Zwei Rollstuhlfahrer und vier Fußgänger wollen Fehmarn umrunden

Inklusion auf dem Wasser

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Für die SUP-Expedition „Round Fehmarn“ wurde viel auf der Leine bei Hannover trainiert. Zwei Rollstuhlfahrer und vier Fußgänger wollen Fehmarn umrunden

Fehmarn –lb– Zwei Rollstuhlfahrer und vier Fußgänger auf einem Stand-up-Paddling-Board, die in drei Tagen damit die Insel umrunden wollen? Das geht nicht? Doch. Beim 8. SUP & Beachsports Festival (wir berichteten) tritt ein sechsköpfiges Team zu dieser ganz besonderen Challenge über rund 78 Kilometer an. Gestartet wird am Südstrand in Burgtiefe. Das Inklusionsprojekt soll Menschen mit Handicap Wassersport ermöglichen.

Zwei Männer mit einer ausgefallenen Idee bringen Rollstuhlfahrer auf die Ostsee. Stand-up-Paddling (SUP) ist mit dem selbst entwickelten Mega-SUP-Board auch für Menschen mit Handicap möglich. Adrian Wachendorf und Arne Stiller haben nicht nur drei Jahre lang an dem perfekten Board getüftelt, sondern zusammen mit dem SUP & Outdoor-Verein Lüneburg und der „Aktion Mensch“ das Inklusionsprojekt ins Leben gerufen. Auf dem Festival Fehmarn soll das Projekt präsentiert werden.

Ein geschultes Team wird vor Ort sein und mit Rollstuhlfahrern aufs Wasser paddeln. Hier kann jeder die Trendsportart Stand-up- Paddling erleben. Gleichzeitig findet mit einem Experten-Team die Insel- umrundung statt. Für die SUP-Expedition „Round Fehmarn“ hat das sechsköpfige Team lange im Voraus trainiert. Von der Leine in Hannover geht es auf die Ostsee nach Fehmarn. Als Rollstuhlfahrer sind die deutschen Para-Eishockey-Nationalspieler Simon Kunst und Ingo Kuhli Lauenstein mit dabei. Hinzu kommen vier Fußgänger, darunter auch Adrian Wachendorf.

„Die Fehmarn-Umrundung ist eine große Herausforderung. Wir müssen uns auf alles einstellen. Die verschiedenen Tagesetappen hängen vor allem von Wind und Wetter ab“, so Wachendorf. Bei der Umrundung wird nichts dem Zufall überlassen. „Die Strecke am Hafen von Puttgarden wird besonders spannend. Hier sind genaueste Absprachen gefordert, sodass wir den Fährverkehr nicht behindern.“

Die 78 Kilometer Insel-Umrundung wollen die sechs in drei Tagen unbedingt schaffen. „Sportler sind Sportler – egal ob mit oder ohne Handicap – und Sportler lieben verrückte Challenges“, so Wachendorf. Als die Idee aufkam, auf der Ostsee zu paddeln und Fehmarn zu umrunden, seien die Nationalspieler direkt Feuer und Flamme gewesen. Mit der Entwicklung des Mega-SUP-Boards haben Adrian Wachendorf, Wildnisführer und SUP-Trainer bei der „Nature-Guides GmbH“ und Arne Stiller von „SUP’N Stand-up-Paddling and More“ einen Meilenstein gesetzt. Die Hauptidee war, dass Rollstuhlfahrer im eigenen Rollstuhl paddeln. „Jeder Rollstuhl ist perfekt auf die jeweilige Person eingestellt. Ein anderer Rollstuhl bedeutet für die meisten Schmerzen und Unwohlsein. Daher wollten wir unbedingt ein System ent- wickeln, wobei der eigene Rollstuhl zum Einsatz kommt“, erklärt Arne Stiller.

Der Sicherheitsaspekt sei sehr hoch, weswegen sich das Set-Up schwierig gestaltete. Dennoch fanden die beiden einen Weg und arbeiteten immer weiter an der Verbesserung des Boards, das nun in Serie geht.

„Viele müssen zunächst die Schwelle der Angst überwinden“, so die SUP-Entwickler in ihrer Pressemitteilung. „Wir haben mit Ärzten gesprochen und sehen den Erfolg des Inklusionsprojektes. Durch das Stand- up-Paddling wird nicht nur das Gemeinschaftsgefühl gestärkt, sondern ein neues Körpergefühl entwickelt“, so Arne Stiller. Einige Rollstuhlfahrer erzählten von Muskelkater an Stellen, die eigentlich taub sind. Zudem würden durch den Sport Gleichgewichtsprobleme verringert. Nach zehn Minuten schon sei eine bessere Balance spürbar.

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