Hauptausschuss: Politik will vorbereitet sein, wenn die Touristen kommen

Jungfräulichkeit ade

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Viel Platz für viele Ideen: Der Hauptausschuss bemühte sich am Dienstagabend um die Erarbeitung erster Maßnahmen für eine symbiotische Beziehung zwischen Tourismus und Einheimischen in Zeiten der Corona-Pandemie.

Fehmarn –mb– „Schön, wieder live Gesichter zu sehen“, sagte der Vorsitzende des Hauptausschusses, Lars Hviid (FWV), zur Eröffnung der ersten Sitzung in diesem Jahr in die Runde. Zur Aufgabe hatte sich der Ausschuss gemacht, Ideen zu sammeln, wie Fehmarn bestmöglich mit den zu erwartenden Touristen umgehen kann.

Epidemiologisch ist das zu bedauern, aber auf der anderen Seite müssen wir hier wieder Leben reinbringen“, fasste Hviid den Spagat zwischen Gesundheit und Wirtschaft zusammen. „Salopp gesagt, wird die Insel geflutet“, so Hviid. Funktionieren werde es in Zukunft nur, führte Heinz Jürgen Fendt (SPD) aus, „wenn die Menschen sich an die vorgegebenen Regeln halten“. Für wichtig erachteten Marianne Unger (SPD) und Hans-Peter Thomsen (WUW), alle daran zu erinnern, dass die Lage auch weiterhin ernst sei. Entsprechende Informationen sollen für Gäste jederzeit zugänglich und sichtbar gemacht werden, hieß es im Senator-Thomsen-Haus unisono. Zudem werde man für den Sommer überlegen, die Burger Innenstadt für den Autoverkehr zu sperren, um die Abstandsregeln für den Publikumsverkehr einhalten zu können. Andreas Hansen (FWV) diesbezüglich, unter zustimmendem Kopfnicken des Ausschusses: Geschäfte dürften nicht mit ihren Warenauslagen die Gehwege künstlich beschneiden. Fendt schlug vor, zu prüfen, ob Ärzte in der Praxis Corona-Tests durchführen könnten. Weitere Ideen wolle man in den Fraktionen sammeln und in der nächsten Wochen mit der Verwaltung auf Machbarkeit abklopfen.

Als größte Herausforderung kristallisierte sich in der Diskussion die Kontrolle der Vorgaben vom Land heraus. Mit den Lockerungen hatte sich seit Montag auch der Kreis der nach Fehmarn Einreiseberechtigten vergrößert. Bis zur Aufgabe der Kontrollstelle vor Fehmarn habe die Verwaltung die Züge, Ladenlokale und Abstandsregeln kontrolliert, so Bürgermeister Jörg Weber, denn „wir wussten, alles andere wird vor Fehmarn ausgesiebt“.

Sportbootbesitzer dürfen nun doch kommen

Weber und Günther Schröder, Chef der Allgemeinen Verwaltung, berichteten auch von ihrer alltäglichen Arbeit im Rathaus. So nannte der Bürgermeister die Landesverordnung vom 1. Mai und explizit das Thema Sportboothäfen. Deren Nutzung sei unter Auflagen nun wieder möglich, aber das Inselbetretungsverbot gelte weiterhin. „Über 100 E-Mails und rund 300 Anrufe haben wir bekommen.“ Beim Tourismus-Service habe sich Ähnliches abgespielt. Wie schnell in Corona-Zeiten Informationen veraltet sind, verdeutlichte der Bürgermeister direkt im Ausschuss. Per E-Mail aus Kiel gebe es den Hinweis, dass Sportbootbesitzer ab Sonnabend den Campern gleichgestellt werden. Schröder sprach beispielsweise mit Blick auf die Verordnung von machbaren Kontrollen von Zweitwohnungsbesitzern und Dauercampern, aber eben auch von Lebensgefährten, Lebenspartnern, Verwandten in gerader Linie oder Schwester/Bruder. „Wie ist das kontrollierbar?“

Virologin Isabel Henkel aus Hamburg, die auf Fehmarn wohnhaft ist und im Publikum saß, betonte die Notwendigkeit, in erster Instanz die Bevölkerung zu schützen. „Die Insel ist jungfräulich“ und werde jetzt zunehmend einem Risiko ausgesetzt.

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