Laienspielgruppe Westfehmarn studiert „Willi, de Fruchtbore“ ein / Vier Aufführungen

Harry Harras in der Klemme

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„Willi, de Fruchtbore“ hat die Laienspielschar Westfehmarn für ihre bald beginnende Theatersaison einstudiert. Irrungen, Wirrungen und Eifersüchteleien hat der plattdeutsche Dreiakter, der das Zwerchfell massiert, im Programm.

Fehmarn – Von Nicole Rochell „Okay, okay, stopp mal! An der Stelle musst du sie zurückhalten. Aber nicht so grob.“ Upps. War vielleicht doch ein wenig zu derb, wie ein Mime eine Aktrice, die in der Szene gerade die Tür öffnen wollte, am Oberarm zurückhielt, um sie daran zu hindern. „Und an der Stelle musst du auch was sagen!“ Dirk Westphal greift wieder korrigierend ein. – Etwas sagen. Ja, klar. Aber was gleich noch mal? „Ich, ähm ... – weg.“ Ein Hilfe suchender Blick zur „Toseggersch“.

Souffleuse Wiebke Utecht sitzt zwischen den anderen Schauspielern, die im Siebenpersonenstück gerade nicht an der Reihe sind, das Skript in der Hand, verfolgt, wie Dirk Westphal, jede Zeile des Textes und gibt das Stichwort. Genau. Das war‘s. Auf der Bühne geht‘s weiter. Noch eine Stunde versinken die Schauspieler konzentriert in den Dialogen des Drehbuchs, wiederholen Passagen, schließen Textlücken. Dann geht im Aufenthaltsraum der Feuerwehr Puttgarden-Todendorf in der einstigen Puttgardener Grundschule das Licht aus. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag. Ein Probetag, wohlgemerkt. Und übermorgen. Und überübermorgen – jetzt jeden Tag vor dem ersten von vier großen Auftritten, am 25. Januar (Sonnabend) in der Mensa der Inselschule. Erstmals wird die Laienspielgruppe Westfehmarn dann dort, statt wie bisher im Feierraum der Burger Grundschule, für die Volkshochschule (VHS) Fehmarn auftreten. Die Kooperation zwischen Akteuren und Bildungseinrichtung besteht schon lange und bereits seit jener Zeit, als der inzwischen verstorbene Direktor der Burger Realschule, Günther Dwenger, ab den 60er- bis in die 90er-Jahre die Burger Volkshochschule leitete.

Auch am 26. Januar (Sonntag) wird die Laienspielschar in der ebenerdig zugänglichen Inselschule auftreten. Beginn ist jeweils um 16 Uhr, Einlass ab 15 Uhr. Bis dahin soll alles sitzen. Da kennt Perfektionist Dirk Westphal kein Pardon. Präzise wie ein Uhrwerk fordert der Leiter der Laienspielschar die Umsetzung des Stückes in bester Ohnsorg-Theater-Manier. Bei „Willi, de Fruchtbore“ steht er diesmal nicht selbst auf der Bühne. Als Regisseur inszeniert er das Bühnenwerk und hat von der Umsetzung des Stückes vom Papier auf die Bühne glasklare Vorstellungen.

Im Spätsommer hatte sich Dirk Westphal für den plattdeutschen Dreiakter aus dem Theaterverlag Karl Mahnke aus Verden an der Aller entschieden. Das Stück aus der Feder von Autorin Inge Debelts spart nicht mit Irrungen, Wirrungen, Eifersüchteleien und einer quietschvergnügten Reihe an unterhaltsamen Dialogen, die das Zuschauer-Zwerchfell einmal mehr ordentlich trainieren und massieren werden. Das lieben die Fehmaraner, die dem Laienspiel auf Fehmarn treu ergeben sind. „Oft werde ich gefragt: Übt ihr schon wieder?“, erzählt Westphal, der aus jahrelanger Erfahrung weiß, dass so manche Eintrittskarte für eine Aufführung der Laienspielgruppe Westfehmarn auch als Weihnachtsgeschenk unter der Tanne landet. „Deshalb haben wir die Karten diesmal auch wieder frühzeitig in den Verkauf gegeben“, so der Leiter der Laienspielschar, der allen Freunden des plattdeutschen Theaters dazu rät, sich bei der Burger Buchhandlung Niederlechner, die den Kartenvorverkauf für die Theaterstücke übernommen hat, zu erkundigen, ob noch Tickets zu haben sind.

Mittlerweile haben die Theaterspieler wieder Fuß gefasst, was ihre Ausstattung für die Bühne anbelangt. Der Start in die aktuelle Theatersaison war nicht so einfach. Ihre Kulisse, das komplette Bühnenbild, ist einem Wasserschaden zum Opfer gefallen, erzählt Dirk Westphal. Mit tatkräftiger Unterstützung, auch aus Fehmarns Geschäftswelt, steht jetzt die neue Kulisse im Feierraum in Puttgarden und zeigt: das Innere eines Zirkuswagens. Mit seinem kleinen, heruntergekommenen Zirkus tingelt Harry Harras, der im wirklichen Leben schnörkellos Willi Pusback heißt und Zirkusdirektor, Hypnotiseur, Bigamist und Vater von zehn Kindern ist, durch die Weltgeschichte. Ein Gastpiel gibt er ausgerechnet hier, auf Fehmarn, wo seine erste Ehefrau Elsbeth wohnt, die er sitzen ließ und sich nach Spanien absetzte. Infolge eines Missverständnisses wähnt Harry seine erste Frau plötzlich vermögend und versucht, zum Leidwesen seiner jetzigen Lebensgefährtin Elvira, wieder mit ihr „ins Reine“ zu kommen. Spätestens als auch seine zweite Frau, die feurige Esmeralda, die er ebenfalls, wie seine erste Gattin, mit fünf Kindern sitzengelassen hatte, vom Aufenthaltsort des Treulosen Wind bekommt und von Spanien nach Fehmarn reist, wird die Luft für den Zirkus-Chef immer dünner. Der macht mittlerweile auch in Hypnose und den örtlichen Polizisten damit zunächst handlungsunfähig. Mehr und mehr gerät Harry in die Klemme, als sich gleich drei geprellte Frauen aus seiner Vergangenheit gegen ihn verbünden. Ob der sich noch einmal herauswinden kann, davon sollten sich alle Theater-Freunde am besten selbst überzeugen.

Helmut Barke schlüpft in die Rolle des windigen Zirkusdirektors. „Willi, de Fruchtbore“ ist bereits sein 14. Stück. Manuela Jünemann spielt Harrys zweite Ehefrau, Gonda Prüß Ehefrau Nummer eins. In weiteren Rollen betreten Maren Wendel und Herbert Prüß, Monika Rühmann und Ronald Menning die Bühne. Hinter den Kulissen wirken Heike Schlese (Maske), Souffleuse Wiebke Utecht und Regisseur Dirk Westphal. Zum Team zählt auch Uwe Rosenberg, der aus Bojendorf stammt, jetzt in Kiel wohnt und, wenn er mitspielt, zu jeder Probe nach Fehmarn reist. Neben den Aufführungen in der Inselschule wird es noch zwei weitere am Südstrand geben. Am 1. und 2. Februar wird die Laienspielschar in der „Hansekogge“ in der IFA auftreten. Beginn ist um 16 Uhr, Einlass um 14 Uhr, um den Besuchern die Möglichkeit zu gegeben, sich vor dem Theater mit Kaffee und Kuchen verwöhnen zu lassen.

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