EU senkt Fangquote drastisch / Freizeitangler dürfen nur noch fünf Dorsche pro Tag angeln

Herber Schlag für Ostseefischer

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Die Zahl der Fischereibetriebe in Burgstaaken nimmt ab: Die jetzt beschlossene Quotensenkung erhöht den Druck auf Fischer wie Arne Fröse (Burg 14) weiter.

Fehmarn –Andreas Höppner– Die EU-Fischereiminister haben in der Nacht zu Dienstag beschlossen, die Fangmengen für Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee drastisch um 60 beziehungsweise 65 Prozent zu senken. 2020 dürfen die Ostseefischer deshalb nur noch 3150 Tonnen Hering und 3806 Tonnen Dorsch anlanden. Östlich Bornholm wird das Dorschfangverbot sogar bis Ende 2020 verlängert. Für eine Erholung der Bestände halten Umweltschützer selbst diese Beschlüsse nicht für ausreichend.

„Das ist ein herber Einschnitt, das wird Folgen haben in Teilen der Fischerei“, ist Benjamin Schmöde, stellvertretender Vorsitzender des Landesfischereiverbandes Schleswig-Holstein und Chef der Fischergenossenschaft Fehmarn, überzeugt. Die EU-Fischereiminister sind bei der Quotenfestlegung zwar etwas unter der Forderung der EU-Kommission geblieben, die für Hering minus 71 Prozent und für Dorsch minus 68 Prozent vorgeschlagen hatte, doch groß ins Gewicht fallen wird diese positive Abweichung nicht, da der Einschnitt zu krass ist.

So hält es Benjamin Schmöde nicht für ausgeschlossen, dass weitere Betriebe aufgeben müssen. Allein die Fischergenossenschaft Burgstaaken hat laut Schmöde in den vergangenen zehn Jahren zehn Betriebe verloren. Derzeit gibt es in der Genossenschaft noch sieben Fischereibetriebe im Haupterwerb.

Der stellvertretende Vorsitzende des Landesfische- reiverbandes hofft nun, dass die sich abzeichnenden Einnahmeverluste der Fischer durch Ausgleichszahlungen abgemildert werden können. Bei der möglichen Zahlung von Fangausfallentschädigungen sei er „guter Dinge“, dass diese Forderung des Landesverbandes umgesetzt werde. Eine zweite Verbandsforderung sei ein Abwrackprogramm, um mögliche Betriebsaufgaben sozialverträglich begleiten zu können.

Diesen Forderungen schließt sich auch der schleswig-holsteinische Europaabgeordnete Niclas Herbst (CDU) an: „Wir brauchen aber jetzt einen unbürokratischen Einsatz der vorhandenen Mittel für unsere Fischer. Der EU-Rechtsrahmen darf sozialverträglichen Unterstützungsmaßnahmen nicht im Wege stehen. Wir dürfen in dieser krisenhaften Situation, die nicht durch Überfischung entstanden ist, die Fischer nicht alleine lassen.“

Krisenstimmung ob der drastischen Quotensenkung herrscht aber nicht nur bei der Fischerei, auch die Freizeitangler und somit die Hochseeangelbetriebe werden die Auswirkungen zu spüren bekommen, denn der Fischereirat in Luxemburg legte ebenfalls fest, dass ab 2020 pro Freizeitangler und Tag in der westlichen Ostsee nur fünf Dorsche geangelt werden dürfen – das sogenannte Baglimit. In der Schonzeit von Februar bis März sind es gar nur zwei. Aktuell ist das Baglimit auf sieben Dorsche festgelegt.

Die EU-Kommission hatte gefordert, das Baglimit ganzjährig auf zwei Dorsche zu beschränken. Hiergegen waren die angeltouristischen Betriebe Sturm gelaufen (wir berichteten). Niclas Herbst sieht aber auch das Baglimit von fünf Dorschen kritisch: „Für Freizeitfischer und Wassertourismus in Schleswig-Holstein wird die Lage nun noch schwieriger als bisher schon. Es bleibt abzuwarten, ob unsere Tourismusregion den heutigen Beschluss verkraften kann.“

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