Restauriert: St.-Osewald-Gilde erhält Gildebuch / Beliebung übersetzt

Historische Dokumente

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FEHMARN – Von Reinhard Gamon Rosenmontag ist auch immer der Tag, an dem die Jahreshauptversammlung der St.-Osewald-Gilde von 1430 zu Dänschendorf stattfindet – die 589. in diesem Jahr. Im Regelfall dauert es meist nur wenige Minuten. Das war in diesem Jahr anders. Gründe gab es genug. Nach 31 Minuten war mit einem lauten Holzhammerschlag trotzdem alles vorbei.

Einerseits wurde die Renovierung des wichtigsten Zeitdokuments der Traditionsgilde, das alte Gildebuch, abgeschlossen, andererseits freuten sich die Gildebrüder darüber, dass die Überarbeitung der Übersetzung der Beliebung, das selbst gegebene Recht der Gilde, ebenfalls abgeschlossen werden konnte. Der gebürtige Fehmaraner Jan Wieske, der jetzt in Hannover lebt, hat sich über viele Stunden die Mühe gemacht, die Beliebung nicht nur wörtlich, sondern auch sinngemäß zu übersetzen. Der 1971 geborene Wieske ist in Sachen alter Schriften ein Fachmann. Sein starkes Geschichtsinteresse für die Insel entwickelte sich erst mit seinem Wegzug. Jedes Gildemitglied erhielt auf der Versammlung ein Exemplar ausgehändigt.

Mit großer Freude konnte Gildemeister Manfred Möller auch das alte Gildebuch präsentieren, das jetzt nach umfangreicher Renovierung im Original vorliegt. Bekanntlich hat die Traditionsgilde neben ihrem Gildestock im Jahr 2016 auch ihr Gildebuch im November 2014 zurückbekommen. Dies gelang erst nach intensiven Gesprächen mit dem Museums-Verein Fehmarn und der Stadt Fehmarn unter Inanspruchnahme eines rechtlichen Beistandes.

Das besagte Buch von 1665 war in einem außerordentlich schlechten Zustand. Letztlich konnte aber speziell durch das Engagement von Pastor Dr. Martin Grahl erreicht werden, dass das historische Schriftstück einer umfangreichen Renovierung zugeführt werden konnte. Die Kosten wurden zu 75 Prozent mit Geldern der Landesförderung Schleswig-Holstein und zu 25 Prozent durch die Gilde gestemmt. Pastor Grahl erläuterte, dass die Renovierungsarbeiten sehr mühevoll und umfangreich waren. Das Buch, sagte er, sei wirklich ein historischer Schatz.

Beide historischen Dokumente sorgten bei den Gildebrüdern für viel Interesse.

„Wir haben das große Glück, dass wir mit Dr. Martin Grahl einen Pastor in Petersdorf bekommen haben, der eine gewisse Leidenschaft für Altertum und alte Geschichten über Fehmarns Gilden und Kirchen hat“, lobte Möller den Pastor. Er habe auch dafür gesorgt, dass der Gildeleuchter in der Petersdorfer St.-Johannis-Kirche ebenfalls renoviert worden sei.

Möller machte weiterhin deutlich, dass die St.-Osewald-Gilde grundsätzlich mit dem Kirchspiel Westfehmarn seit langem sehr eng verbunden sei. Beispielhaft dafür: Während der 1916 zurückerhaltene Gildestock grundsätzlich beim Gildemeister aufbewahrt wird, erfolgt die Deponierung des Gildebuches im Tresor der evangelischen Kirchengemeinde Petersdorf.

In Jahresbericht ging der Gildemeister auf die Aktivitäten des letzten Jahres ein. Dazu gehörten unter anderem auch die Teilnahme an Gildeschießen und dem Erntedankfestes in Petersdorf.

Auf Fehmarn sind aktuell sechs Gilden beheimatet, davon ist die St.-Oswald-Gilde die kleinste. Ihr gehören derzeit 15 Personen an sowie drei Gildebrüder in der Ehrenabteilung (ab Vollendung des 65. Lebensjahres). Die Mitgliederzahl beträgt eigentlich 17, doch es sind derzeit zwei Plätze vakant. Möller informierte darüber, dass es eigentlich aus der Historie zwei Sargträgergruppen mit jeweils acht Gildebrüdern gäbe, dazu käme dann der Gildemeister selbst.

Nach dem offiziellen Teil der Versammlung amüsierten sich die Gildebrüder beim Scharwenzelspiel.

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