Kreisbauerntag in Lensahn stand kritisch zur Vorschlägen der EU-Kommissarin Mariann Fischer Boel

„Health check“ missfällt den Landwirten

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Matthias Witt.

LENSAHN (st) • Aktueller hätte der Kreisbauerntag am Mittwoch in Lensahn kaum sein können: Am Dienstag legte die EU-Kommission den Europäischen Entscheidungsgremien ein Papier zur Vorbereitung auf den so genannten „Health Check“ (eine Überprüfung der Ziele der 2003 begonnenen Reform) vor, und bereits einen Tag später stand diese Reformzwischenprüfung auf der Tagesordnung des Bauerntages.

Als Referent zu diesem Thema konnte der Verband keinen Gringeren gewinnen als den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner.

Im Rahmen der Reform sind den Landwirten die entkoppelten Direktbeihilfen bis zum Jahr 2013 zugesichert. Eine Degression dieser Zahlungen nach dem „Health Check“ lehnen die Landwirte strikt ab. Viele befürchten, dass EU-Kommissarin Mariann Fischer Boel den Gesundheitscheck zur Einführung neuerlicher Reformen nutzen will.

Neben der Degression der Direktzahlungen lehnt der Bauernverband auch eine Anhebung der Modulation ab, einer momentan obligatorischen Abgabe von fünf Prozent, die durch Unterstützung von Programmen zur ländlichen Entwicklung an die Landwirte zurückfließen soll. Doch Kreisbauern-Vorsitzender Matthias Witt befürchtet: „Das ist Abzocke. Dieses Geld läuft dann oft völlig aus dem Landwirtschaftsbereich heraus.“ „Da gibt es für uns keinen Diskussionsspielraum“, war Präsident Sonnleitner an der Seite der Ostholsteiner.

Äußerst positiv ist momentan natürlich die Entwicklung der Getreide- und Milchpreise. Die Nachfrage ist wieder da. Nirgendwo mehr gäbe es „Milchseen oder Getreideberge“, die die Versorgung über Monate und Jahre sichern würden, so Sonnleitner. Die schlechten Ernten in diesem Jahr vor allem in der Ukraine hätten dazu geführt, dass Getreide sogar beinahe knapp geworden wäre. Deutschland hätte zu einem großen Teil dazu beigetragen, dass der Preis nicht explodiert wäre.

Die Versammlung verabschiedete den Präsidenten des schleswig-holsteinischen Bauernverbandes, Otto-Dietrich Steensen, und Matthias Witt mit langen stehenden Ovationen für ihre jahrelange engagierte und erfolgreiche Arbeit. Beide werden wohl nicht wieder für ihre Ämter kandidieren.

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