U-18-Weitsprung-Europameister Nick Schmahl wieder zurück in Deutschland / 7,60 Meter in Ungarn

Gold-Nick gebührend empfangen

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Die Leichtathletiksparte des TSV Heiligenhafen bereitete dem U-18-Europameister im Weitsprung, Nick Schmahl, einen gebührenden Empfang.

HEILIGENH./FEHMARN -lb- Am Sonntag wurde Nick Schmahl mit 7,60 Metern U-18-Europameister im Weitsprung (wir berichteten). Am Mittwochabend bereitete die Leichtathletiksparte des TSV Heiligenhafen dem Fehmaraner einen gebührenden Empfang.

2015 wurde Frank Meier Schmahls Trainer. Beide haben mit den olympischen Jugendspielen das nächste Ziel vor Augen.

„Du hast uns unheimliche Freunde bereitet“, begrüßte Schmahls Trainer Frank Meier seinen Schützling, der dann auch seinen Platz in der Weitsprunggrube auf der Sportanlage im Sundweg einnahm. „Die Weitsprunggrube ist Nicks Wohnzimmer“, erklärte Meier weiter. „Ich kann mich noch gut an deinen ersten Tag hier bei uns erinnern. Du bist die 100 Meter gelaufen und hast gut mitgehalten, sodass ich mich bei Michael Erfmann erkundigen musste, wer du bist“, so Meier. „Der ist neu“, meinte Erfmann damals trocken. Die jeweiligen Weiten waren am Rand der Weitsprunggrube entsprechend markiert.

Im zarten Alter von zwölf Jahren kam Nick Schmahl im Weitsprung auf eine Weite von 4,76 Meter. Deutschlandweit lag Schmahl damit auf Platz 62. Mit 13 Jahren sprang der Todendorfer 5,79 Meter weit. Platz zwei in Deutschland und die TSV-Verantwortlichen wussten, dass sie mit Nick Schmahl eine „Granate“ in ihren Reihen haben. Es folgte der Trainerwechsel von Michael Erfmann zu Frank Meier. 5,93 Meter sprang Meiers neuer Schützling in der Halle.

„Dann ging die Seuche los“, blickte Meier zurück. Bei den Blockmeisterschaften in Lübeck quälte sich Schmahl verletzungsbedingt durch den Wettkampf. Die Saison war gelaufen. 2015 steigerte Schmahl seine Sprungleistung in der Halle auf 6,27 Meter, jedoch verletzte er sich erneut, sodass wieder eine Saison gelaufen war.

Es schlichen sich erste Zweifel bei dem jungen Leichtathleten ein. Schmahl ist ein Multitalent. Neben der Leichtathletik stand der heute 16-Jährige damals im Landesauswahlkader Kegeln und war Auswahlspieler im Fußball. Frank Meier konnte den Weitspringer zum Weitermachen überreden: „Spiel auf einem Klavier.“ Fortan setzte der Fehmaraner nur noch auf die Leichtathletik.

In Hamburg verbesserte er sich auf 6,83 Meter. Sein Trainer kam ein bisschen zu spät zum Wettkampf und erfuhr die Weite aus dem Stadionlautsprecher. Erstmalig musste Schmahl gegen Ältere antreten. Nun sollte unbedingt die 7-Meter-Marke geknackt werden. Das persönliche Umfeld sowie der Landestrainer legten allesamt eine Schippe drauf. 7,20 Meter sprang er im Januar 2018 in der Halle in Hamburg.

Im Mai dann ein weiterer Rückschlag. Erstmalig bei einem Wettkampf waren alle seine Versuche ungültig. Bei den Kreismeisterschaften in Heiligenhafen startete der Insulaner bei den 110 Meter-Hürden. Nach 14,99 Sekunden war der Weitspringer im Ziel. Der Trainingsplatz in Heiligenhafen war gesperrt, sodass Weitsprung auf Fehmarn trainiert werden musste. Das sollte sich auszahlen. Mit 7,34 Meter qualifizierte er sich für die internationale U-18-Gala in Schweinfurt. Dort brachte Schmahl die beste Vorleistung mit. Völlig tiefenentspannt ging es in den Wettkampf. Die Konkurrenz dort war sichtlich nervös. Nick Schmahl holte seinen Zauberwürfel heraus und entspannte. Als Letzter kam der Todendorfer am sogenannten Call Point an – hier müssen sich die Leichtathleten vor dem Wettkampf bis zu einer bestimmten Uhrzeit einfinden. 7,28 Meter im ersten Versuch. Die Norm für die Europameisterschaften lag bei 7,30 Meter.

Landesrekord mit 7,46 Metern in Schweinfurt

Mit 7,46 Metern im zweiten Versuch sprang er Landesrekord bei den Männern U-18. Platz eins in Deutschland und Zweiter in Europa. Doch die Realität holte den Weitspringer schnell wieder ein. Bei den Landesmeisterschaften, drei Tage später in Flensburg, kam Nick Schmahl nur auf 6,80 Meter im fünften Versuch. Auch davon ließ sich der 16-Jährige nicht erschüttern. Im zweiten Versuch bei den Europameisterschaften im ungarischen Györ setzte er mit reichlich Rückenwind mit 7,60 Metern einen Riesensatz in die Grube.

„Ich hatte Tränen in den Augen und bin zu Mama gelaufen“, schilderte Nick Schmahl seine Emotionen nach dem Goldsprung. „Die Siegerehrung war aber noch aufregender als der Wettkampf“, so der Leichtathlet, der sich in seiner fünften Saison befindet. Es war die erste internationale Medaille für Schmahl. „Auch bei den deutschen Meisterschaften habe ich bislang nie eine Medaille gewonnen“, erklärte der Leichtathlet auf FT-Nachfrage.

Erstmalig war der Fehmaraner mit der Nationalmannschaft unterwegs. „Ich habe viel mit anderen ausländischen Wettkämpfern unternommen. Das hat richtig Spaß gemacht“, erklärte der 16-Jährige weiter. Fünf bis sechs Trainingseinheiten absolviert er in der Woche. Das nächste Ziel sind die olympischen Jugendspiele vom 6. bis 18. Oktober in Buenos Aires. Doch auch das Fernziel, die Olympischen Spiele 2024 in Paris, haben der Weitspringer und sein Trainer Frank Meier im Blick. Trainingstechnisch will es Schmahl nun erst einmal etwas ruhiger angehen lassen. Dann wird gemeinsam mit seinem Trainer der Trainingsplan für Argentinien ausgearbeitet.

Heiligenhafens Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) ließ es sich nicht nehmen, dem U-18-Europameister höchstpersönlich zu gratulieren. „Ich muss die Weitsprunggrube verlängern“, lächelte Müller nach der Gratulation. Nick Schmahl nimmt immer die rechte Bahn in Heiligenhafen. „Vielleicht wird es die ‚Nick-Schmahl-Bahn‘“, so der Bürgermeister.

Auch der TSV-Vorsitzende Thomas Wende gehörte zu den persönlichen Gratulanten. Beim Mitternachtslauf am 27. Juli (Freitag) will der TSV den U-18-Europameister noch einmal besonders auszeichnen. Vermutlich wird Nick Schmahl die Auszeichnung nicht persönlich in Empfang nehmen können, da zu diesem Zeitpunkt die deutschen Meisterschaften U-20/U-18 in Rostock stattfinden.

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