefangen hat, ist seit Jahren ein Mahner hinsichtlich der Sorge um die Zukunft der Erde.

Während sein Arbeitgeber vor 50 Jahren erstmals vor dem globalen Kollaps warnte, hatte Huber sozusagen seinen Er-weckungsmoment während des Studiums durch einen Vortrag des Mathematikprofessors Franz-Josef Radermacher. „Er hat meinen Horizont geweitet – es muss mehr als ‚schaffe, schaffe, Häusle baue‘ im Leben geben“, so der Schwabe.

Die Erkenntnis, dass der Raubbau an der Erde besser heute als morgen enden muss, könne nur von jedem Einzelnen ausgehen, denn nur so würde ein Umdenken einen Strukturwandel auslösen, sagte Huber, der damit zugleich den roten Faden seines Vortrages herauskristallisierte.

„Der Mensch ist in einer Beziehung mit der Erde, nur ist das Verhältnis gestört.“ Ein bildlicher Vergleich, der deutlich mache, dass wir „mehr nehmen als uns zusteht – obwohl wir hochzivilisiert sind“, mahnte Huber und sprach vom Anthropozän, dem Zeitalter des Menschen. „Der Mensch setzt viel Energie ein, um den Planeten zu verändern – gewollt und ungewollt.“ Dabei „beherrsche unser Tun und Handeln mittlerweile alles“, und entsprechend müsse daher auch unsere eigene Verantwortung steigen. „Wir müssen anderen Ländern, die so leben wollen wie wir, zeigen, dass mit den vorhandenen Ressourcen verantwortungsvoll umgegangen werden muss.“

Sei es die Nutzung von Ökostrom, weniger Fleisch oder weniger Fliegen“, zählte er beispielhaft auf: „Es gibt ein Bremspedal. In Deutschland werden wir die Welt nicht retten, aber wir können Vorbild sein, inspirieren und Vorangehen.“ Am Ende müsse uns keine Verschiebung des bestehenden Systems gelingen, sondern Ziel muss ein neues System sein, das auf einer positiven Idee der Zukunft basiert. „Diese Hürde des Strukturwandels ist machbar, wenn wir miteinander kooperieren und lernen, von unseren eigenen Positionen auch ein Stück weit abzurücken“, erläuterte Huber und nahm dabei explizit die Nachhaltigkeitsszene von diesem Gedanken nicht aus. „Wir müssen miteinander reden, unser eigenes Ego überwinden. Lösungswege gibt es genug.“

In der Diskussion musste sich Huber auch Kritik anhören. „Was hat denn der Club of Rome bisher bewegt“, fragte ein Zuhörer. Konkret messen ließe sich das nicht, aber Ziel der weltweit agierenden Organisation sei ein globaler Gedankenaustausch und Wissenstransfer im Sinne des Kerngedankens: Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen.

Seit der viel beachteten Studie „Die Grenzen des Wachstums“ von 1972 habe man 34 sogenannte „Berichte an den Club of Rome“ unter dem Aspekt der zukünftigen Entwicklung angenommen, die von Mitgliedern oder externen Experten verfasst wurden, führte Huber weiter aus. Zudem sei man Mitinitiator der „Global Marshall Plan Initiative“ und habe bisher 16 Club of Rome-Schulen in Deutschland zertifizieren lassen. Diese würden sich durch eine offene, auf Selbstverantwortung, Teamarbeit und Projektorientierung fußende Lernkultur auszeichnen, die Individualität, Toleranz und gelebte Vertrauenskultur ins Zentrum rückt.

Nichts­des­to­trotz bat Huber wieder, auf die Möglichkeiten des Einzelnen zu blicken und sich von der „Macht der Großkonzerne“, die in der Diskussion zwangsläufig für Unmut sorgen musste, nicht entmutigen zu lassen. „Es geht im Kern um unsere persönliche Haltung. Damit fängt es an, darauf müssen wir uns fokussieren.“

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