Rahmenplan bis 2025: Kirchenkreis reagiert auf Folgen der demografischen Entwicklung

Jede fünfte Pfarrstelle fällt weg

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Die Pröpste Peter Barz und Dirk Süssenbach (r.) auf der Synodentagung im Kreishaus.

Eutin/Fehmarn – Von Andreas Höppner – Es gibt kein Entrinnen vor der demografischen Entwicklung und dem daraus resultierenden Fachkräftemangel. Nicht in der Wirtschaft, aber auch nicht in der Kirche. Der Kirchenkreis Ostholstein will rechtzeitig reagieren und gegensteuern. Am Sonnabend legten die Pröpste Peter Barz und Dirk Süssenbach der im Eutiner Kreishaus tagenden Synode den vom Kirchenkreisrat erarbeiteten Entwurf eines Pfarrstellen-Rahmenplans vor, der bis zum Jahr 2025 für den Kirchenkreis eine Reduzierung um 13 Pfarrstellen vorsieht. Jede fünfte Pfarrstelle soll also wegfallen.

Pensionierungswelle, Nachwuchsmangel – da kommt etwas zu auf die Kirche. Die Nordkirche geht davon aus, dass von 2020 bis 2030 von derzeit rund 1700 Pastoren 900 aus Altersgründen aus dem Dienst ausscheiden werden, auf der anderen Seite aber nur 300 neue Geistliche ihren Dienst antreten. Die Nordkirche hat nun mit einem Personalplanungsförderungsgesetz reagiert, das von den einzelnen Kirchenkreisen in den nächsten Jahren umgesetzt werden muss. Peter Barz und Dirk Süssenbach wissen um die Brisanz der Thematik, denn „ohne schmerzliche Veränderungen werden wir es nicht hinkriegen“, sind die Pröpste überzeugt. „Doch es gibt derzeit mehr Fragen, als dass wir schon Antworten hätten“, machten sie der Synode deutlich, dass Kreativität gefragt sein wird.

Für die Propstei Oldenburg mit ihren insgesamt 15 Kirchengemeinden unterbreitete der Kirchenkreisrat den Vorschlag, zunächst sechs Regionen zu bilden, in denen Kirchengemeinden eng miteinander kooperieren. Die Propstei Eutin arbeitet bereits seit Jahren mit Regionen und hat damit positive Erfahrungen gemacht.

Eine der sechs Regionen in der Propstei Oldenburg ist Fehmarn mit den Kirchengemeinden Burg, Landkirchen, Petersdorf und Bannesdorf. Auf der anderen Seite des Fehmarnsundes schließt sich die Region Wagrien mit den Kirchengemeinden Großenbrode, Heiligenhafen und Neukirchen an. Oldenburg (Vizelins-Land) bildet eine eigene Einheit.

Die Region Fehmarn hat zurzeit vier Pfarrstellen (Vollbeschäftigungseinheit, VBE) und müsste bis 2025 auf drei reduziert werden. Die Region Wagrien ist aktuell mit 3,75 Pfarrstellen versorgt, bis 2025 müsste ebenfalls auf drei abgesenkt werden. In Oldenburg bleibt es bei drei Pfarrstellen. Als Bezugsgröße wird die Zahl der Gemeindeglieder genommen. Nach Vorgabe der Nordkirche wird mit jeweils 2400 Gemeindegliedern pro Stelle gerechnet. Der Kirchenkreis Ostholstein würde mit dieser Zahl noch gut dastehen, in anderen Kreisen würde mit höheren Kennzahlen gearbeitet, berichtete Dirk Süssenbach.

Fehmarn hat 7126 Gemeindeglieder, Wagrien 7520, Oldenburg 7016. Auch in fast allen weiteren Regionen beider Propsteien ist eine Pfarrstellenreduktion unausweichlich, um die Vorgaben bis 2025 erfüllen zu können. Auf unter drei Pastorenstellen pro Region sollte aber nicht reduziert werden, lautete die Empfehlung der Pröpste.

Bei den gesamtkirchlichen Pfarrstellen wird ebenfalls der Rotstift angesetzt. Das Vertretungspfarramt reduziert sich um 0,75 auf 4,0 Stellen, bei der Krankenhausseelsorge ist ein Minus um 2,75 auf 4,25 Stellen angedacht. Allerdings wird erwogen, ein neues Konzept für die seelsorgerische Arbeit in den Krankenhäusern zu erarbeiten und Pfarrstellen möglicherweise in Mitarbeitenden-Stellen umzuwandeln.

In welcher Form und wie eng die Kooperation in den einzelnen Regionen erfolgt, darüber sollen die jeweiligen Kirchengemeinden selbst entscheiden. Der rechtlichen Struktur sind dabei kaum Grenzen gesetzt und reicht von einer einfachen Kooperation über die Bildung eines Pfarrsprengels, in dem es gemeinsame Pfarrstellen gibt, die Kirchengemeinden aber eigenständig bleiben, bis hin zu einer Fusion der in einer Region zusammengefassten Kirchengemeinden.

2020 wird es im Kirchenkreis Ostholstein 71,25 Pfarrstellen (VBE) geben, 2025 wären es dann nur noch 58,25, wenn der Pfarrstellen-Rahmenplan wie vorgesehen umgesetzt wird. In ihrer Dezember-Sitzung soll die Synode das vorgestellte Papier beschließen.

Zuvor gibt es bis zum Jahresende mehrere Informationsveranstaltungen und Mitwirkungsforen, um erste Ideen und Vorschläge für die Ausgestaltung des Strukturwandels zu erarbeiten. Ab 2020 starten dann Regionalprozesse und auf Kirchenkreisebene verschiedene Arbeitsgruppen, die tiefer in die Materie einsteigen. Im Sommer 2022 möchten die Pröpste das Projekt weitgehend umgesetzt sehen. Das sei zwei Jahre vor der im Kirchenkreis Ostholstein anstehenden Pensionierungswelle, denn 2024 würden auf einen Schlag acht oder neun Pastoren in den Ruhestand gehen, erinnert Dirk Süssenbach. Oberstes Ziel bleibt es, trotz aller möglichen Einschnitte, die Präsenz der Kirche in der Fläche zu erhalten.

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