André Jörns: „Städter zieht es aufs Land“ / In Vergangenheit zu wenig Wohnraum geschaffen

Immobilienpreise coronaresistent

Immobilienfachmann André Jörns hat festgestellt, dass der regionale Immobilienmarkt durch Corona keine Einbrüche hinnehmen musste.
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Immobilienfachmann André Jörns hat festgestellt, dass der regionale Immobilienmarkt durch Corona keine Einbrüche hinnehmen musste.

Fehmarn – hö – Der Kreis Ostholstein ist mit bislang nur 69 registrierten Covid-19-Fällen glimpflich durch die Corona-Pandemie gekommen. Die wirtschaftlichen Folgen sind jedoch immens, aktuell haben 41 Prozent der ostholsteinischen Betriebe für fast 24000 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet. Der regionale Immobilienmarkt ist durch den Lockdown zwar nicht ohne kleine Delle davongekommen, doch mittlerweile ziehen die Preise wieder an.

André Jörns ist seit drei Jahrzehnten im Immobiliengeschäft tätig und kennt den Markt. Auf Fehmarn ist er ebenso wie auf dem Festland in Heiligenhafen sowie an der Nordseeküste in Marne mit jeweils einem Büro vertreten. „Fehmarn hat einen Dämpfer bekommen“, so Jörns und spielt auf die rund zweimonatige Abriegelung der Insel an, als Tagesgäste und Zweitwohnungsbesitzer nicht nach Fehmarn durften und aufgrund von Verboten Haus- und Wohnungsbesichtigungen nicht gestattet waren. In Heiligenhafen und Großenbrode hätten Besichtigungen hingegen uneingeschränkt durchgeführt werden können, gibt Jörns zu bedenken. „Einen Einbruch gab es hier nicht.“

Auf das laufende Jahr gesehen fällt der zweimonatige Lockdown bei den Immobilienpreisen nicht ins Gewicht. Auf Fehmarn sind die Preise für Häuser (Bestand) seit Jahresbeginn sogar um 29,45 Prozent gestiegen. Der Preis liegt aktuell bei durchschnittlich 3032 Euro/m². Das geht aus einer Erhebung des Instituts Dr. Hettenbach hervor, das für Banken, Sparkassen und Bausparkassen Bewertungsmodelle für Immobilien erarbeitet. Das Familienunternehmen aus Baden-Württemberg hat zudem auf Basis von Daten aus Online-Portalen einen Corona-Immobilienmonitor entwickelt, der deutschlandweit für jede Gemeinde Auskunft gibt über die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt.

Kaum Angebote auf dem Markt

Normal liege der Preis bei rund 2500 Euro/m², berichtet Immobilienexperte André Jörns. Allerdings gebe es zurzeit auch nur neun Angebote, „das ist nichts“. Bei Neubau sei mit einem einzigen Angebot hingegen gar nichts auf dem Markt.

Die Preisentwicklung für Wohnungen im Bestand ist auf Fehmarn relativ konstant. Sie liegt bei 3352 Euro/m². Für Neubau muss mit 3675 Euro/m² etwas tiefer in die Tasche gegriffen werden. Aber auch hier liegt in beiden Kategorien die Zahl der Angebote im einstelligen Bereich.

Sensationelle Entwicklung in Heiligenhafen

In Heiligenhafen und Großenbrode werden zurzeit noch weniger Immobilien zum Kauf angeboten. Der Markt ist größtenteils leer gefegt. „In Heiligenhafen haben wir eine hohe Nachfragesituation, das hat es noch nie gegeben“, berichtet André Jörns, der von einer „sensationellen Entwicklung des Ostseebades“ spricht.

Die Kehrseite der Medaille: Aktuell steht nur eine Wohnung (Bestand) zum Verkauf mit einem Preis von 3900 Euro/m². Bei Neubau sind es zwar 14, doch bei einem durchschnittlichen Angebotspreis von 6000 Euro/m² ist der Kauf dieser Immobilie für viele gar nicht erschwinglich.

Dass die Preise aufgrund der ungewissen Entwicklung rund um das Coronavirus in Zukunft unter Druck geraten werden, glaubt André Jörns nicht. Vielmehr hat er festgestellt, „dass eine durch Corona verstärkte Stadtflucht“ eingesetzt hat. „Die Städter zieht es aufs Land“ und hielten hier Ausschau nach Immobilien.

Ausgesprochen knapp ist das Wohnraumangebot zur Miete. Das gilt nicht nur für sämtliche touristisch geprägten Gemeinden Ostholsteins auf dem Festland, sondern gerade auch für Fehmarn. In Heiligenhafen liegt der Quadratmeterpreis zwischen 9,37 Euro/m² (Bestand) und 10,53 Euro/m² (Neubau). In Großenbrode bei einem kaum existenten Angebot zwischen 10,46 Euro/m² (Bestand) und 10,87 Euro/m² (Neubau), auf Fehmarn zwischen 8,14 Euro/m² (Bestand) und 10,02 Euro/m² (Neubau).

Haben für Einheimische zu wenig

„Das Schlimme ist, dass wir für Einheimische zu wenig haben, wir brauchen die jungen Leute, die bauen“, macht André Jörns deutlich, dass auf Fehmarn in der jüngeren Vergangenheit „zu wenig Wohnraum geschaffen wurde“. Folglich seien die Mieten explodiert. Heiligenhafen und auch Großenbrode hätten in den letzten Jahren Baugebiete ausgewiesen, Fehmarn hingegen so gut wie gar nicht, bedauert er.

Diesbezüglich hofft er, dass auf Fehmarn „parteiunabhängig und gemeinsam zügig Lösungen“ gefunden werden. „Wohnen in der Stadt für 60 plus“ in Burg würde ebenso gebraucht wie sozialer Wohnungsbau. Allerdings hält er aktuell einen Preis für 6 Euro/m² für unrealistisch, das sei „Wunschdenken der Politiker“. Im Rahmen genossenschaftlichen Bauens seien 8,50 Euro/m² schon „Low-Budget-Preise“, das wisse er aus eigener Erfahrung.

Der Ausblick und die Erwartungen von André Jörns für die Entwicklung auf Fehmarn: Burg wird weiterhin das Zentrum auf der Insel bleiben. An ein Zusammenwachsen mit Landkirchen, obwohl dort Bebauungsgebiete geplant sind, glaubt er nicht. Nicht vernachlässigt werden darf der Inselwesten mit Petersdorf.

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