Korrosionsschutz für die Sundbrücke / 20 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren

Hightech-Roboter gegen Rost

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Prof. Dr. Andreas Boué am Korrosionsschutz-Seilroboter in Aktion.

Fehmarn – Von Reinhard Gamon Die Deutsche Bahn und der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein machen die Fehmarnsundbrücke fit für die Zukunft. Dabei wird auf modernste Technologie zurückgegriffen. Während im kommenden Jahr die ersten von insgesamt acht Tragseilen ausgetauscht werden, steht aktuell der Korrosionsschutz auf dem Programm. Dabei kommt mit einem sogenannten Korrosionsschutz-Seilroboter Hightech zum Einsatz. Er fährt die Stahlseile der Sundbrücke ab, identifiziert die mit Rost befallenen Schwachstellen und trägt im Anschluss den Korrosionsschutz auf.

Keine Arbeiten in den Herbstferien

Diese Maßnahme erfolgt in zwei Zeitblöcken, wobei die erste Maßnahme am Donnerstag abgeschlossen wurde. Ein weiteres Mal zum Einsatz kommt das Gerät im Zeitraum vom 21. bis 25. Oktober, jeweils von 20 Uhr abends bis 5 Uhr morgens. Dabei werden in den Nachtstunden halbseitige Sperrungen mit Ampelschaltungen vorgenommen. Bei der Terminfestlegung wurde Rücksicht auf die ab 3. Oktober startenden Herbstferien und das damit verbundene höhere Verkehrsaufkommen genommen.

Im Rahmen dieses Hightech-Verfahrens, das die Mavis Cable Service GmbH aus Aachen ausführt, werden keine Gerüste oder Einhausungen benötigt. Daher kommt es nur zu geringen Beeinträchtigungen des Verkehrs. Außerdem ist der Platzbedarf für die Arbeiten äußerst gering. Im Auftrag der Deutschen Bahn erfolgte für das Seilnetz der Fehmarnsundbrücke eine Spezialentwicklung mit einem besonders flachen Aufbau. Insgesamt schlägt die Korrosionsschutzmaßnahme mit rund 80000 Euro zu Buche.

Professor Dr. Andreas Boué aus Aachen war am Donnerstag mit auf der Sundbrücke: „Wir hatten viel Pech mit dem Wetter. Heute finden wir erstmals perfekte Bedingungen vor.“ Der Roboter arbeite verlässlich und liefere auch bereits erste Erkenntnisse. Mit Blick auf den Laptop-Monitor deutete Boué auf die Visualisierung eines Stahlseils. „Hier ist jede Faser deutlich erkennbar. Auch die Roststellen.“

Das umfangreiche Instandhaltungsprogramm für die Fehmarnsundbrücke, ausgelegt für die kommenden fünf Jahre, umfasst ein Gesamtvolumen von 20 Millionen Euro. Im Zuge weiterer Arbeiten an der Fehmarnsundbrücke erfolgt ab dem Jahr 2020 auch der Austausch von insgesamt acht Tragseilen. Kostenpunkt pro Tragseil: rund 100000 Euro. Zu den weiteren größeren Maßnahmen zählen die Instandhaltung der Betonpfeiler, der Fahrbahnübergänge auf beiden Seiten des Bauwerks sowie die Erneuerung der Schrammborde. Hinzu kommt noch der Korrosionsschutz der kompletten Brücke, die einen neuen Anstrich erhält.

„Die im Jahr 1963 fertiggestellte Fehmarnsundbrücke wird die Verkehre der Zukunft, vor allem die bis zu 835 Meter langen Güterzüge, nicht tragen können“, so die Deutsche Bahn im Hinblick auf die geplante Feste Fehmarnbeltquerung.

Ein aktuelles Gutachten, das auch dem Bundesrechnungshof vorliegt, besagt: „Die statische Tragfähigkeit der Fehmarnsundbrücke ist für die in den aktuellen Normen verankerten Lastbildern aus Eisenbahn- und Straßenverkehr in ausgedehnten Bereichen des Haupttragewerkes nicht nachweisbar. Eine Ertüchtigung der überlasteten Querschnitte ist erforderlich. Auf der Basis der vorgegebenen Verkehrsprognosen sind für die Fehmarnsundbrücke die Nachweise einer ausreichenden Restnutzungsdauer nicht zu erbringen. Sowohl am Haupttragwerk als auch in den Querträgern liegen die rechnerischen Auslastungen über den zulässigen Werten.“

Vorzugsvariante soll Ende 2019 feststehen

Was die Planungen einer neuen Fehmarnsundquerung anbelangt, will die Deutsche Bahn zunächst die Kommunalpolitiker auf Fehmarn und in Großenbrode am 25. September in Burg informieren. Anschließend soll auch die breite Öffentlichkeit über das weitere Vorgehen informiert werden. Einen endgültigen Termin hierfür gibt es aber noch nicht. Ende Oktober will die Deutsche Bahn ihre Hauptvarianten vorstellen, bis Ende des Jahres soll die Vorzugsvariante einer neuen Fehmarnsundquerung ermittelt sein.

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