Ein Blick ins Festzelt
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In einem Festzelt vor der Orangerie im Eutiner Schlossgarten fand der Jahresempfang des Unternehmensverbandes Ostholstein-Plön statt.

Jahresempfang des Unternehmenverbandes Ostholstein-Plön

Aufbruch in Richtung Normalität

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Coronabedingt konnte der Unternehmensverband (UV) Ostholstein-Plön seinen Jahresemfang jetzt erst ausrichten. Die Festrede hielt Ministerpräsident Daniel Günther (CDU).

  • 42 Prozent der Unternehmen in Schleswig-Holstein bezeichnen Situation als gut.
  • Ministerpräsident Günther: „Impfen ist Bürgerpflicht“.
  • Fachkräftemangel bereitet Sorgen.

Eutin – Der Jahresempfang des Unternehmensverbandes (UV) Ostholstein-Plön im August – die Pandemie macht‘s notwendig. Im einem Zelt vor der Orangerie im Eutiner Schlossgarten begrüßte zunächst Thomas Piehl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Holstein, als Ausrichter des Abends, Mitglieder der Wirtschaftsinteressenvertretung sowie Gäste aus Politik und Gesellschaft. Den Festvortrag hielt Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der nach dem offiziellen Teil das Büfett eröffnete.

Natürlich gibt es seit nunmehr anderthalb Jahren kein Vorbeikommen mehr an einem Thema, wenngleich Piehl verkündete, dass immerhin 42 Prozent der Unternehmen in Schleswig-Holstein ihre momentane Situation als gut bezeichnen würden. Aber: „Corona ist noch nicht weg“, sagte der Vorsitzende des Geldinstituts, der noch kurz die Feste Fehmarnbeltquerung (FFBQ) streifte. „Die Sparkasse ist Mitglied des Hansebelts. Wir sind der festen Überzeugung, dass die feste Querung mehr Chancen als Risiken birgt.“ Noch ein Wort in eigener Sache: die Fusion mit der Sparkasse Südholstein. Damit wolle man den Herausforderung Niedrigzins, Digitalisierung und Fachkräftemangel begegnen. Mit Herausforderungen hätten die Unternehmen auch nach 18 Monaten Krise noch zu kämpfen, griff die Vorstandsvorsitzende des UV-Präsidiums, Lydia Bahn, den Faden auf. Man müsse weiterhin auf Sicht fahren – wofür es Mut und Kreativität bräuchte.

Günther: Klare Absage an einen erneuten Lockdown 

Ministerpräsident Günther sprach wenig später der Wirtschaft in Gänze seine Dankbarkeit für deren Durchhaltevermögen aus und erteilte der Diskussion über einen erneuten Lockdown eine klare Absage. Diesen „kann es in der jetzigen Phase der Pandemie nicht mehr geben“, so der 48-Jährige, dafür gebe es schlichtweg keine Rechtfertigung mehr oder rechtliche Begründung. Zwar würden die Infektionszahlen steigen, aber man sei heute in einer ganz anderen Situation, spielte der Landeschef an auf fast 70 Prozent Erstimpfungen gegen das Coronavirus und über 62 Prozent vollständigen Schutz der Bevölkerung in Schleswig-Holstein. 

Wenig Sinn sah Günther zudem in neuen Parametern neben der Inzidenz. „Dass sich die Bürger nach 18 Monaten an anderen Werten orientieren sollen, halte ich für falsch, diesen Mischmasch versteht keiner.“ Statt neuen Warnwerten müsse man sich gemeinsam in Richtung Normalität bewegen, dies kommunizieren und den Menschen damit Ängste nehmen. „Mehr Sicherheit als zwei Impfungen und eine Auffrischung kann der Staat in fünf Jahren auch nicht bieten“, wurde der Ministerpräsident deutlich: Sich impfen zu lassen, sei „moralische Verpflichtung“ – seiner Meinung nach „Bürgerpflicht“.

Als Herausforderung, um aus der Krise gestärkt hervorzugehen, benannte Günther zuerst die Digitalisierung, deren Chancen ungleich besser seien als vor der Pandemie. Mit einmal seien Dinge möglich gewesen, die vorher als unmöglich galten, lobte der Unionspolitiker öffentliche Verwaltungen als positives Beispiel. Ebenfalls gehe es voran mit dem Breitbandausbau, mit einer Abdeckung von 62 Prozent in 2022 – „viermal so gut wie Baden-Württemberg und Bayern“, so Günther.

Sorge bereite hingegen der Fachkräftemangel, entsprechende Initiativen zur Gewinnung müsse es verstärkt geben. „Wir müssen jungen Menschen klarmachen, wie wichtig eine solide Ausbildung ist“, sagte Günther und griff abschließend die FFBQ exemplarisch auf: Der Planfeststellungsbeschluss sei rechtssicher durchgesetzt, nachdenklich stimme aber, wie lange dies gedauert habe. „Wir müssen viel, viel schneller werden“, mahnte der Ministerpräsident. Denn „lahmarschige Planverfahren“ würden auch alles betreffen, was mit der Energiewende zu tun habe.

Bleiben wir so langsam, werden wir im weltweiten Wettbewerb verlieren und werden auch im technischen Bereich abgehängt.

Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident Schleswig-Holstein

„Bleiben wir so langsam, werden wir im weltweiten Wettbewerb verlieren und werden auch im technischen Bereich abgehängt.“ Das klinge zunächst nach einer sehr globalen Betrachtungsweise, doch betroffen seien davon „unsere Unternehmen“, so Günther.

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