Standing Ovations für Hafensanierung und Vorstand auf Mitgliederversammlung der Segler

„Das ist großartig geworden“

+
Sind stolz auf ihren zukunftsfitten Hafen: Sportwart Dr. Martin Rafalczyk, 2. Vorsitzender Bernd Reinitz, Kassenwart Otto Axel Peters, 1. Vorsitzender Jürgen Pauleweit, Jugendwart Joachim Nowak und Schriftführer Thomas Bansemer (v.l.) stellen sich als neues Vorstandsteam allen kommenden Herausforderungen.

Fehmarn – Von Nicole Rochell „Die Hafensanierung ist großartig geworden.“ Standing Ovations von 65 Mitgliedern, die den Vorstand des Seglervereins Lemkenhafen-Fehmarn eingangs der Mitgliederversammlung am Sonnabend mit lang anhaltendem Applaus feierten. Allen voran ihren 1. Vorsitzenden Jürgen Pauleweit, der sich darüber freute, dass das Vereinsheim bis auf den letzten Platz gefüllt war. „So voll war es noch nie. Wir müssen anbauen“, so Pauleweit. Ein Scherz. Denn nach den just abgeschlossenen Sanierungsarbeiten des Hafens hält sich die Freude an weiteren Maßnahmen baulicher Art bei den Seglern aus dem Inselwesten erst einmal in Grenzen.

Trotz etlicher Hürden, die Vorstand und Mitglieder in den zurückliegenden Wochen und Monaten zu nehmen hatten, konnte die Sanierung der Mittelmole, des Mittelmolenkopfes, der Neubau der angrenzenden Stege 1 und 4, des Nordsteges bis zum Haupttor, des Mittelsteges sowie Unterhaltungsbaggerungen (Hafen und Rinne) wie prognostiziert pünktlich zu Ostern abgeschlossen werden.

Ein 18-tägiger Baustopp war sogleich ein Schlag ins Kontor, an den sich in der Rückblende am Sonnabend keiner gern erinnerte. Und plötzlich standen die Bagger still. Die Untere Bauaufsichtsbehörde in Eutin hatte die auferlegte Ruhezeit bekanntlich seinerzeit verordnet. Es ging um einen Paragrafen und ein wohl nicht richtiges Formular, auf dem der Bauantrag eingereicht worden war, hieß es am Sonnabend im Vereinsheim. „Wir haben nichts verändert an dem, was wir gemacht haben“, liegt Jürgen Pauleweit in Erinnerung an diesen Tiefschlag noch immer schwer im Magen. Apropos schwer. 1500 Seiten begleitendes Papier, auf einem Haufen dicker als ein Ziegelstein, werden wohl noch lange an dieses Erschwernis erinnern. Unschön auch die lange und freudlose Geschichte der Baggerarbeiten. Schon an Tag drei war ein kleiner Bagger mit Wellenschaden ausgefallen. Ein Ersatzbagger dieser Größenordnung gab es seinerzeit nicht, stattdessen rollte ein Riesenbagger an, der im Hafen kaum manö- vrierfähig war und auch ein paar Pfähle mit sich riss, wie sich Jürgen Pauleweit und 2. Vorsitzender Bernd Reinitz im Rahmen der Mitgliederversammlung erinnerten. Und an nicht eingehaltene Leistungen, um es mal höflich zu formulieren. Statt der vereinbarten 3700 Kubikmeter habe die Firma nur 1000 entnommen, schilderten Pauleweit und Reinitz. Der Schmu flog auf, als die Segler eine Testfahrt mit einem Schiff mit 2,30 Meter Tiefgang unternahmen – und nicht nur Wasser unter sich spürten.

Nach anwaltlicher Aufforderung wurde bereits nachgebessert, und noch einmal werden demnächst finale Baggerarbeiten im Hafen vorgenommen werden, um die Maßnahme endgültig zu beenden. Was man bestenfalls als unseriös bezeichnen könnte, trägt in drei anderen Vorfällen, die sich in den letzten Monaten ereigneten, klipp und klar den Stempel Betrug.

Überweisungsträger mit der gefälschten Unterschrift des 1. Vorsitzenden wurden in unterschiedliche Postkästen der Bank geworfen, mit der der Seglerverein seine regelmäßigen Geschäfte abwickelt. Im ersten Fall folgte tatsächlich die Überweisung ins Ausland: 3700 Euro, gezahlt aus privater Tasche, beziehungsweise der Vereinskasse. Bitter.

In zwei weiteren Fällen, in denen rund 7800 und 23000 Euro hätten überwiesen werden sollen – letzteres Überweisungsformular übrigens eingeworfen in den Postkasten des Geldinstituts in Lensahn – hat die Betrugsmasche nicht mehr geklappt. Gespräche mit der Bank waren seitens des Vereins natürlich sofort erfolgt. Die Überweisungsträger im Original liegen bei der Kripo Oldenburg, so 1. Vorsitzender Jürgen Pauleweit.

Den IT-Fachmann im Ruhestand, noch gut vertraut mit dem Meistern eventueller Unwägbarkeiten und vielschichtigsten Herausforderungen im Arbeitsalltag, habe auch beim 1,2-Millionen-Euro-Sanierungsprojekt des Hafens nach eigenem Bekunden nicht wirklich etwas aus den Socken hauen können. Er habe die Erneuerung und Wiederherstellung des Hafens „hart gesteuert“. Alle Eventualitäten wurden eingeplant – „außer das Wetter“, so Pauleweit, den im Rückblick auf die große Maßnahme des Seglervereins nicht viel überrascht habe. Eines aber schon. Das Verhalten der städtischen Politik. Im Rahmen jüngster Mitgliederversammlung erneuerte Pauleweit seinen Unmut darüber, dass die Stadt nach vielen Gesprächen, in denen von einer Fördermöglichkeit in Sachen Hafensanierung die Rede gewesen sei, schluss- endlich nichts zur Unterstützung beigetragen habe. „Aus allen Zusagen ist nichts geworden“, beklagte Jürgen Pauleweit am Sonnabend vor den Seglern, mächtig sauer darüber, „mit den 1,2 Millionen sitzen gelassen worden zu sein – ich bin stinkig“, so Pauleweit. Der ersparte Tourismusdirektor Oliver Behncke die Schelte. Da klappe das Verhältnis, der Tourismus-Service habe dem Verein für Veranstaltungen schon monetäre Unter- stützung zukommen lassen. Hier werde das Engagement des Vereins, der Veranstaltungen durchführe, ein Tou- rismusmagnet im Inselwesten und wie Pauleweit findet, dabei „durchaus vorzeigbar“ sei, entsprechend gewürdigt.

Und noch mehr Positives, das erfreute, abgesehen von der Sanierung des Hafens, die natürlich alles überstrahlt, gab es am Sonnabend zu berichten. Große Freude über die erfolgreiche Jugendarbeit. Der Seglerverein Lemkenhafen-Fehmarn hat mit seiner derzeit 85-köpfigen Jugendabteilung eine schöne Anerkennung erfahren. Beim Preiswettbewerb „Sailing Kids“ des Seglerverbandes Schleswig-Holstein hat der Seglerverein aus Lemkenhafen den 1. Preis gewonnen und wurde dafür mit 1000 Euro belohnt.

Der Preis ist als Anerkennung und Förderung der Nachwuchsarbeit der Segelvereine im Seglerverband Schleswig-Holstein gedacht. In der Ausschreibung hatten die Lemkenhafener Segler besonders das familienfreundliche Segleridyll im Westen Fehmarns vorgestellt und aufgezeigt, dass Kinder dort einen Platz haben. Das Stichwort.

Seinen Platz behält auch Jürgen Pauleweit im Vorstand, der als 1. Vorsitzender bestätigt wurde. Noch einmal bekundeten die Segler ihre grenzenlose Zufriedenheit mit stehendem Applaus. Pauleweit nahm an, machte aber deutlich nach seiner erneuten zweijährigen Legislaturperiode andere an Ruder und Pinne lassen zu wollen. „Irgendwann muss auch mal ein Wechsel passieren.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.