Lehrer bilden sich fort – Verwaltung ringt mit Details – Politik bangt um Landesmittel

Inselschule: Noch viel zu tun

Gerlind Otto, Rolf-Rainer Otto und Gerhard Sonntag von der Offenen Schule Kassel-Waldau beraten derzeit die Insel-Lehrer in Sachen binnendifferenziertes Lernen.

Von Peter LöbenbrückFEHMARN • Das Thema Inselschule bleibt in aller Munde. Nach dem politischen Beschluss zur Gemeinschaftsschule geht die Arbeit für die Verwaltung weiter.

Fördermittel aus Kiel müssen beschafft werden, und es gibt noch kein Raumnutzungskonzept, weder für die Inselschule noch für die Burger Grundschule. Letzteres sorgte jetzt im Finanzausschuss für Unstimmigkeiten. Unterdessen bereiten sich die Lehrer in einer Fortbildung auf die neue Schulform vor.

Reformpädagogin Ingrid Kaiser hatte den Kontakt vermittelt zur Offenen Schule Kassel-Waldau. Die hessische Versuchsschule beschritt schon vor geraumer Zeit neue pädagogische Wege, hochbegabte Schüler werden gemeinsam mit lernbehinderten Kindern beschult – mit Erfolg. Dafür gab’s den Deutschen Schulpreis 2006. Gerlind Otto, Rolf-Rainer Otto und Gerhard Sonntag sind Lehrer an dieser integrierten Gesamtschule und weilen seit gestern auf Feh-marn. Mit rund 40 Kollegen von der hiesigen Haupt- und Realschule, dem Gymnasium und dem Förderzentrum tauschen sie sich aus in Sachen Binnendifferenzierung, offenes Lernen und deren Umsetzung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Fächern Deutsch, Mathe und Englisch. „Wir geben eine pädagogische Orientierung“, fasste Sonntag zusammen.

Während sich die Lehrer mit den schulischen Inhalten beschäftigen, mühen sich Politik und Verwaltung mit den Rahmenbedingungen. Hitzig diskutiert wurde im jüngsten Finanzausschuss in Sachen Inselschule. Auslöser war der Tagesordnungspunkt „Sanierung der Grund- und Hauptschule Burg“. Bekanntlich ist der Gebäudekomplex in der Orthstraße teilweise baufällig. Das Dach muss erneuert werden, die sanitären Anlagen sind in katastrophalem Zustand, eine Wärmedämmung ist praktisch nicht vorhanden, fast alle Fensterscheiben sind einglasig. So wird die vor Kurzem installierte neue Heizanlage ad absurdum geführt. „Durch die mangelhafte Isolierung geht unheimlich viel Energie verloren“, so Bürger-meister Otto-Uwe Schmiedt.

Bereits 2000 begann die Stadt mit der insgesamt etwas über 700000 Euro teuren Sanierung der GHS Burg. Einem zu diesem Zeitpunkt gestellten Förderantrag in Höhe von 25 Prozent stimmte das Land zu. Zwischenzeitlich wurden die Maßnahmen aber unterbrochen, es musste vorrangig in den Brandschutz investiert werden. Nun geht es darum, die ursprünglichen Sanierungsmaßnahmen zu beenden. Die Restkosten von rund 525000 Euro sind im Finanzplan der Stadt bereits enthalten. Der Schulausschuss stimmte Anfang des Monats einstimmig zu, im Finanzausschuss am Donnerstag aber sorgte das Thema für Zündstoff.

Gesicherter Schulstandort?      

Hintergrund: Es gibt noch kein endgültiges Raumnutzungskonzept für Fehmarns künftige Schullandschaft. Wie viele und welche Klassen sollen in der GHS untergebracht werden? Nur Grundschüler, oder sollen auch die künftigen „Inselschüler“ hier unterrichtet werden? Und wenn ja, ab wann? Fest steht nur, dass die Gemeinschaftsschule in diesem Sommer als Provisorium in der Realschule und im Gymnasium starten wird. Weiter ist von der Politik angedacht, langfristig nur die Gebäude des jetzigen Gymnasi- ums und eben der GHS als Schulstandorte in Burg zu erhalten. In der Real- und der Klaus-Groth-Schule würden demnach die Lichter früher oder später ganz ausgehen. „Es gibt eben auch noch keine Vorgaben vom Land für ein Raumnutzungskonzept für Gemeinschaftsschulen“, erklärte Schmiedt die Situation.

Im Finanzausschuss bildeten sich zwei Fraktionen. „Warum sollen wir jetzt über die Sanierung eines Gebäudes entscheiden, von dem man noch gar nicht weiß, wie es künftig genutzt wird“, warf Gunnar Müller ein. Unterstützung erfuhr Müller von Carsten Mackeprang und von Ausschussvorsitzender Dr. Silke Struve-Blanck: „Erst muss das Raumnutzungskonzept für die Schulen festgelegt werden, bevor dieses oder jenes Gebäude saniert wird“, so Struve-Blanck. „Es handelt sich hier doch um ein städtisches Gebäude, das wir nicht verfallen lassen dürfen, egal, wie es nun künftig im Detail genutzt wird“, hielten Gunnar Mehnert und Manfred Harländer dagegen und ergänzten, dass die GHS mit der neuen Zweifeld-Turnhalle und dem angegliederten Mellenthin-Sportplatz ein gesicherter Schul- standort sei. Gut ausgerüstet, ja, aber nicht etwas überdimensioniert, sollten hier künftig nur Grundschüler lernen? „Auch in der Grundschule muss künftig anders gelehrt werden, in kleineren Gruppen, nicht mehr frontal. Ein Raumbedarf wird immer da sein“, so Uwe Hardt.

„Hohn gegenüber Steuerzahler“

So wurden zwei Beschlussvorschläge zur Abstimmung gestellt, für und gegen die Restsanierung zum jetzigen Zeitpunkt. Der Aus- schuss stimmte mit sieben Ja- bei vier Nein-Stimmen dafür, allerdings mit dem Zusatz, dass die Verwaltung beauftragt wird, bis zum 30. Juni 2007 ein Raumkonzept vorzulegen, um anschließende Investitionen sinnvoll koordinieren zu können. Das letzte Wort hat die Stadtvertretung (nächste Sitzung am 29. März).

Am Freitag erreichte das FT dann noch ein schriftlicher Widerspruch zur geplanten Sanierung der GHS Burg von Stadtvertreter Hartmut Specht, der auch an die fehmarnsche Politik, den Kreis und Landrat Reinhard Sager, den Landesrechnungshof sowie den Bund der Steuerzahler Schleswig-Holstein gegangen ist. Darin mahnt Specht, es sei „nicht verantwortbar“, die Grund- und Hauptschule zu sanieren, solange noch kein „aktualisiertes Bedarfskonzept“ vorliege. „Nach derzeitigem Stand (...) wird es künftig zwei Grundschulklassen je Jahrgang in Burg geben. Angesichts der desolaten Lage aller öffentlichen Haushalte wäre es ein Hohn gegenüber dem Steuerzahler, für diese acht Klassen ein Schulgebäude mit einem Fassungsvermögen von etwa 20 Klassen vorzuhalten und zu sanieren“, so Specht.

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