Sana-Ameos-Deal geplatzt: Kreis, Verdi und Politik haben klare Erwartungen

„Die Hängepartie ist beendet“

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Das Emblem bleibt: die Inselklinik auf Fehmarn

Ostholstein – mb – Seit der Ankündigung des Krankenhausbetreibers Sana im Oktober 2018, sich aus Ostholstein zum Jahreswechsel 2019 zurückziehen zu wollen und die vier Standorte im Kreis am die Schweizer Ameos-Gruppe zu übergeben, kam das Unterfangen nicht richtig voran. Jetzt die endgültige Aufgabe des Vorhabens (wir berichteten). Auf die Frage, warum es bis zur Entscheidung so lange gedauert habe, antwortete Sana gestern, dass es sich in den anderthalb Jahren um eine Zeitspanne „voller intensiver Verhandlungen“, immer wieder „angepasster Planungen“ mit „unterschiedlichsten Beteiligten“ gehandelt habe.

Zuerst sorgte im März 2019 das Zurückziehen der Anmeldeunterlagen beim Bundeskartellamt für Verwunderung. Im April 2019 äußerte wiederum das Bundeskartellamt deutliche Bedenken hinsichtlich der Angebotsstruktur, wenn es zu einer Übernahme käme. Letztlich würden alle Häuser im Kreis zur Carlyle-Group, einer sogenannten Schattenbank mit Sitz in den USA, gehören, da Ameos und der direkte Wettbewerber der Sana, die Schön-Klinik in Neustadt, Portfoliogesellschaften von zwei Investmentfonds sind, die wiederum von der Carlyle-Group betrieben werden. Eine Marktmacht würde entstehen, die die Wettbewerbshüter kritisierten.

„Die Hängepartie ist beendet“, zeigte sich gestern der 1. stellvertretende Landrat Timo Gaarz (CDU) erleichtert. Der Kreis nehme als Minderheitsgesellschafter (5,2 Prozent) die Konzernentscheidung zur Kenntnis. Mitte September werde Sana-Geschäftsführer Florian Glück turnusmäßig über aktuelle Entwicklungen im Unternehmen berichten, fügte der Heiligenhafener hinzu.

Der SPD-Kreisvorsitzende Niclas Dürbrook spricht von einer „massiven Verunsicherung in der Region“ und einer „Hängepartie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Für beides würden Sana und Ameos die Verantwortung tragen. „Sana muss jetzt alles tun, um zerstörtes Vertrauen schnell wieder aufzubauen“, so der Kreistagsabgeordnete. Zudem dürften die Ostholstein-Kliniken nicht zum ungeliebten Stiefkind werden, das „mehr oder weniger widerwillig betrieben wird“. Nochmals bekräftigte der Sozialdemokrat eine bekannte Forderung der SPD Ostholstein: „Wir kämpfen dafür, unsere Krankenhäuser perspektivisch in öffentliche Trägerschaft zu bekommen.“

Verdi Nord begrüßte gestern die Entscheidung Sanas, vom Verkauf zurückzutreten. „Das ist eine gute Nachricht für die Beschäftigten von Sana in Ostholstein“, sagte Christian Wölm vom Fachbereich Gesundheit und Soziales. In diesen besonderen Zeiten gebe es nun eine „gewisse Sicherheit und dieser Verkaufspoker“ habe endlich ein Ende. Verdi fordert weiterhin, dass die betrieblichen Interessenvertretungen an der „Erarbeitung eines Zukunftkonzeptes angemessen beteiligt werden“, ergänzt Berith Jordan, Verdi-Geschäftsführerin im Bezirk Lübeck/Ostholstein.

Eine Forderung, die auch der Kreis dem Krankenhausbetreiber mit auf den Weg gibt: „In unternehmerische Entscheidungen vor Ort müssen die Mitarbeiter einbezogen werden“, betont Gaarz. Er erwarte zudem, dass Sana die vier Klinikstandorte Eutin, Oldenburg, Fehmarn und Middelburg erhalte und die Sanierung des Hauses in Eutin durchführe, um den Standort zukunftssicher zu machen. Insgesamt, so Gaarz, müsse der Versorgungsauftrag in Ostholstein gesichert bleiben.

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