Vermieterversammlung: TSF mit Rundumschlag / Holger Wilder regt öffentliche Diskussion an

Hähnchenmast auf Fehmarn?

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Volles Haus bei der Vermieterversammlung im Gasthof Meetz in Bannesdorf. Tourismusdirektor Oliver Behncke (r.) führte durch den Abend.

Fehmarn – Von Manuel Büchner. Am Mittwochabend stand der Gasthof Meetz in Bannesdorf ganz im Zeichen des Tourismus. Erst tagten die drei Verkehrsvereine, dann ging es mit der Vermieterversammlung weiter. Tourismusdirektor Oliver Behncke führte durch den informativen Abend und deckte zahlreiche touristische Themen ab. Zum Schluss der Veranstaltung ergriff Holger Wilder, Vorsitzender des Verkehrsvereins Puttgarden, zu einem nur auf den ersten Blick für den Tourismus nicht relevantem Thema das Wort. Zu einem Gerücht, das schon längst keines mehr ist, über das im Moment viel geredet wird, nur nicht öffentlich: eine mögliche Hähnchenmastanlage im Inselwesten.

Zunächst rührten Bürgermeister Jörg Weber (SPD) und Simona Schumacher von der TNG die Werbetrommel für den kommunalen, flächendeckenden Glasfaserausbau auf Fehmarn. „Wir haben über Jahre hinweg die einmalige Chance auf schnelles Internet“, mahnte Weber. Schumacher vom Betreiber des Netzes, sprach vom „Rückgrat des Internets“. Glasfaser sei eine Technologie, die für mindestens 50 Jahre sichere Bandbreiten garantiere. Auch Oliver Behncke reihte sich ein. „Die Ansprüche steigen von Jahr zu Jahr. Den Anschluss sollten wir nicht verpassen.“

Passenderweise referierte Informatiker Morris Mehnert zum weiter an Bedeutung gewinnenden Online-Marketing im Tourismus. Dabei konzentrierte er sich auf den Bereich Soziale Netzwerke und deren Mehrwert für Vermieter.

Nahtlos daran anknüpfend der Abschluss des WLAN-Ausbaus im letzten Jahr in Burg und Burgstaaken. „Ein offenes Netz für jeden nutzbar.“ Am Südstrand und am Jachthafen Burgtiefe ist es geschützt. Bürger erhalten den Code beim TSF oder im Bürgerbüro. Gäste loggen sich über die Meldescheinnummer ein. Darüber hinaus sei Meeschendorf jetzt auf der gesamten Strandbreite versorgt. „Bojendorf ist in Arbeit, am Grünen Brink planen wir gerade. Das ist noch eine technische Herausforderung“, so Behncke.

Ein roter Pfaden: Später warb der Touristiker für die Nutzung der Onlinemeldescheine. „Die auszufüllenden Masken sind sehr einfach gestaltet. Vieles funktioniere automatisch und vereinfache die Abläufe. „Wer diesen Schritt noch nicht gewagt hat, ist herzlich eingeladen, zu uns zu kommen, um sich zu informieren.“

Fehmarn mit mehr als 400000 Urlaubern in 2018

Zahlenfutter, das erfreulich stimmen dürfte, gab es für die 1650 Vermieter Fehmarns ebenfalls. Erstmals habe man in einem Jahr mehr als 400000 Urlauber begrüßen können. „Das ist eine tolle Zahl, die, wenn alle Meldescheine eingereicht sind, sicherlich noch etwas steigen wird“, so Behncke. Ebenfalls eine Hausnummer: 2,5 Millionen Übernachtungen hat es im letzten Jahr gegeben. In die Zahlen nicht hineinspielen würden die Dauercamper, Zweitwohnungen und Liegeplätze in den Jachthäfen, sagte der oberste Touristiker der Insel.

„Das Thema verfolgt uns jetzt bereits seit Wochen“

Unter dem unscheinbaren letzten Tagesordnungspunkt „Austausch zu eventuellen Fragen“ sprach Holger Wilder das Gerücht an, dass in der Nähe von Gollendorf ein Hänchenmastbetrieb errichtet werden soll. Von 288000 Plätzen sei die Rede. Gehe man von Standardställen aus, sei dies eine Fläche von rund 1,5 Hektar, die überbaut werden müsse. „Wenn ein Hähnchen in der Kurzmast 31 Tage alt wird, dann reden wir in der Produktion von weit über drei Millionen Hähnchen im Jahr.“ An Bürgermeister Weber richtete er die Frage: „Aufgrund des privilegierten Bauens sind die Interventionsmöglichkeiten durch die Gemeinde gering. Gibt es seitens der Stadt eine Strategie, sich zu positionieren?“

Weber: „Das Thema verfolgt uns jetzt bereits seit ein paar Wochen. Bauamtsleiter Benjamin May hat die Stellen kontaktiert, die es wissen müssten. Nirgendwo liegt etwas vor. Wir wissen darüber nichts.“ Auch wenn sich bestimmte Parameter wie Größe und Standort zu verhärten scheinen – mehr könne er dazu nicht sagen. „Das Genehmigungsverfahren wird angestoßen und die Kommune bekommt erst kurz vorher die Möglichkeit, gemeindliches Einvernehmen zu erteilen oder auch nicht.“

Gunnar Müller, Fehmarns Bezirksvorsitzender im Kreisbauernverband, sagte gestern, dass man darüber diskutiere. Letztendlich sei es mit Blick auf die angedachte Größe exemplarisch für einen bereits lange andauernden Strukturwandel in der Landwirtschaft. „Die Anzahl der Bauern nimmt ab“, so Müller, der es letztendlich als eine Unternehmerentscheidung betrachtet. „Am Ende wird meist nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Zunächst müsse man sowieso konkrete Informationen abwarten, so Fehmarns oberster Bauer.

Beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume war auch gestern kein Antrag, keine Antragsberatung bekannt. Nicht einmal konkrete Anfragen habe es gegeben, sagte Martin Schmidt vom Landesamt gegenüber dem FT. „Ein Projekt dieser Größenordnung bedarf doch einer gewissen Vorabstimmung, bevor hier ein Antrag gestellt wird“, erklärte Schmidt und ergänzte: „Ein förmliches immissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung und Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung“ sei auf jeden Fall notwendig.

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