Ein Wahlplakat
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Teilweise hängen sie noch: Die Wahlplakate sind Zeugen eines Wahlkampfes, der bis zum Schluss spannend blieb.

Hagedorn: CDU fehlt Wählerauftrag

Ingo Gädechens (CDU): „Wir hatten nicht den richtigen Kandidaten“

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Die Siegerin im Wahlkreis Ostholstein/Stormarn-Nord, Bettina Hagedorn (SPD), und Verlierer Ingo Gädechens (CDU) bewerten die bundespolitische Lage.

  • Union und SPD leiten aus dem Wahlergebnis den Auftrag zur Bildung einer Bundesregierung ab.
  • FDP laut Hagedorn das Zünglein an der Waage.
  • Gädechens hält Personaldebatte nicht für abwegig.

Kasseedorf/Fehmarn – Es ist nur ein knapper Sieg, aber die von vielen bereits totgeglaubte SPD ist die große Gewinnerin der Bundestagswahl 2021, landet bei 25,7 Prozent – und damit exakt beim Ergebnis von 2013. Wohingegen die CDU/CSU mit 24,1 Prozent so schlecht abgeschnitten hat wie noch nie zuvor bei einer Bundestagswahl. Auch die SPD-Direktkandidatin für den Wahlkreis Ostholstein/Stormarn-Nord, Bettina Hagedorn, kann sich als Gewinnerin sehen. Sie hat ihren Kontrahenten von der CDU, Ingo Gädechens, mit 3,4 Prozentpunkten hinter sich gelassen. Über 4700 Stimmen mehr bekam die Sozialdemokratin als ihr Herausforderer von den Christdemokraten. Beide haben wir nach einer ersten Einschätzung der bundespolitischen Lage gefragt.

Union und SPD leiten aus dem Wahlergebnis den Auftrag zur Bildung einer Bundesregierung ab, weil keine erneute große Koalition gewollt ist. Die Union will die Ampel (SPD, FDP, Grüne) verhindern, hofft auf Jamaika (CDU, Grüne, FDP) – Hagedorn, dass „die Grünen das Spiel nicht mitmachen“. Zudem sei die FDP Zünglein an der Waage. „Die Liberalen wollen unbedingt Jamaika“, sei ihr persönlicher Eindruck.

Hagedorn: Jamaika wäre „Betrug am Wähler“

Eine Konstellation, die für die Politikerin „Betrug am Wähler“ ist – nicht nur wegen des SPD-Wahlsiegs, sondern auch mit Blick auf die „grandiose Aufholjagd ihrer Partei und dem klaren Absturz der Union“. Nicht zuletzt habe sie in vielen Gesprächen vor der Wahl vernommen, dass die Menschen SPD wählen würden, damit Olaf Scholz Kanzler werde. Der Union fehle es schlichtweg am Wählerauftrag, meint Hagedorn und sagt für die nächsten Wochen voraus: „Es wird spannend.“

Für Gädechens, der dennoch das landesweit zweitbeste Erststimmenergebnis für seine Partei eingefahren hat, war es am Montagmittag noch zu früh, konkrete Aussagen zu treffen, wie sich seine Partei positionieren werde. Richtig findet er jedoch den Schritt, dass FDP und Grüne zunächst miteinander sondieren, um zu schauen, wie man sich annähern könne. Zugleich hoffe er, dass eine Koalitionsbildung zügig erfolge. „Deutschland steht vor großen Herausforderungen.“

Gädechens: Hatten nicht den richtigen Kandidaten

Wer hat die Verantwortung für das desaströse Ergebnis der CDU – und auch den Verlust seines Direktmandates? Im Wahlkampf habe er viele Gespräche geführt, in denen es hieß: „Ingo, ich wähle dich, aber mit Armin Laschet habe ich meine Probleme.“ Der 61-Jährige ergänzt: „Das sollte uns als Partei zu denken geben. Wir hatten nicht den richtigen Kandidaten.“ 

Eine Personaldiskussion halte er deshalb auch nicht für abwegig. Allerdings gelte es, abzuwarten: Der Fehmaraner fuhr am Montagnachmittag noch zu Gesprächen mit dem Landesvorstand nach Kiel, heute steht die erste Fraktionssitzung in Berlin an. Er sei gespannt, „welchen Ton wir anschlagen werden“, schließlich hätten die fünf anderen Abgeordneten, die aus Schleswig-Holstein in den Bundestag einziehen, sicherlich ähnliche Erfahrung im Wahlkampf gemacht wie er.

Direktmandat hat hohe persönliche Bedeutung

Hagedorn geht in ihre sechste Legislatur als Bundestagsabgeordnete. Dreimal hintereinander – 2009, 2013 und 2017 – hatte sie das Nachsehen. Jetzt ist die Kasseedorferin wieder am Drücker. Zwar würden in Berlin unter den Abgeordneten keine Unterschiede gemacht, für sie selbst sei es aber von großer Bedeutung. „Es zeigt, dass mir die Mehrheit der Wähler das Vertrauen ausgesprochen hat.“ Wenn die Legislatur bis 2025 in normalen Bahnen verläuft, will die 65-Jährige nicht wieder antreten, ist aber für alle Eventualitäten vorbereitet: „Gibt es Neuwahlen, trete ich selbstverständlich wieder an.“

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