Gutachten zur Krankenhausplanung empfiehlt für Fehmarn nur noch ein ambulantes Versorgungsangebot

Inselkrankenhaus steht vor dem Aus

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Für die dezentrale Akutversorgung im Kreis wird die Inselklinik laut Iges-Gutachten nicht mehr benötigt. Die Gutachter halten auf Fehmarn ein ambulantes Vorsorgungsangebot für völlig ausreichend.

FEHMARN -hö- Dem von den Sana Kliniken Ostholstein betriebenen Inselkrankenhaus in Burg droht das Aus. Keine 24-Stunden-Versorgung mehr – eine Hiobsbotschaft. Es wird empfohlen, am Standort Fehmarn nur noch ein ambulantes Versorgungsangebot aufrechtzuerhalten. Das geht aus einem vom Gesundheitsministerium in Auftrag gegebenen Gutachten zur Krankenhausplanung hervor. Am Dienstag wurde es im Rahmen einer Gesundheitskonferenz im Kreishaus vorgestellt.

Gebannt verfolgten Experten aus Gesundheitswesen und Politik die Präsentation der Ergebnisse des Gutachtens.

Die neue Inselklinik am Mummendorfer Weg war erst vor sechs Jahren eingeweiht worden, jetzt wird sie für eine dezentrale Akutversorgung im Kreis nicht mehr benötigt. Lediglich die Beibehaltung der Standorte Eutin, Neustadt und Oldenburg ist sinnvoll, geht aus dem Gutachten hervor. Eine qualitativ ausreichende medizinische Versorgung von Notfällen, ob Herzinfarkt, Schlaganfall, schweren Unfallverletzungen oder auch Geburtshilfe könne im Inselkrankenhaus nicht gewährleistet werden, so Prof. Dr. Thomas Kersting, der gemeinsam mit Dr. Stefan Loos die wesentlichen Aussagen des vom Berliner Institut Iges erstellten Gutachtens erläuterte.

Iges moniert an der Inselklinik die extrem geringe Betten- (28) und Fallzahl (1220). So gibt es 13 Planbetten für die Innere Medizin und 15 für die Chirurgie. Sind die 13 Betten bei der Inneren Medizin noch zu 90 Prozent ausgelastet, liegt der Auslastungsgrad der chirurgischen Betten lediglich bei 27,9 Prozent. Zudem würden 80 Prozent der Patienten von der Insel Fehmarn andere Krankenhäuser aufsuchen. Es gebe keine qualifizierte Notfallversorgung bei Herzinfarkt und Schlaganfall, ebenso wenig bei der Versorgung von Schwangeren und Geburten. Eine wirtschaftliche Versorgung sei nur mit Sicherstellungszuschlag der Krankenkassen möglich.

Sana-Geschäftsführer Florian Glück teilte am Mittwoch mit, dass Sana bereit sei, sich mit allen Beteiligten zu neuen Versorgungsformen auf Fehmarn auszutauschen. Ein sogenanntes Medizinisches Versorgungszentrum könnte beispielsweise solch ein ambulantes Versorgungsangebot abdecken, so Sana-Pressesprecher Michael Hesse auf FT-Nachfrage.

Wie wird die Krankenhausversorgung im Kreis Ostholstein in naher Zukunft aber aussehen? Die vierstündige Konferenz im Eutiner Kreishaus, an der hochkarätige Vertreter aus Gesundheitswesen und Politik teilnahmen, sollte darüber Aufschluss geben.

Ein Fazit des Gutachtens: Für die Notfallversorgung des Kreises Ostholstein mit seinen knapp 200000 Einwohnern würde eigentlich ein einziges Krankenhaus an einem zen-tralen Punkt des Kreisgebietes ausreichen. In Dänemark werde zurzeit eine entsprechende Struktur geschaffen mit neuen, modernen Krankenhäusern mit einem Einzugsgebiet von 250000 Menschen, berichtete Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg (FDP), der ebenfalls an der Konferenz teilnahm.

Wenn es aber weiter eine dezentrale Akutversorgung im Kreis geben solle, sei die Beibehaltung der Standorte Eutin, Neustadt und Oldenburg sinnvoll, heißt es weiter im Gutachten.

Minister Garg gab eine Zusicherung, die von einer Mehrheit der Konferenzteilnehmer mit Freude aufgenommen wurde: Die Landesregierung werde an den Standorten Eutin, Neustadt und Oldenburg in der Akutversorgung festhalten. Er forderte aber auch die Träger von Krankenhäusern auf, sich ihres flächendeckenden Versorgungsauftrags bewusst zu sein und gemeinsam Strukturen zu entwickeln, doppelte Angebote, zum Bespiel bei der Versorgung von Schlaganfallpatienten zu vermeiden.

Seit Mittwoch ist nun auch bekannt, wie die Sana Kliniken Ostholstein am Standort Eutin weiter vorgehen wollen. Hier war immer noch offen, ob die Eutiner Klinik wegen unzähliger Wasserschäden neugebaut wird oder doch saniert werden kann.

Eutiner Klinik soll nun doch saniert werden

Sana teilte am Mittwoch mit, dass man sich, nachdem der bestehende Versorgungsauftrag der Sana Kliniken Eutin und Oldenburg bestätigt worden sei, zum Krankenhaus-standort Eutin bekenne. Florian Glück: „Wir wollen das Klinikgebäude sanieren. Die nochmalige Überprüfung der ersten Analyse, in denen die beiden Szenarien Neubau oder Sanierung gegeneinander abgewogen wurden, hat gezeigt, dass eine Sanierung im Bestand mit einem ergänzenden Anbau eine sinnvolle und zudem realisierbare Variante ist.“

Eine gute Nachricht aus dem IGES-Gutachten gab es noch für die Klinik Oldenburg. Für sie wird eine Verlegung der Geriatrie vom Standort Middelburg nach Oldenburg empfohlen. Nicht nach Eutin, wie es der Plan der Sana Kliniken Ostholstein vorsieht, da es mit dem Sankt-Elisabeth-Krankenhaus in Eutin bereits eine Geriatrie gebe.

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