Der Burger Wochenmarkt ist geprägt von der Saison, aber hat eine loyale Stammkundschaft

Ein Hort der Zusammenkunft

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Gut gelaunt bei der Arbeit: Sieglinde Koehn (m.) und das Team vom Obst- und Gemüsestand Baumgarten.

FEHMARN -mb- Die Tage werden kürzer, die Veranstaltungen weniger, die Öffnungszeiten sind zunehmend eingeschränkt, Winterpause heißt es bei einzelnen kulturellen Angeboten auf Fehmarn. Eines ändert sich jedoch nicht: Der Burger Wochenmarkt – wenn auch klein, dafür sicher fein – ist weiterhin jeden Mittwoch von 7 bis 14 Uhr für seine Kundschaft da. Der Grund dafür ist ziemlich simpel. Bäckermeister Burghardt Jess aus Plön klärt auf.

Seit acht Jahren gehört Jess mit dem fahrbaren Untersatz der gleichnamigen Familienbäckerei zum Wochenmarkt. Er schätzt den Kontakt zum Kunden und die wiederkehrenden Gesichter. „Hier findet ein deutlich intensiverer Austausch zwischen Verkäufer und Kunde statt als im Geschäft. Gespräche sind an der Tagesordnung. Es wird produktorientierter gekauft und die Menschen stellen deutlich mehr Fragen“, beantwortet Jess die Frage nach dem gewissen Etwas eines Wochenmarktes. Aber läuft das Geschäft denn? „Ja, natürlich nicht so gut wie im Sommer“, aber er verkaufe keine Saisonartikel, die Kundschaft müsse sich darauf verlassen können, dass er da sei. „Umgekehrt verlasse ich mich darauf, dass meine Kunden bei mir einkaufen“, betont Jess die Bedeutung seiner Stammkunden.

Wenige Schritte weiter ist Sieglinde Koehn – Fehmaraner Urgestein, hier geboren, immer auf der Insel zu Hause gewesen – in ihrem Element. Bereits acht Jahre arbeitet sie auf dem Wochenmarkt am Obst- und Gemüsestand von Kerstin Baumgarten. Bis zum Januar dieses Jahres war Wolfgang „Wolle“ Griefahn aus Petersdorf der Betreiber des Standes, jetzt ist es wieder der Obsthof Baumgarten aus Niedersachsen, von dem es zuvor Griefahn selbst abgekauft hatte. Baumgarten legt Wert auf Produkte direkt vom Erzeuger, schließlich sei man selbst einer und wolle zudem die Bauern vor Ort unterstützen, so die Chefin des Standes.

Und ihre fleißige Mitarbeiterin? „Eigentlich wollte ich das gar nicht, aber von einer Woche zur nächsten stand ich plötzlich auf der anderen Seite“, grinst sie schelmisch. Überhaupt ist Sieglinde – „auf dem Wochenmarkt kennen wir eigentlich nur Vornamen“ – offenherzig, freundlich, ja wie gemacht für den Kontakt mit der Kundschaft. Währenddessen sie sich mit dem FT über Gott und die Welt unterhält, wird gegrüßt, bedient, gewunken und sich ausgetauscht. Außerhalb des Andrangs der Sommermonate sei ausreichend Zeit, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen – im Sommer müsse es dann schon etwas schneller gehen, erklärt Sieglinde.

Einer ihrer Kollegen ist Stefan, seit 20 Jahren dabei und gebürtiger Sachse. Momentan sehe man auf dem Markt fast ausschließlich Stammkunden beziehungsweise Einheimische, erzählt er. Früher war Stefan beim Fernmeldedienst der Post. Auch für ihn gehört der Austausch mit den Kunden, der kurze Plausch dazu. „Wenn man will, kann man eine Menge über die Insel und ihre Menschen erfahren“, lächelt er. Unmittelbar zuvor wurde jedoch eher gefachsimpelt.

Christine und Gerhard Decker aus Berlin informierten sich über Rosenkohl und dessen Zubereitung – Stefan konnte helfen. „Das ist für uns ein zentraler Grund, einen Wochenmarkt aufzusuchen, auch im Urlaub. Die Gespräche und der direkte Kontakt sind uns wichtig“, meint Christine Decker. Ihr Mann hebt die lokalen Produkte und die Qualität hervor. „Wir haben gleich gefragt, woher die Kohlsorten kommen und Tipps zur Zubereitung des Rosenkohls bekommen.“ Zudem könne man diesen auf ihrem Markt in Berlin nicht noch am Stamm befindlich kaufen, freut sich das Ehepaar.

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