Ausstellungseröffnung „Was heißt schon alt?“ und „Jung und Alt im Porträt“

Jung und Alt auf Augenhöhe

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Mit Oldtime-Jazz, Dixieland, Swing und Co. zog die Dr. Jazz Companie das Publikum in ihren Bann.

Fehmarn –Von Simone Walper– Was heißt schon alt? Dieser Frage widmet sich die am Dienstagnachmittag eröffnete gleichnamige Wanderausstellung des Bundesfamilienministeriums, die bis zum 17. Oktober im Senator-Thomsen-Haus täglich, außer montags, von 15 bis 18 Uhr zu sehen ist. Zeitgleich präsentiert der Fotograf Michael Kirchner in seiner Ausstellung „Jung und Alt im Porträt“ eine Reihe großformatiger, eindrucksvoller Bilder, sowohl in Farbe als auch in Schwarz-Weiß, die junge und alte Menschen einträchtig im Umgang miteinander zeigen.

Der Einladung zur Ausstellungseröffnung waren viele ältere Menschen, aber auch so einige jüngere gefolgt. Und so freuten sich die Initiatoren der Aktion „Jung und Alt im Dialog“, zu der nicht nur die Ausstellungen, sondern auch ein umfangreiches Begleitprogramm mit Vorträgen, Musik und Gottesdiensten gehört, einen randvollen Saal begrüßen zu können.

Zunächst begrüßte Dirk Mittag, Leiter des Charleston Wohn- und Pflegezentrums, die Besucher und ging in seiner kurzen Ansprache auf die Leidenschaft ein: „Leidenschaft wird niemals alt. Leidenschaft ist keine Frage des Alters, sondern eine Frage von Willen und Mut, seine Wünsche und Träume wahr werden zu lassen.“ Das funktioniere auch im Alter und trotz Einschränkungen, klärte er auf und ergänzte, dass die Ausstellung ein neues und differenziertes Bild auf das Altern in unserer Gesellschaft werfe und Jung und Alt dazu einlade, über ihre Vorstellungen vom Alter nachzudenken und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Im Anschluss berichtete Anna Krüper, Leiterin des Alten- und Pflegeheims Tabea, über den Werdegang des gemeinsamen Projekts. So hätten nicht nur gemeinsame Veranstaltungen mit dem Charleston stattgefunden, sondern auch die Kinder des Kinderspielkreises „Wirbelwind“ seien zu einem festen Bestandteil des Alltags für die Bewohner des Tabea geworden.

„Es macht Sinn, die Frage ,Was heißt schon alt?‘ aus verschiedenen Perspektiven zu sehen“, ließ sie wissen und ergänzte: „Eins steht fest, die Seele altert nicht. Das wissen wir alle. Was sich verändert, ist unsere Reife und unsere Persönlichkeit und die Sichtweise auf die Veränderungen, die im fortschreitenden Alter passieren und sehr komplex sind. Ich hoffe, dass auch unsere Sichtweise aufs Alter komplexer wird.“

Heike Petersen, Leiterin des DRK-Kindergartens, berichtete im Rahmen der Ausstellungseröffnung von dem mittlerweile 20 Jahre alten Projekt, dass die Kindergartenkinder jeden Freitag die Bewohner des Charleston besuchen und so ein herzlicher Kontakt entstanden sei. „Man kennt sich und hat Spaß zusammen“, erklärte sie und fuhr fort, dass diese Begegnungen auch für die Kinder sehr schön seien, weil viele keine Großeltern in der Nähe hätten und durch die Besuche eine Vertrautheit miteinander und ein Verständnis füreinander entstünden.

Der Erste Stadtrat Heinz Jürgen Fendt (SPD) begrüßte die Besucher und die Organisatoren im Namen des Bürgermeisters und der Bürgervorsteherin. Er blickte zurück auf die vorletzte FT-Sportgala: „Das war eines meiner schönsten Erlebnisse der vergangenen Jahre, als Bewohner des Tabea einen Tanz aufgeführt haben.“ Fendt erläuterte, dass das Motto „Jung und Alt im Dialog“ Fragen aufwerfe: „Was erwarten die Jungen von den Alten? Wie können wir die Solidarität von Jung und Alt neu erfinden?“ Wenn wir über das Miteinander der Generationen sprächen, dann ginge es oft darum, was wir als Gesellschaft den Älteren schuldeten. Zu selten werde darüber gesprochen, was eigentlich die Älteren der jungen Generation schulden. „Um das Land enkeltauglich zu machen, brauchen die Jungen einen mächtigen Bündnispartner, die Älteren, die heute am Hebel der Entscheidungen sitzen“, sagte Fendt und ergänzte, dass man sich fragen solle, was anders und besser werden müsse im Umgang miteinander. Die Diskussion um die Generationen müsse auch die Politik auf Fehmarn aufgreifen. Schließlich seien im kommenden Jahr 50 Prozent der Einwohner Fehmarns 60 Jahre alt und älter. Die Fragen seien dann: „Sind wir eine lebenswerte Stadt im Zusammenspiel zwischen Jung und Alt? Wo müssen wir füreinander Verantwortung übernehmen?“

Über die Wichtigkeit des Dialogs zwischen Jung und Alt sind sich alle Beteiligten einig. Initiiert wurde das Projekt von der Kirchengemeinde St. Nikolai, die bereits im vergangenen Jahr mit den Konfirmanden in Zusammenarbeit mit dem Charleston eine Ausstellung ins Leben gerufen hatte.

Pastorin Bettina Axt liegt dieses Thema sehr am Herzen und so hat sie sich gemeinsam mit Charleston und Tabea, dem „Wirbelwind“ und dem DRK-Kindergarten auf den Weg gemacht, um dieses in unserer Gesellschaft existenzielle Thema in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken und so auch Möglichkeiten eines generationenübergreifenden, verständnisvollen Miteinanders aufzuzeigen.

Mit der Wanderausstellung „Was heißt schon alt?“ setzt sich das Bundesfamilienministerium dafür ein, ein neues und differenziertes Bild vom Alter in unserer Gesellschaft zu verankern. Die Wanderausstellung ist das Resultat eines Foto- und Videowettbewerbs, bei dem mehr als 1600 Beiträge von Menschen aller Altersstufen eingereicht wurden. Die zum Teil anrührenden und sehr beeindruckenden Fotos zeigen, wie vielfältig das Leben älterer Menschen tatsächlich ist und wie unterschiedlich es von außen wahrgenommen wird. Da ist zum Beispiel die ältere Frau mit ihrem Gehwagen wie sie sich das schicke Fiat Cabrio anschaut oder das kleine Mädchen, das mit seiner Oma, beide mit zerzausten Haaren, Grimassen schneidet.

Um das Ganze auf eine Fehmarn-Ebene zu heben, hat Michael Kirchner für seine Ausstellung „Jung und Alt im Porträt“ hauptsächlich ältere Fehmaraner gemeinsam mit jungen Menschen porträtiert. Da ist zum Beispiel die 90-jährige Karen Prange aus Presen, die den Kochlöffel bei „Kartoffelbrei für drei“ gemeinsam mit Urlauberkindern schwingt. Noch heute kocht die Frau, die einst die Ferienvermietung auf dem Bauernhof salonfähig machte, hausgemacht und frisch.

Neben den Bildern aus ganz verschiedenen Lebenssituationen steht im Senator-Thomson-Haus auch ein Terminal mit Informationen zum Wettbewerb hinter der Ausstellung, mit Interviews, Fotos, Videos und einem Quiz zur Verfügung. Gefragt wird unter anderem, von wem das Zitat stamme „Ich bin stolz auf meine Falten. Sie sind das Leben in meinem Gesicht.“

Die Ausstellungseröffnung wurde musikalisch ganz wunderbar von der Dr. Jazz Companie aus Lübeck begleitet, die den jungen und alten Besuchern mit ihrem Oldtime-Jazz bis in den frühen Abend hinein sehr viel Vergnügen bereitete.

Der nächste Termin im Rahmen von „Jung und Alt im Dialog“ findet am morgigen Sonnabend statt. Dann tritt um 16 Uhr das Duo „PianLola“ im Senator-Thomsen-Haus auf mit neu interpretierten Berliner Chansons und argentinischer Tangomusik der 20er- bis 60er-Jahre. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen und den Ausstellungen ist frei.

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