Gruppe im Schlif
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Vor-Ort-Termin in Westermarkelsdorf (v.l.): Tourismusdirektor Oliver Behncke, Hartmut Steffen (2. Vorsitzender Haff und Huk), Mathias Krause (1. Vorsitzender Haff und Huk), Landtagsabgeordnete Marlies Fritzen (Grüne) und Falko Siering (Grüne, OV Fehmarn).

Grüne Landtagsabgeordente sieht Ansinnen kritisch

Barrierefrei durchs Naturschutzgebiet: Haff und Huk Fehmarn und Tourismus wollen einen befestigten Weg

  • Andreas Höppner
    VonAndreas Höppner
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Der Naturschutzverein Haff und Huk will einen barrierefreien Weg durch das NSG Nördliche Seeniederung errichten. Die Landtagsabgeordnete Marlies Fritzen (Grüne) sieht das Vorhaben kritisch.

  • Haff und Huk will der Öffentlichkeit einen besseren Zugang zum Aussichtsturm ermöglichen.
  • Wilde Trampelpfade würden bei der Errichtung des rund 300 m langen Weges wegfallen
  • Idee wurde auf kommunalpolitischer Ebene noch nicht diskutiert.

Fehmarn – Naturschutz und Tourismus unter einen Hut zu bringen, das ist nicht immer einfach, schon gar nicht, wenn ausgewiesene Naturschutzgebiete (NSG) unmittelbar betroffen sind. Der Naturschutzverein Haff und Huk Nordfehmarn, der seit fünf Jahren das rund 750 Hektar große NSG Nördliche Seeniederung betreut, und der Tourismus-Service Fehmarn (TSF) hoffen deshalb auf Unterstützung aus der Politik für eine gemeinsame Projektidee: Die Befestigung des Weges, der durch den Schilfgürtel zur Markelsdorfer Huk führt.

Marlies Fritzen musste umkehren

Den Weg gibt es bereits, doch nur unbefestigt, wie die zum Ortstermin geladene umweltpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Marlies Fritzen, am Montagvormittag (16. August) aus erster Hand erfahren musste. Auf halbem Weg ging es nicht mehr weiter. Der Wasserstand war zu hoch, sodass der Rückweg angetreten werden musste.

Diskriminierungsfreie Zuwegung steht als Idee hinter dem Vorhaben

Der Hintergrund des Projekts ist, einer breiteren Öffentlichkeit den Zugang zum Aussichtsturm auf dem anderen Ende des nördlichen Binnensees zu ermöglichen, um von dort aus die vielfältige Flora und Fauna beobachten zu können. Laut Tourismusdirektor Oliver Behncke gehe es bei dem Vorhaben vor allem darum, eine barrierefreie und somit diskriminierungsfreie Zuwegung zu schaffen. Ganzjährig erreichbar ist der Turm nur von Westen her über den Strandabschnitt. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine nicht zu bewältigende Barriere. Die Zuwegung von Osten kann nicht genutzt werden, da sie über einen privaten Campingplatz führt.

Tourismuschef: Baustein für einen nachhaltigen Tourismus auf Fehmarn

Fehmarns Tourismuschef hält die Errichtung eines solchen rund 300 Meter langen Weges, versehen mit Hinweistafeln zum NSG, für einen Baustein für nachhaltigen Tourismus, den sich die Stadt Fehmarn in ihren strategischen Zielen auf die Fahnen geschrieben hat. So würde aus den Erträgen der Kurabgabe, mit dem der Bau des Weges mitfinanziert werden könnte, „in nicht so stark frequentierte Gebiete etwas zurückgegeben werden“, so Behncke.

Der Weg ist bereits da – er wird nur befestigt

Mathias Krause, 1. Vorsitzender von Haff und Huk Nordfehmarn, verdeutlichte gegenüber der Landtagsabgeordneten, dass kein neuer Weg geschaffen werden müsse, er würde lediglich befestigt. Weitere wilde Trampelpfade, die mit der Zeit entstanden seien, würden dann wegfallen. Krause sieht das Projekt auch als mögliche Chance, „den Tourismus in den Naturschutz zu integrieren“, denn auf diese Weise könnten Personen auch an den Naturschutz herangeführt werden.

Fritzen: Vorhaben wäre ein „massiver Eingriff“

Es sei „toll, dass es solch ein großes Naturschutzgebiet überhaupt gibt“, erinnerte Fritzen an den langwierigen Prozess der NSG-Ausweisung. „Wir brauchen Orte, an denen die Natur Vorrang hat“, aber auch der Mensch seinen Platz finde, so Fritzen, die schnell den Bogen spannte zum Klimawandel und dessen Folgen, wie dem zeitlich etwas zurückliegenden Elbe-Hochwasser, aber auch der brandaktuellen Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Die Projektidee sei nicht „absurd“, konnte sie dem Plan von TSF und Haff und Huk durchaus Positives abgewinnen, sie machte aber auch deutlich, dass es sich um einen „massiven Eingriff“ handle und Gespräche mit Fachleuten geführt werden müssten.

Haff und Huk als Brückenbauer

Krause und Behncke versicherten, dass ihnen das bewusst sei und das Thema auch auf kommunalpolitischer Ebene noch nicht diskutiert worden sei. Mathias Krause machte abschließend in der ihm eigenen Art deutlich, dass man trotz aller sich auftürmenden Klippen mögliche Differenzen überwinden und das Projekt anpacken möchte: „Wir sind nicht angetreten, um Wege zu bauen, sondern um Brücken zu bauen.“

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