Gunnar Müller: Unterdurchschnittliche Erträge, aber für ein schlechtes Jahr war es noch eine ganz gute Ernte

Inselklima und Boden retten Bauern

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So früh wie selten zuvor ist die Raps- und Wintergetreideernte auf Fehmarn abgeschlossen worden. Über die letzten Schläge – wie hier im Norden der Insel bei Wenkendorf – fuhren die Mähdrescher Mitte dieser Woche.

FEHMARN - hö - Für den Tourismus ist es ein Sommer der Superlative, für die Landwirte ganz und gar nicht. Die seit drei Monaten anhaltende Trockenheit hat bei der Ernte nicht nur zu spürbaren Einbußen geführt, sie wird auch über die nächsten Monate hinaus noch Auswirkungen haben, beispielsweise mit einem Anstieg der Futtermittelpreise. Doch Fehmarn hat es im Vergleich zu anderen Landesteilen weniger hart getroffen. Fehmarns Bauernchef Gunnar Müller sieht die rund 110 Betriebe, die es auf der Insel noch gibt, erneut mit einem blauen Auge davongekommen.

Sich permanent blaue Augen zu holen, trägt aber auch nicht dazu bei, das eigene Wohlbefinden zu steigern. Nichtsdestotrotz kann Müller stellvertretend für Fehmarns Landwirte durchatmen. Geht die Landwirtschaftskammer landesweit von Ertragseinbußen in Höhe von durchschnittlich 30 Prozent aus, fällt das Minus auf Fehmarn geringer aus. „Zehn bis 15 Prozent zu durchschnittlichen Jahren, 20 bis 25 Prozent zu Top-Jahren“, so Müller, wobei es selbst auf Fehmarn regional auch Unterschiede gegeben hat. Er erinnert an den starken Hagelschauer, der am 21. Juni von Lemkenhafen Richtung Neue Tiefe gezogen war. In diesem Streifen sei ein massiver Schaden entstanden. „Bei der Gerste 30 Prozent zusätzlicher Ausfall“, berichtet Müller aus eigener Erfahrung.

Unterm Strich spricht Fehmarns oberster Landwirt hinsichtlich der Erträge von einem unterdurchschnittlichen Jahr, ähnlich wie 2003, als es vergleichbare Witterungsbedingungen gegeben habe. Bei der Gerste sind in diesem Jahr 70 bis 100 dt/ha (durchschnittlich 95 dt/ha), beim Raps 30 bis 42 dt/ha (durchschnittlich 35 dt/ha) und beim Weizen knapp unter 80 bis 100 dt/ha (durchschnittlich 90 dt/ha) geerntet worden. Die Qualitäten seien „guter Durchschnitt“ – selbst in diesem trockenen Jahr. Einmal mehr schlagen die guten Böden und die günstigen klimatischen Bedingungen auf der Insel durch.

Gunnar Müller spricht von einem unterdurchschnittlichen Erntejahr 2018.


Rückblickend sagt Gunnar Müller, dass im Prinzip alles „in 90 Tagen passiert“ sei – vom eigentlichen Wachstum der Pflanze bis zur Ernte. Von daher sei auch kein Höchst-ertrag zu erwarten gewesen. Ein wenig Glück hätten nun diejenigen, die von den aktuell anziehenden Preisen profitierten, meinte Müller, der seiner Branche rät, in allen Bereichen eine möglichst breite Risikostreuung zu betreiben.

Allerdings ist auch Müller bewusst, dass die extreme Witterung in diesem Jahr hart zugeschlagen hat und es landesweit viele „richtige Härtefälle gibt“ und Existenzen durchaus bedroht sind. Hier üben sich auch Fehmarns Bauern in Solidarität mit ihren Berufskollegen in weiten Teilen des Landes. Derzeit deutlich zu erkennen, wenn täglich große Lkw die Insel verlassen und die gepressten Strohballen in andere Kreise bringen, wo diese „oft sehnlichst erwartet werden“, berichtet Müller. Hier habe sich ein Markt entwickelt und es werde damit auch Geld verdient, doch der Solidaritätscharakter spiele eine große Rolle, ist Fehmarns Bauernchef überzeugt.

Noch auf den Feldern stehen die Ackerbohnen. Mit ihrer Ernte rechnet Müller ab Mitte des Monats. Aber auch hier müssten bei den Erträgen Abstriche gemacht werden, ebenso beim Mais, wenngleich der Mais auf der Insel „deutlich besser steht als im ganzen Land“. Auch hier dürfte die Ernte deutlich früher losgehen, vermutlich Mitte September.

Und wie sehen Müllers Wünsche für die Herbstbestellung der Felder aus? „Regen, es darf mal regnen.“ Ein frommer Wunsch, der in den letzten drei Monaten kaum erhört worden war und den er im März, als die Felder teilweise unter Wasser standen, in dieser Form wohl nicht ausgesprochen hätte.

Eigentlich seien die letzten zwölf Monate nur von zwei Wetterextremen geprägt gewesen, erst Dauerregen, dann Trockenheit, rekapituliert Gunnar Müller, um zu folgender Schlussfolgerung zu gelangen: „Für ein schlechtes Jahr war es noch eine ganz gute Ernte.“

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