Der Steg in Burgtiefe
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„Da müssen wir ran.“ Tourismuschef Oliver Behncke verdeutlichte im Fachausschuss die Notwendigkeit der Sanierung von Steg 2 im Jachthafen Burgtiefe. Saniert wird mit Tropenholz und Kunststoff (GFK).

Baumaßnahme startet im Herbst

Hürden bei der Nachhaltigkeit: Steg-Sanierung in Burgtiefe mit Tropenholz und Plastik

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Die Sanierung eines Steges im Jachthafen Burgtiefe wurde im Tourismusausschuss diskutiert. Die Abwägung zwischen Kosten, Halterbarkeit und Faktoren der Nachhaltigkeit erschweren die Entscheidung.

  • Vorhaben des TSF über 25000 Euro werden auf Möglichkeiten der Nachhaltigkeit von Fall zu Fall geprüft.
  • Steg sanierungsbedürftig: Unter anderem Wasservögel belasten diesen mit Kot in den Wintermonaten.
  • Bongossi-Holz und GFK: Ausschuss hält sich an die Empfehlung des Planungsbüros.

Fehmarn – Einen Mittelweg finden, der für alle vertretbar ist. So hatte sich das der Tourismusausschussvorsitzende Christian Muus (CDU) in der Sitzung am Dienstagabend vorgestellt. Ökologie und Ökonomie zusammenbringen. Gar nicht so einfach. Das zeigte die Diskussion über die Verwendung von Materialien beim Steg- und Wegebau durch den Tourismus-Service Fehmarn (TSF) – immer im Fahrwasser eines nachhaltigen Tourismus, den sich die Stadt in ihren strategischen Zielen auf die Fahnen geschrieben hat.

Das Thema gelangte über einen Antrag der Grünen in den Ausschuss. „Wir können für den Tourismus auf Fehmarn jetzt die Richtung für die nächsten Jahre vorgeben“, warb Falko Siering für nachhaltige Sanierungen und Investitionen durch den TSF. Die Klausel, dass Kosten nicht mehr als 25 Prozent vom günstigsten Angebot abweichen dürfen, wollte er naturgemäß streichen lassen. Immer nachhaltig ließe sich zudem besser gegenüber den Gästen verdeutlichen als nur meistens nachhaltig.

Wir sollten den ökonomischen Faktor nicht außer Acht lassen.

Bastian Wiepcke (CDU)

An den Passus wollten die anderen Ausschussmitglieder nicht ran. „Wir sollten den ökonomischen Faktor nicht außer Acht lassen“, so Bastian Wiepcke (CDU), der sinngemäß empfahl, besser auf Sicht zu fahren mit Blick auf die kommenden Herausforderungen wie die Feste Fehmarnbeltquerung in der Tourismusentwicklung der Insel. Dem pflichtete Bernd Remling (SPD) bei, schließlich könne man die Klausel auch noch später anpassen – oder auch bei bestimmten Maßnahmen abweichen, wie sein Parteikollege Heinz Jürgen Fendt ergänzte. 

Kurzerhand der einstimmige Kompromiss: Projekte über 25000 Euro wird der TSF in den Ausschuss bringen mit unterschiedlichen Vorschlägen, wie nachhaltig es werden soll. Darunter gilt die Klausel.

Eichenbohlen werden durch Kunststoff ersetzt

Zur Bewährungsprobe hinsichtlich Nachhaltigkeit wurde anschließend die notwendige Sanierung eines Steges im Jachthafen Burgtiefe. Bei der Ausschreibung geht es um mittlerweile rund 290000 Euro, was fast 30 Prozent über dem Haushaltsansatz liegt. Die Infrastruktur besteht aus 444 m2 Eichenbohlen mit einem Bongossi-Unterbau, was ein Tropenholz ist. Die Konstruktion sei letztendlich noch gar nicht so alt, erklärte Tourismuschef Oliver Behncke, teilweise nur zwölf Jahre, allerdings würden die Wasservögel die Stege in den Wintermonaten mit Kot belasten. Kurz gesagt: „Der Kopfsteg ist noch gut, aber der Weg dorthin ist teilweise mit Löchern durchsetzt.“

Glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) hat eine Lebensdauer von bis zu 40 Jahren

Ausgeschrieben hatte der TSF für einen GFK-Gitterbelag (glasfaserverstärkter Kunststoff) mit einer Lebensdauer von bis zu 40 Jahren und einen Bongossi-Unterbau. Von einem anderen Oberbau als GFK – Lärche, Eiche oder Stahl – rät das beauftragte Ingenieurbüro Wald und Kunath ab und begründete dies teils mit Lieferengpässen, hohen Kosten, kurzer Lebensdauer oder der Tatsache, dass aufgrund der Sanierung nicht ohne Weiteres alle Varianten ohne vorherige Prüfung möglich sind. Apropos Kosten: Weil eben „nur“ repariert wird, schlagen die Kosten sofort auf den Haushalt durch, anders als bei einer Abschreibung, wenn neu gebaut wird, erinnerte der stellvertretende Tourismusdirektor Volker Aermes.

Entsprechend schwierig gestaltete sich eine zielführende Diskussion hinsichtlich der Abwägung zwischen Lebensdauer, Kosten und Nachhaltigkeit, bis Telse Voderberg (FWV) quasi die Reißleine zog und eingestehen musste, bei diesem „emotionalen Thema“ sich fachlich lieber an der Empfehlung des Planungsbüros zu orientieren, was schnell Zustimmung fand. Siering drängte zwar auf Holzbohlen, warnte davor, „jetzt damit anzufangen und auf Plastik zu setzen“, jedoch stimmte er als Einziger gegen den Beschluss. Neun Ausschussmitglieder sagten Ja, Britta Freiberg (SPD) enthielt sich.

Preisgarantie bis Oktober: Sanierung ab Herbst

Damit die Kosten nicht weiter steigen, die Fachfirma gibt eine Preisgarantie bis Oktober, soll die Maßnahme noch im Herbst starten und bis Ende März 2022 fertig sein. Zur Kostendeckung der 78200 Euro über dem Haushaltsansatz könne man die höheren Erträge aus den Liegeplatzgebühren heranziehen, so Behncke.

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