Nur noch mit Stornierungen befasst / Corona: Tourismus wird landesweit auf null gefahren

Hotels: Kurzarbeit geht um

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Hoteldirektorin Lea Haltermann hat das Hotel Bene am Südstrand geschlossen.

Fehmarn –hö– Die Corona-Pandemie nimmt immer größeren Einfluss auf das öffentliche Leben. Die von der Bundes- und Landesregierung beschlossenen restriktiven Maßnahmen, die die Verbreitung des Virus verlangsamen sollen, schlagen voll auf das gesellschaftliche Leben durch.

  • Der Tourismus wird in Schleswig-Holstein auf null gefahren
  • Restaurants müssen schließen
  • Touristen müssen das Bundesland bis zum 19. März verlassen 

Am Dienstagabend verkündete die Landesregierung, dass Restaurants ab heute gänzlich geschlossen bleiben müssen, zuletzt konnten sie unter Auflagen wenigstens von 6 bis 18 Uhr offen gehalten werden. 

Touristen auf den Inseln wie Fehmarn waren bereits am Sonntag aufgefordert worden, die Heimreise anzutreten (wir berichteten), mittlerweile gilt das auch für Urlauber auf dem Festland. Ab sofort soll der Tagestourismus auf null heruntergefahren werden. Bis morgen müssen alle Touristen Schleswig-Holstein verlassen haben, verkündete gestern Tourismusminister Bernd Buchholz.

Die Folge: Hotels auf Fehmarn schließen oder haben bereits dicht. Für die Mitarbeiter geht es oft nur noch darum, Stornierungen abzuwickeln. „In den letzten 18 Stunden haben wir fast nur storniert“, berichtet Frank Wisser von Wisser‘s Hotel in Burg. Die rund 20 Mitarbeiter des Familienbetriebes gehen zunächst einmal bis Ende April in Kurzarbeit. „Wir stellen uns aber schon auf Richtung Juni ein“, befällt Frank Wisser ein ungutes Gefühl, wenn er daran denkt, „was noch alles kommen kann“.

Ungewissheit ist groß und überall spürbar

Die Ungewissheit darüber, ob die bis zum 19. April befristeten Anordnungen in die Verlängerung gehen, ist groß und überall spürbar. „Wenn es nur für diese Zeit ist, kommen wir da irgendwie durch“, ist Lea Haltermann, Direktorin des Hotel Bene, zuversichtlich. Auch sie hat den Großteil der 40 Beschäftigten in Kurzarbeit schicken müssen. Zurzeit sei nur noch die Rezeption besetzt, die sich um Stornierungen und Gästekontakte kümmere.

Gar nicht damit einverstanden ist Lea Haltermann jedoch mit dem Zeitpunkt der Verkündung der Maßnahmen für Fehmarn. Keine Vorabinformation am Sonntagnachmittag, keine Rücksprachemöglichkeit mit Behörden, stattdessen hätte man mit vier Personen an der Rezeption vier Stunden lang Telefongespräche mit besorgten Gästen führen müssen. Diese hätten zwar bis auf nur ganz wenige Ausnahmen Verständnis für alles aufgebracht, doch den Zeitpunkt und die Art und Weise der Bekanntgabe der Restriktionen durch übergeordnete Stelle bezeichnete Haltermann als „Harakiri“.

Bei der Burg-Klause sieht es nicht anders aus. Auch hier ist Chef Peter Wolf bemüht, verträgliche Lösungen für seine 34 Mitarbeiter zu finden. Für diese heißt es jetzt: Kurzarbeit. „Der Betrieb ist in Ruhestellung, wir wollen aber jeden Mitarbeiter halten“, sieht er sich in der Verantwortung. „Wir haben große Investitionen getätigt“, erinnert er an die unlängst vollzogene Erweiterung des Hotels und hofft auf zugesagte Unterstützung von Bund und Land. Für Frank Wisser sind die Banken wichtige Gesprächspartner. Auch von dieser Seite erhofft er sich für die Betriebe Hilfestellung.

Die IFA Fehmarn hat den Hotelbetrieb faktisch eingestellt. „Gäste sind nicht mehr da“, so Direktorin Jutta Zimmermann, die ebenfalls um die Verantwortung für die rund 80 Mitarbeiter weiß. Lösungen würden nun erarbeitet.

Ihren Optimismus haben Fehmarns Hoteliers aber nicht aufgegeben. Frank Wisser: „Der Familienbetrieb hat schon vieles durchgestanden.“ Lea Haltermann: „Wir müssen das Beste draus machen – und für September gibt es schon zwei Buchungen.“

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