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Studenten der Hafencity Universität Hamburg (HCU) erfuhren viel über Fehmarn.

Studenten der Fachrichtung Architektur und Ingenieurwesen der Hafencity Universität Hamburg machten sich für ihre Masterarbeit mit dem Gewerbegebiet Amalienhof und den Gleisanlagen in Puttgarden vertraut

Ideensammlung für Nutzungskonzepte

FEHMARN - Von Reinhard Gamon Am Wochenende besuchten auf Einladung der Bürgerinitiative „ProFehmarn“ 32 Studenten der Fachrichtung Architektur und Ingenieurwesen der Hafencity Universität Hamburg (HCU) zusammen mit Professorin Annette Bögle, dem Architekten René Schneiders und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Nils Ratschke Fehmarn. Sie nahmen an einem Diskussionsforum teil, zu dem unter anderem auch Vertreter aus Politik, Stadtverwaltung und Tourismus, Grundstückseigentümer und Unternehmer den Weg in die Denkfabrik Burger Jugendherberge gefunden hatten. Die zukünftigen Architekten und Ingenieure wollen im Hinblick auf die geplante Feste Fehmarnbeltquerung für die Gleisanlage in Puttgarden und das Gewerbegebiet Amalienhof am westlichen Burger Ortseingang Ideen für ein verträgliches Nutzungskonzept erarbeiten.

Schon einmal kamen Studenten der HCU auf Einladung von „ProFehmarn“ auf die Insel, um sich im Rahmen der Südstrandplanung mit Ideen und Vorstellungen einzubringen und Konzepte zu präsentieren. Jetzt heißt das Thema der Masterarbeit: Nutzungskonzept für das Gewerbegebiet Amalienhof und für die Gleisanlage Puttgarden.

Es geht bei den zu erarbeitenden Nutzungskonzepten um das Gewerbegebiet Amalienhof und, wie auf dem Foto zu sehen, die Gleisanlage der Bahn AG im Bereich des Fährbahnhofes Puttgarden

„Fehmarn ist liebenswert und soll auch liebenswert für kommende Generationen bleiben“, hieß es gleich zu Beginn des Diskussionsforums seitens der Gastgeber. Zuvor hatten die Gäste aus Hamburg die Gelegenheit, die Gleisanlage der Bahn AG in Puttgarden und das Gewerbegebiet Amalienhof in Augenschein zu nehmen. Auch ein Besuch der Burger Innenstadt und des Info-Zentrums Femern A/S zählten mit zum zweitägigen Programm. So konnten die Studenten einen ersten Eindruck von der Insel gewinnen.

Zu den Teilnehmern des Diskussionsforums zählten auch Claus-Michael Rathjen vom Verein Attraktive Burger Altstadt (ABA) und der Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein, Claus-Peter Matthiensen, sowie Mitglieder der Bürgerinitiative „ProFehmarn“, die sich stark mit einbrachten.

Als dringlich wurde angesehen, Dauerarbeitsplätze zu schaffen. Viele junge Menschen verließen nach ihrem Schulabschluss die Insel und kämen nicht zurück, da nur wenige Arbeitsplätze für gut ausgebildete und qualifizierte Arbeitnehmer zur Verfügung stünden. Ziel müsse es daher sein, dass die jungen Menschen der Insel auch hier eine Zukunft hätten, hier berufliche Perspektiven fänden und ihre Familie gründeten. Derzeit aber kehrten sie aus verständlichen Gründen ihrer Heimat den Rücken, nur ältere Menschen suchten hier für ihren Lebensabend eine neue, ständige Bleibe, hieß es.

Die Studenten möchten, um umsetzbare Ideen einbringen zu können, auch wissen, wie die Vorstellungen und Wünsche der Kinder und Jugendlichen sind. Andreas Herkommer (SPD) sicherte am Sonnabend zu, dass den Studenten die Ergebnisse der in der Inselschule durchgeführten Planspiele „Pimp my Island“ zur Verfügung gestellt werden.

„Tourismus, Grenzhandel und gut funktionierende Landwirtschaft sind die wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine auf Fehmarn“, so der Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein, Claus-Peter Matthiensen. Er sehe zwar Einschränkungen, was die Besucherzahlen in der Bauphase der geplanten Beltquerung anbelangt, auf die Insel zukommen. Diese seien aber zeitlich begrenzt. Bestrebungen, Anreize zu schaffen, dass der Durchreisende hier länger verweile, sei aus seiner Sicht sehr wichtig.

Andreas Herkommer (SPD) sprach sich für mehr Aktivitäten außerhalb der Hauptsaison auf ganz Fehmarn aus und wünschte sich, dass die Attraktivität der Innenstadt mindestens bewahrt, besser noch erhöht werde. Ex-Kreistagsabgeordneter Hartmut Specht vertrat die Ansicht, dass Fehmarn als Ganzes in Sachen Attraktivität gesehen werden und auch die Infrastruktur stimmen müsse. „Wir wollen mit Dänemark gekoppelt und nicht abgeschnitten werden“, so Specht.

Dieter Deike vom Kaufhaus Stolz ließ erkennen, dass er den wichtigen Grenzhandel, der innerhalb des Handelsvolumens auf Fehmarn bei hohen 63 Prozent liege, in Puttgarden richtig platziert sehe, und nicht vor den Toren Burgs.

Claus-Michael Rathjen gab zu verstehen, dass die Burger Altstadt so erhalten werden sollte, wie sie ist. Das gehe aber nur, wenn die Altstadt über eine entsprechende Wirtschaftskraft verfüge. In allen planerischen Überlegungen sollte dies auf jeden Fall berücksichtigt werden. „Ergänzen ist richtig, aber nicht ersetzen“, so Rathjen, der damit meint, dass das Einkaufszentrum vor der Stadt mit seinen Angeboten ergänzen, aber nicht verhindern sollte, dass der Kunde ins Stadtzen-trum komme. „Wir müssen unseren skandinavischen Kunden etwas bieten, damit sie in die Stadt kommen und auch dort länger verbleiben“, sagte er weiter.

Das Potenzial der dänischen Gäste auf Fehmarn müsse ausgebaut werden, so Tourismusdirektor Oliver Behncke.

Im Fokus stehe dabei der Individualreisende, der vielleicht ein paar Tage bleibe und nicht nur im Grenzhandel einkaufe. Er unterstrich noch einmal, dass Fehmarn in Deutschland führend im Wassersport sei und in den Bereichen Urlaub auf dem Bauernhof und im Campingtourismus sehr gute Zahlen schreibe. „Der Tourismus hat auf Fehmarn enorme Power“, so Behncke, und untermauerte das mit Zahlen wie 350000 Gäste im Jahr und 2 Millionen Übernachtungen.

Auch fehlende Straßenumgehungen – die Folge seien große Belastungen zu Spitzenzeiten in der Saison – sowie der teilweise schlechte Straßenzustand wurden thematisiert.

Unterstützung und Hilfe der Stadt

Bauamtsleiter Marcel Quattek, der seine Freude darüber zum Ausdruck brachte, dass sich die Studenten mit viel Kreativität in die Konzeptentwicklung einbringen wollen, bot die Unterstützung und Hilfe der Stadt an. „Wichtig ist, dass im Ergebnis der Konzepte unsere jungen Menschen auf der Insel bleiben können, Arbeitsplätze finden und hier ihre Familien gründen können“, schloss er.

„Ich hoffe, dass es jetzt in Ihren Köpfen nur so schwirrt“, so Peter F. Butenschön von „ProFehmarn“ zum Abschluss des rund zweieinhalbstündigen Diskussionsforums zu den Studenten. Jetzt liegt es an den zukünftigen Architekten und Ingenieuren, umsetzungswürdige Ideen zu erarbeiten und diese zu gegebener Zeit zu präsentieren.

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