Hirschhausen Lesung Fehmarn
+
Ein Gespräch mit Jane Goodall (Bild) war für Dr. Eckart von Hirschhausen der Auslöser, sich mit der Klimakrise zu befassen.

Hirschhausen auf Fehmarn: Klimakrise und Gesundheit im Fokus

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
    schließen

Dr. Eckart von Hirschhausen schaute auf Fehmarn vorbei und stellte sein aktuelles Buch zur Klimakrise vor. Dabei fand der Tausendsassa klare Worte für das Publikum in der Mensa der Inselschule.

  • Lesung von Dr. Eckart von Hirschhausen in der Mensa der Inselschule Fehmarn.
  • „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“ war gestern.
  • Hirschhausen hat die Gabe, komplexe Zusammenhänge aufs Wesentliche zu reduzieren.

Fehmarn – Es wurde gelacht, gelächelt, geschmunzelt. Die Lesung mit Dr. Eckart von Hirschhausen in der „ausverkauften“ Mensa der Inselschule war wie erwartet unterhaltsam, doch das Spaßige spielte am Mittwochabend nur eine kleine Nebenrolle. Hirschhausen rüttelte auf, lenkte den Blick auf das Thema, das ihn seit einigen Jahren nicht mehr loslässt und Eingang gefunden hat in der politischen Diskussson – die Klimapolitik, die über die Zukunft der Erde und die der Menschheit entscheidet.

„Er informiert, klärt auf und mahnt, versehen mit einem kleinen Schuss Humor“, hatte Bürgermeister Jörg Weber den 54-Jährigen angekündigt. Mitgebracht hatte Hirschhausen sein aktuelles Buch „Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben“. Als er Platz genommen hatte auf der leicht erhöhten Bühne, sagte er über sein gut 500-seitiges Werk, „es ist nicht mein erstes Buch, aber wahrscheinlich mein wichtigstes“.

Ob es die indirekte Aufforderung an die rund 120 Zuhörer im Saal war, in den kommenden 100 Minuten ganz genau zuzuhören, muss jeder für sich selbst beantworten. Doch dem promovierten Arzt, Moderator, Entertainer und Autor gelang es auch, ohne Aufforderung mit fast spielerischer Leichtigkeit das Publikum in seinen Bann zu ziehen und es für die Thematik zu sensibilisieren. Bei einem gemischtem Publikum aus Jung und Alt, wie es sich in der Mensa zusammengefunden hatte, nicht immer ein einfaches Unterfangen, doch Hirschhausen besitzt die Gabe, komplexe Zusammenhänge aufs Wesentliche zu reduzieren und sie in wenigen Worten so zu erläutern, dass der Zuhörer für sich Bilder abspeichern und diese leicht wieder abrufen kann. Zudem ist es Eckart von Hirschhausen in und mit dem Buch gelungen, die Zusammenhänge zwischen der nicht mehr zu leugnenden Klimakrise und der Gesundheit aufzuzeigen.

Jane Goodall öffnete Hirschhausen die Augen

So berichtet der Autor davon, dass seine Reise, die enge Verzahnung von Klimakrise und Gesundheit zu entdecken, 2017 während eines Gesprächs mit der Schimpansenforscherin Jane Goodall begann. Unter anderem stellte sie ihm die Frage, „wie kann es sein, dass die intellektuellste Kreatur, die jemals auf diesem Planeten gewandelt ist, dabei ist, ihr eigenes Zuhause zu zerstören?“ Darauf habe er keine gute Antwort gewusst.

Aufklärungsarbeit und Antworten geben

Nun, Antworten beziehungsweise Empfehlungen, was getan werden müsste, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen und den Kollaps aufzuhalten, gibt Hirschhausen in seinem Buch viele. Und einige auch in der Mensa der Inselschule. Aber viel mehr ist ihm daran gelegen, mithilfe von fundiertem Datenmaterial Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Häufung von Zoonosen, also die Übertragung von Infektionskrankheiten von Tier zu Mensch, nehmen zu, „weil wir die Tiere nicht in Ruhe lassen“, so Hirschhausen. Apropos Tiere, früher habe der Mensch etwa ein Prozent der Lebewesen auf der Erde ausgemacht, mittlerweile entfalle der Anteil des Menschen auf rund ein Drittel, etwa zwei Drittel machten Nutztiere aus. Für Wildtiere blieben nur noch ein bis zwei Prozent übrig. Das fördere Zoonosen, Ursprung vieler Seuchen wie Covid-19.

Hirschhausen: Mehr Pflanzliches als Tierisches essen

Er sprach sich in der Mensa klar gegen Massentierhaltung aus und erinnerte daran, dass „weltweit mehr Antibiotika an gesunde Tiere als an kranke Menschen“ verabreicht würden. Und er schwor dem übermäßigen Fleischkonsum ab, der in hohen CO2-Emissionen einen hohen Preis besitze. Als Kind habe er immer den Slogan inhaliert, „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“. Mittlerweile denke er anders. „Heute ist man exotisch, wenn man noch unreflektiert Fleisch isst“, allerdings nähmen die Verbrauchszahlen in Deutschland kaum ab, gibt der Autor zu bedenken. In Anlehnung an den Titel seines Buches schreibt er: „Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben, … wenn wir mehr Pflanzliches als Tierisches essen würden.“

Anstieg des Meeresspiegels dramatischer als steigende Spritpreise

Hirschhausen verwies auf die zahlreichen Hitzetoten in Deutschland, über die kaum gesprochen würde, und ihre Zahl bei einem Anstieg der Temperaturen weiter anwachsen könnte. Ebenfalls sei mit dem Abschmelzen des Eises an den Polen ein Anstieg des Meeresspiegels unausweichlich. Das sollte auf Fehmarn von größerem Interesse sein als steigende Spritpreise, so Hirschhausen, der sich gefreut habe, auf Fehmarn so viele Windräder zu sehen.

Bevor er sich von seinem Publikum singend mit dem Armstrong-Song „What a Wonderful World“ verabschiedete, rief er aus aktuellem Anlass dazu auf, die kommende Bundestagswahl „als Klimawahl zu verstehen“, ohne dabei eine Wahlempfehlung auszusprechen. So viel Politik musste dann doch noch sein.

Im Senator-Thomsen-Haus wäre es zu eng geworden

Nach der coronabedingten Pause im vergangenen Jahr war es der Stadt Fehmarn mit Unterstützung der Thomsen-Schumacher-Stiftung zur Freude des Publikums wieder möglich, eine hochrangig besetzte Lesung anzubieten. Allerdings in der Mensa der Inselschule, wo die erforderlichen Abstände eingehalten werden konnten. Im räumlich beengten Senator-Thomsen-Haus wäre es aufgrund der Corona-Auflagen nicht möglich gewesen. So bleibt die Hoffnung, dass die nächste Lesung im Jahr 2022 wieder im Senator-Thomsen-Haus stattfinden kann. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.