Jufa-Hotelgruppe plant Hotelbau auf Fehmarn / Teile der Kommunalpolitik informieren sich erneut vor Ort / Betreiberin bleibt gesprächsbereit

Insel-Camp Fehmarn weiter kämpferisch

Banger Blick nach unten: 15,40 Meter ist die gemessene Höhe bis zum Balken unterhalb des Korbs. Kleingarns Vorschlag: maximale Firsthöhe 10,50 Meter.
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Banger Blick nach unten: 15,40 Meter ist die gemessene Höhe bis zum Balken unterhalb des Korbs. Kleingarns Vorschlag: maximale Firsthöhe 10,50 Meter.

Fehmarn –Von Manuel Büchner– „Sich das vorzustellen, ist gar nicht so einfach“, sagt Katherin Kleingarn, Chefin vom Insel-Camp Fehmarn in Meeschendorf, und blickt mit einigen Kommunalpolitikern der Insel auf eine Teleskop-Arbeitsbühne, die zur Visualisierung auf 15,40 Meter ausgefahren am westlichen Rand des Campingplatzes steht. 15,40 Meter sind Kleingarn und ihrem Vater Detlef ein Dorn im Auge, denn es ist die Firsthöhe des Mittelbaus für das geplante Hotel auf dem Gelände der Erholungsstätte des Kreises Hersfeld-Rotenburg, westlich des Campingplatzes.

  • Campingplatzchefin lädt zum Vor-Ort-Termin
  • Verschattung, Sicht- und Beobachtungseffekt problematisch durch geplanten Hotelbau
  • Maximal 10,50 Meter Firsthöhe

Im Oktober besuchte der Bauausschuss den Campingplatz, tagte kurz darauf und fand deutliche Worte. Damals waren Kleingarns frohen Mutes. Die bekannte Losung „halbe Höhe, halbe Länge“ machte im Ausschuss die Runde, an der Katherin Kleingarn auch zehn Monate später festhält. „Warum hat das keine Relevanz mehr?“ Zwar sei die Gebäudeform verändert worden, aber bei der Höhe habe sich nichts getan. Stattdessen stimmte der Ausschuss im Mai mit Mehrheit dem Bebauungskonzept zu, wenn der Vorhabenträger, die österreichische Hotelkette Jufa, die Maximalhöhe um 50 Zentimeter senkt – ein Entgegenkommen des Architekten, der im Auftrag von Jufa das Vorhaben plant.

Detlef Kleingarn unterrichtet die Stadtvertreter Christiane Stodt-Kirchholtes, Hans-Peter Thomsen und Heino Kühl.

50 Zentimeter ist "Showeffekt"

Detlef Kleingarn spricht von einem „Showeffekt“, denn allein der Bodenausgleich durch den Hochwasserschutz fresse die Reduzierung locker auf. „Mit 50 Zentimeter weniger können wir nicht leben“, sagt Kleingarn. Vater und Tochter versichern erneut: „Wir sind nicht gegen den Bau eines Hotels.“ Aber maßvoll müsse es sein. In Zahlen ausgedrückt sind das für Kleingarns, ohne Option auf spätere Aufstockung, maximal 10,50 Meter. Immerhin fast doppelt so hoch wie die bisherige Bebauung.

Abgesehen vom Schattenwurf sieht sie auch den Sichteffekt problematisch, da es eine derartige Bebauung weit und breit nicht gebe. Auch der Beobachtungseffekt spiele eine Rolle – so seien auf der Ostseite des Hotels Balkone angedacht.

„Die Abendsonne ist entscheidend“

Kleingarn hält das Vorhaben der Hotelkette in dieser Form für existenzbedrohend. „Die Abendsonne ist entscheidend“, sagt Detlef Kleingarn bestimmt. Seine Tochter ergänzt: „Sind Camper am Abend eine Stunde länger im Schatten, suchen sie sich mittelfristig einen neuen Platz.“ Der WUW-Fraktionschef Hans-Peter Thomsen und die von der WUW unterstützte Bürgermeisterkandidatin Doris Klemptner wollten wissen, ob der wirtschaftliche Schaden zu beziffern sei? Katherin Kleingarn verneinte. Woraufhin beide dringlichst empfahlen, dies berechnen zu lassen. „Wir nehmen das als Anregung mit“, nickt Detlef Kleingarn.

Kritik an der  Jufa-Verschattungsstudie

Bis auf Christiane Stodt-Kirchholtes (Grüne), die moniert, dass Fehmarn eine Ausnahmeregelung des 150 Meter breiten Gewässerschutzstreifens schnell durchdrücken wolle, sind alle Anwesenden für einen Hotelbau. Nur nicht in dieser Dimension. Thomas Börke (FWV) zweifelt zudem die Jufa-Verschattungsstudie an, die am 1. September um 19 Uhr eine Verschattung der ersten sechs Doppelreihen Richtung Osten aufzeigt. „Das stimmt definitiv nicht.“

Klitzeklein: Katherin Kleingarn überblickt ihren Campingplatz.

Hotelprojekt wieder Thema im Bau- und Umweltausschuss am 17. September

„Warum das Gebäude nicht einfach auf die andere Seite bauen?“, fragt Hans-Peter Thomsen (WUW) und kritisiert, dass ein Campingplatz, der schon lange da sei, dulden müsse, dass ihm „die Sonne weggenommen wird“. Vorschläge zur Reduzierung der Höhe habe man Jufa unterbreitet, sagt die Campingplatzchefin. „Warum muss die Etagenhöhe vier Meter betragen – reichen nicht auch drei Meter?“ Und mit Blick auf die Zahl der Zimmer könne man das Hotel sicherlich auch mit einer größeren Grundfläche bauen, zählt Katherin Kleingarn beispielhaft auf und zeigt sich weiterhin gesprächsbereit.

Derweil wirft das Hotelprojekt seine Schatten voraus: Beim nächsten Bauausschuss am 17. September steht das Vorhaben als Entwurfs- und Auslegungsbeschluss auf der Tagesordnung.

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