Funktionäre kritisieren angekündigte Fördermittelkürzung / Landespolitiker vor Ort

Integratives Projekt vorgestellt

+
Integrationslotsin Nadine Witt (l.) leitet mit ihrer Projektpartnerin Nina Weilandt (r.) das integrativ-inklusive reitpädagogische Projekt. Der elfjährige Rashid aus Syrien sitzt sichtlich stolz auf dem Rücken des Pferdes.

Fehmarn – Von Andreas Höppner – Die Integration von Flüchtlingen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Seiner Verantwortung gestellt hat sich der Landessportverband (LSV) Schleswig-Holstein, der das Projekt „Integrationslotsen im Sport“ angeschoben hat. Landesweit gibt es 46 Inte- grationslotsen, vier davon im Kreis Ostholstein. Eine ist Nadine Witt, die mit ihrer Projektpartnerin Nina Weilandt ein reitpädagogisches Projekt in Presen leitet. Projektträger ist der Fehmarnsche Ringreiterverein.

Hier in Presen erfährt eine von den Erlebnissen der Flucht traumatisierte syrische Familie die Hilfe, die erforderlich ist, das Erlebte zu verarbeiten, Vertrauen und Selbstwertgefühl zurückzugewinnen, um sich in einem vollkommen fremden Kulturkreis überhaupt integrieren zu können. Zu den Kindern, die betreut werden, gehört der elfjährige Rashid, der nach Angaben von Nadine Witt wie seine Geschwister auf einem Pferderücken gesetzt wurde, um in die Türkei zu fliehen. Die Kinder hatten nie zuvor Kontakt mit Tieren gehabt. Anschließend sei es in einem Schlauchboot weitergegangen über das Mittelmeer. Das Boot lief voll Wasser, doch die Familie konnte gerettet werden. Nun leben sie auf Fehmarn.

Von der wertvollen Arbeit, die in dem Projekt geleistet wird, konnten sich jetzt Vertreter des Landessportverbandes – Vizepräsident Bernd Küpperbusch und Geschäftsführer Thomas Niggemann – sowie die beiden Landtagsabgeordneten Peer Knöfler (CDU) und Jörg Hansen (FDP) direkt vor Ort ein Bild machen. Mit auf die Insel Fehmarn gereist waren mit Valentin Gepper (TSV Neustadt) und Jörg Ilinseer (VfL Bad Schwartau) zwei weitere Integrationslotsen aus Ostholstein, die ihre Projekte ebenfalls vorstellten.

Diskutierten über Projekt und Fördermittel: Thomas Niggemann (v.l.), Bernd Küpperbusch, Peer Knöfler, Jörg Hansen und Hinrich Köhlbrandt, 1. Vorsitzender des Fehmarnschen Ringreitervereins.


Der LSV holte die Landtagsabgeordneten mit ins Boot, um ihnen zu verdeutlichen, dass mit der vom Land für 2020 angekündigten Reduzierung der Fördermittel um etwa zwei Drittel auf nur noch 129000 Euro die Projekte Gefahr liefen, wieder eingestellt zu werden. „Das können wir nicht aus Eigenmitteln stemmen“, machte Küpperbusch deutlich. LSV-Geschäftsführer Thomas Niggemann erinnerte daran, dass 2017 zunächst 200000 Euro geflossen seien, 2018 und 2019 jeweils 400000 Euro. Eine Weiterführung der Förderung in dieser Höhe wäre wünschenswert, um mühsam aufgebaute Strukturen nicht zu gefährden, meinte Niggemann. Und auch Birgit Kamrath-Beyer, 1. Vorsitzende des Kreissportverbandes, machte unmissverständlich klar: „Eine finanzielle Kürzung würde sich fatal auswirken.“

Bernd Küpperbusch erinnerte daran, dass die Integration von Flüchtlingen „keine ureigene Aufgabe des Sports“ sei und der LSV das Projekt „Integrationslotsen im Sport“ als ausgesprochen wichtig erachte. Den Landtagsabgeordneten gab er mit auf den Weg, dass das Projekt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sogar zum Projekt des Monats Februar 2017 gewählt worden sei.

Jörg Hansen sprach von einem „fantastischen Modell“, das in ein nachhaltiges System übergeführt werden müsse. Und die Sportvereine seien dabei „ein belebendes Element, die Dinge fortzuentwickeln“, so Hansen. Er gestand allerdings, dass er von den vom LSV vorgelegten Zahlen zum ersten Mal hören würde.

Ähnlich beeindruckt vom vorgestellten Projekt zeigte sich Peer Knöfler, Vorsitzender des Bildungsausschusses im Schleswig-Holsteinischen Landtag. Die Erfordernis einer Weiterführung sieht er auch. „Egal, wo die Kohle herkommt“, spielte Knöfler auf die unterschiedlichen Ressorts und Haushaltstitel an. Dass das Geld weiter fließt, wünscht sich auch Birgit Kamrath-Beyer, die der Meinung ist, dass alles dafür getan werden müsse, dass diese „notwendige und gesellschaftlich wertvolle Arbeit“ fortgesetzt werden kann.

Nadine Witt, die in ihrer Funktion als Integrationslotsin unter der Trägerschaft des SV Fehmarn auch schon Schwimmkurse für Flüchtlinge durchgeführt hat, hofft nun, dass sie ihre Arbeit mit der integrativen reitpädagogischen Betreuung nachhaltig fortführen kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.