Ja zum Hotel in Meeschendorf, aber nicht in der geplanten Dimension

„Halbe Höhe, halbe Länge“

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Auf dem Grundstück des Landkreises Hersfeld-Rotenburg möchte die österreichische Jufa-Gruppe in unmittelbarer Nachbarschaft zum Campingplatz ein vierstöckiges Familienhotel errichten.

Fehmarn/Hersfeld-Rotenburg – Von Andreas Höppner und Clemens Herwig – Hotels sind auf Fehmarn rar gesät. Umso erfreuter waren Kommunalpolitik und Stadtverwaltung über den Plan der Jufa-Gruppe, auf dem Grundstück des Landkreises Hersfeld-Rotenburg in Meeschendorf ein Hotel errichten zu wollen. Der Haken an der Sache: Das geplante vierstöckige Gebäude mit einer Höhe von 13 bis 14 Metern und einer Länge von rund 90 Metern in unmittelbarer Nachbarschaft zum Campingplatz Insel-Camp halten die politischen Entscheidungsträger für überdimensioniert.

Hotel ja, aber nicht in der Größenordnung, wie es der österreichische Investor plant, lässt sich die Haltung des Bau- und Umweltausschusses, der sich am Dienstag mit dem Projekt befasste, auf einen kurzen Nenner bringen. Das spiegelt auch das Abstimmungsverhalten bezüglich der Bauleitplanung wider. Einstimmig votierte der Ausschuss dafür, das Areal im F-Plan als Sondergebiet Hotel und nicht mehr als Sondergebiet Ferienlager auszuweisen. Und mit 10:1 fiel auch die Zustimmung für die Aufstellung eines vorhabenbezogenen B-Plans eindeutig aus. Lediglich Marco Eberle (Grüne) stimmte dagegen. Ihn störte der Standort, nicht jedoch das Konzept, das die Jufa bereits im September im in nicht öffentlicher Sitzung vorgelegt hatte.

Und auch in den anderen politischen Lagern herrschte uneingeschränkt Zustimmung, den Hotelbetrieb auf die Zielgruppen Familien, Vereine, Schulen, Jugendgruppen und Individualreisende auszurichten. „Das Konzept stimmt“, lobte SPD-Sprecher Heinz Jürgen Fendt. Nur die Dimension, die stimmt eben ganz und gar nicht.

Campingplatzbetreiberin Katherin Kleingarn.

Das hatte bereits Katherin Kleingarn, Betreiberin des Campingplatzes Insel-Camp, in der Einwohnerfragestunde verdeutlicht. Sie verwies unter anderem auf die geplante Höhe und den geringen Abstand des Gebäudes zum Campingplatz und die daraus resultierende Beschattung. „Erheblich kleiner und flacher“ sollten die Gebäude sein, forderte sie. Sollten die wirtschaftlichen Interessen eines externen Investors mehr zählen als die eines heimischen Unternehmens, „werde ich das nicht akzeptieren“, machte sie deutlich, dass sie bereit ist, für ihre Interessen zu kämpfen.

Die anschließende Diskussion im Ausschuss dürfte sie mit gewisser Erleichterung aufgenommen haben. Hinerk Haltermann (CDU) sah allenfalls ein zweigeschossiges Gebäude mit Flachdach für hinnehmbar, Margret Maaß (CDU) machte es kurz: „Halbe Höhe, halbe Länge.“ Heinz Jürgen Fendt lehnte die „Massivität des Gebäudes“ ab und präferierte eine Form, die sich in die „Umgebung einpasst“.

„Dass das Projekt nicht in den Dimensionen der ersten Grobplanung erfolgen kann, ist wahrscheinlich“, sagte Jufa-Sprecher Martin Seger-Omann auf Anfrage. Das Unternehmen freue sich aber, dass es nun in die nächste Phase gehe. Jetzt werde das Gespräch mit allen Beteiligten gesucht und benötigte Studien erarbeitet. „Wir wollen nichts durchboxen“, so Seger-Omann.

Für Jufa rennt die Zeit: Das Baurecht für das Hotel muss bis 23. Juni 2021 vorliegen – dann tritt der neue und 150 Meter lange Küstenschutzstreifen in Kraft, in dem ein Großteil der geplanten Anlage liegt und in dem dann nicht mehr gebaut werden darf. Der bestehende bebauungsfreie Streifen zwischen Ostsee und Anlage von 50 Metern soll eingehalten werden. „Wir liegen gut in der Zeit“, ist der Jufa-Sprecher zuversichtlich. Die Ausrichtung als für die Region offenes Familienhotel sei nicht auf den Kopf gestellt worden.

Auf den jetzigen Aufstellungsbeschluss des B-Plans folgt im Fachausschuss noch der Auslegungsbeschluss, bevor die Stadtvertretung spätestens wohl im Frühjahr 2021 den abschließenden Beschluss fasst.

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