1. Fehmarnsches Tageblatt
  2. Fehmarn

Hafen Burgstaaken: Frachter „Jeanny“ muss am Dalben liegen

Erstellt:

Von: Manuel Büchner

Kommentare

Burgstaaken Frachter Liegeplatz Dalben
Frachterkapitän Jens Roloff hätte gerne zwischen den Fahrten einen Liegeplatz im Hafen Burgstaaken. © Manuel Büchner

Frachterkapitän Jens Roloff kann mit der „Jeanny“ nicht im Hafen Burgstaaken liegen. Die Stadt sagt, es gibt nur einen Frachterplatz, der freigehalten werden muss. Früher sei das möglich gewesen, so Roloff.

Fehmarn – 100 Liter Diesel verbraucht der Frachter „Jeanny“ am Tag, wenn er am Dalben vor dem Hafen Burgstaaken liegt. Die Generatoren laufen dann rund um die Uhr, um die technischen Anlagen zu bedienen und die Stromversorgung aufrechtzuerhalten. Ein unnötiges Übel für Kapitän Jens Roloff, denn in die „Jeanny“ habe er vor zehn Jahren knapp 10000 Euro investiert, um Landstrom nutzen zu können, den es von der Ceravis AG gibt, für die er im Jahr rund 50000 Tonnen Getreide und Raps von Burgstaaken aus abtransportiert.

Dafür müsste der Frachter aber im Hafen liegen. Früher sei das kein Problem gewesen. Die Verbannung an den Dalben habe sich erst in den letzten Jahren verstetigt, so der 58-jährige Wahlfehmaraner, der seit 1986 Frachterkapitän ist und das Handeln als Widerspruch zum Klimaschutz-Maßnahmenkatalog der Stadt sieht. Aber die Stadt wolle lieber Sportboote als Frachter im Hafen – „selbst wenn der im Winter leer ist“. Für Roloff unverständlich.

Roloff: „Jeanny“ macht viel weniger Arbeit

Auch der monetäre Aspekt spreche für sein Ansinnen. Täglich 60 Euro netto Hafengeld bezahlt er in der Nebensaison (sonst 120 Euro) – egal, ob das Schiff am Dalben oder im Hafen liegt. „Es heißt immer, der Hafen braucht Geld“, wundert sich der 58-Jährige und rechnet vor: Die „Jeanny“ sei 67 Meter lang, für adäquat fünf Sportboote gebe es insgesamt 60 Euro brutto pro Tag. Zudem der große Aufwand, so Roloff. „Wir machen viel weniger Arbeit. Das Schiff wird rund um die Uhr bewacht mit Bewegungsmeldern und Kameras, die nur den Bereich aufnehmen, der von Unbefugten nicht betreten werden darf.“

Frachter Burgstaaken Hafen Dalben
Der Frachter „Jeanny“ liegt an einem Dalben vor dem Hafen Burgstaaken. © Manuel Büchner

Schiffe ab 500 BRZ (Bruttoraumzahl) unterliegen im Hafen dem internationalen Sicherheitscode (ISPS-Code). Die „Jeanny“ hat 605 BRM, gehört damit zu den kleinsten Frachtern, die noch fahren. Bis zum April habe es mit der zuständigen Behörde (DA-Behörde) bezüglich der Sicherheitsmaßnahmen eine vereinfachte Regelung gegeben, was jetzt aber nicht mehr möglich sei, so Roloff und weiß durch seinen dortigen Ansprechpartner, dass vonseiten des Hafens nicht im Sinne einer weiteren Aufrechterhaltung der Absprache argumentiert wurde.

„Jeanny“ sei eine „besondere Situation“

Von der Stadt heißt es auf Nachfrage: „Uns ist der Umstand bekannt. Wir haben aber nur einen Liegeplatz für Frachter“, erklärt Linda Lafrenz, zuständig für Hafenangelegenheiten. In der Regel würden sich die Frachter auch nur kurze Zeit zum Laden oder Löschen der Ware im Hafen aufhalten. „Dann sind sie wieder weg, denn nur wenn sie fahren, verdienen sie auch Geld“, so Lafrenz. Im Fall der „Jeanny“ sei es „eine besondere Situation“, da Kapitän Jens Roloff auf Fehmarn wohne. „Das Festmachen am Dalben ist eigentlich nur für den Notfall gedacht.“

Lafrenz sieht wenig Spielraum für das Anliegen des Frachterkapitäns. Andere Frachter würden sich nur 24 Stunden vorher ankündigen. „Wir müssten dann die ‚Jeanny‘ kurzfristig verlegen, was ein zusätzlicher Aufwand wäre.“

Sondergenehmigung für Hafen Burgstaaken

Außerdem: Burgstaaken sei der einzige Hafen in ganz Schleswig-Holstein, der per Sondergenehmigung aus Sicherheitsgründen keinen zwei Meter hohen Zaun mit Überkletterschutz für den Ladebereich aufstellen müsse, erklärt die städtische Mitarbeiterin. Es reicht eine Absperrkette, wenn be- oder entladen wird. Betroffen wären 190 Meter, die gesamte östliche Kaikante bei der Fischereigenossenschaft. „Mit Blick auf den Tourismus sind wir froh, dass es ohne Zaun geht, zumal die Maßnahme auch Geld kostet“, so Lafrenz und ergänzt: „Die Ausnahme ist möglich, weil wir als Hafen vorbildlich handeln und bei der Behörde ein gutes Ansehen genießen.“

Es ist doch ein Gewerbe- und kein Jachthafen. Frachtschiffe werden aber nur als notwendiges Übel gesehen.

Frachterkapitän Jens Roloff

Frachterkapitän Roloff würde sich einen Kompromiss wünschen, mit dem beide Seiten leben können. „Es ist doch ein Gewerbe- und kein Jachthafen. Frachtschiffe werden aber nur als notwendiges Übel gesehen.“ Stattdessen werde vorsätzlich die Umwelt belastet, und betroffen sei nicht nur sein Schiff. Im Dezember stehen einige Touren nach Heiligenhafen an. Dort liegt die „Jeanny“ dann im Kommunalhafen.

Auch interessant

Kommentare