Minister Marnette (CDU).

Ganz neue Signale aus dem Ministerium

Halten doch IC-Züge in Burg?

FEHMARN (wi) • Die Landesregierung in Kiel lenkt ein und denkt nun offenbar doch über einen Fernverkehrsbahnhof in Burg nach.

Derzeit werde geprüft, welche Arbeiten erforderlich seien, um in dem zunächst nur für den Regionalverkehr vorgesehenen Bahnhof auch den längeren Fernverkehrszügen das Halten zu ermöglichen. „Ziel ist, die notwendigen Planungsschritte so durchzuführen, dass der InterCity ebenfalls ab 2010 im Zentrum Fehmarns halten kann“, sagte Wirtschafts- und Verkehrsminister Dr. Werner Marnette (CDU) gestern in Kiel.

Der neue Inselbahnhof Fehmarn-Burg wird voraussichtlich Ostern 2010 eröffnet und erhält laut Marnette attraktive Direktverbindungen in den Großraum Hamburg: „Tages- und Wochenendausflügler, aber auch viele Touristen können künftig schnell und bequem nach Burg auf Fehmarn gelangen. Von Hamburg aus fährt dann an den Wochenenden der neue Strand-Express zur Ostseeinsel. Damit wird der Bahnverkehr nach Fehmarn, in eine der tourismusintensivsten Regionen Deutschlands, deutlich attraktiver.“ Außerdem setze sich Marnette dafür ein, dass der Urlaubs-InterCity „Fehmarn“ der DB AG die Urlauber im Sommer aus dem Rhein-Main- und Ruhrgebiet künftig auch direkt nach Burg auf Fehmarn bringe. Bislang hält dieser Fernverkehrszug in Puttgarden.

Das sei keinesfalls Wunschdenken, hieß es gestern in der Pressestelle des Ministeriums auf FT-Nachfrage, es liefen sehr aussichtsreiche Verhandlungen.

Dazu müsse allerdings zu einem späteren Zeitpunkt der Bahnsteig auf 200 Meter erweitert werden. Das jetzige Planfeststellungsverfahren solle fortgesetzt werden um den Zeitpunkt der Eröffnung Ostern 2010 einzuhalten. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt: Die Hochgeschwindigkeitszüge, die würden nach dem Beltquerungsbau und dem Wegfall des Bahnhofs Puttgarden definitiv durchrauschen.

• Das Land gibt

• mehr als

• drei Millionen

Die Vorbereitungen für den neuen „Inselbahnhof“ Fehmarn-Burg laufen derweil auf Hochtouren. Die Stadt Fehmarn hatte bekanntlich am 18. Dezember 2008 grünes Licht für eine ansprechende Umgestaltung des neuen Bahnhofsvorplatzes und die Neuanlage des zentralen Insel-Busbahnhofs gegeben. „Ich setze den Beschluss der Stadtvertretung um – und der heißt Bahnhof bauen“, so Insel-Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt.

Das Land gibt mehr als drei Millionen Euro für das Projekt. Und selbst der 500 000 Euro teure Bahnhofsvorplatz muss nur zu einem Viertel von der Stadt Fehmarn übernommen werden. „500 000 Euro, das ist ein halbes Jahr Arbeit für 30 Leute“, sagt Schmiedt.

Mit einem Beschluss über den Bahnhof ist zur Jahresmitte 2009 zu rechnen. Die Bauarbeiten für den Bahnhof sollen dann von der Eisenbahngesellschaft AKN durchgeführt werden. Marnette: „Die baldige Eröffnung des Bahnhofes Fehmarn-Burg wird insbesondere auch durch die Verantwortlichen in der Region möglich, die sich konstruktiv in die anspruchsvolle Zeitplanung für das Projekt eingebracht haben.“ Eine Anspielung an jene, die ein Bürgerbegehren unterstützen ?

DB Regio wird die neue Station ab 2010 von Lübeck kommend im Zwei-Stunden-Takt mit neuen Triebwagen anfahren, im Sommer geht es sogar weiter nach Puttgarden mit Anschluss an den EuroCity und die Fähren. Weitere Züge werden für eine überregionale Anbindung der Ferieninsel sorgen.

Über die gesamten Sommermonate von Ostern bis September wird an Wochenenden der „Hamburger Strand-Express“ zwischen Hamburg Hauptbahnhof und Fehmarn-Burg verkehren – morgens und nachmittags von Hamburg nach Fehmarn, nachmittags und abends in umgekehrter Richtung.

„Das ist Ergebnis der Hart-näckigkeit der Verhandlungen mit dem Land Schleswig-Holstein. Das ist ein Teilergebnis aus dem Forderungskatalog vom letzten Jahr. Und es ist ein weiterer Schritt nach vorn“, freute sich Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt riesig.

Oder ist es gar ein Zugeständnis an die Initiatoren des Bürgerbegehrens, die weiter versuchen, die erforderlichen 1 103 Unterschriften zusammenzubekommen und heute wieder auf dem Wochenmarkt stehen werden ?

Hartmut Specht, der das Bürgerbegehren durchsetzen will: „Nur ein Bahnhof an der Trasse eröffnet alle Möglichkeiten für alle Züge. Während ein Sackbahnhof nicht zukunftsoffen ist. Er ist immer verbunden mit Zeitverzögerungen. Schon allein die Schranke über die Industriestraße ist nicht mehr zeitgemäß. Ein Sackbahnhof in Burg ist unverantwortlich.“

„Das Bürgerbegehren arbeitet mit unwahren Argumenten. Es ist verkehrt zu sagen, wenn wir diesen Bahnhof jetzt nicht nehmen, dass wir dann einen Fernhaltebahnhof bekommen. Wir fahren künftig auch nicht mit Postkutschen, sondern mit nagelneuen klimatisierten Zügen“, ist Otto-Uwe Schmiedt mächtig angefressen.

Die Stadtvertretung habe sich bereits am 3. November 2004 auf den Bahnhof in Burg festgelegt, und zwar mit dem Satzungsbeschluss zum B-Plan 60.

„Und warum, wenn alles schon klar war, ist da im März 2008 noch ein Gutachten über den Bahnhof erschienen ?“, fragt Hartmut Specht und fügt hinzu: „Das alles ist ein Skandal.“ Er fordert von Bürgermeister Schmiedt, dieses Gutachten zu veröffentlichen. Es gebe darin auch Varianten an der Trasse.

„Ich habe den Endbericht, den Herr Specht meint, im Juni 2008 allen Fraktionen ausgehändigt. Es gibt überhaupt kein Geheimnis darum. Der Bericht basiert auf einem Gutachten aus dem Jahre 2000.“ Gestern stellte Schmiedt dem FT den Bericht zur Verfügung. Ein Bericht darüber folgt.

ft-online/lokales vom 28. Januar 2009

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