Gemeinsame Presseerklärung von FWV und SPD zum Fernhaltepunkt Bahn

„Juristisch aussichtslos“

+
Bekanntlich gibt es in der Stadtvertretung Streit über einen Fernhaltepunkt auf Fehmarn. Hier verlässt ein ICE die Fähre in Puttgarden.

FEHMARN –nic- In jüngster Stadtvertretung für ihren Geschmack in der Diskussion zu knapp gekommen, bessern SPD und Freie Wähler jetzt in einer gemeinsamen Pressemitteilung noch einmal nach, was die Begründung ihres seinerzeit eingereichten Antrags anbelangt. Der hatte bekanntlich zum Inhalt, die Forderung nach einem Fernhaltepunkt auf Fehmarn aus dem Forderungskatalog zum Bau der Festen Fehmarnbeltquerung zu streichen und stattdessen einen ICE-Halt „Wagrien“ im Bereich Heiligenhafen-Großenbrode zu unterstützen.

Bekanntlich war der SPD/FWV-Antrag mit elf zu zehn Stimmen denkbar knapp verabschiedet worden. Derzeit lässt die WUW-Fraktion den Sachverhalt auf mögliche Befangenheit prüfen. Ihrer Ansicht nach hätte ein FWV-Stadtvertreter nicht mit abstimmen dürfen.

Keinen Bedarf für einen Fernhaltepunkt auf Fehmarn sehe das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur nach dem Bundesverkehrswegeplan (BVWP).

Deshalb werde es keine Bestellung eines zusätzlichen Bahnhofs auf Fehmarn geben und auch keine Aufnahme der Forderung im Planfeststellungsverfahren, heißt es in den Ausführungen der Sozialdemokraten und der Freien Wähler. Dieses im anstehenden Planfeststellungsverfahren Schiene zu fordern, wäre daher „juristisch aussichtslos“, sind sich die Verfasser der Pressemitteilung einig.

„Der Kreis Ostholstein und das Land Schleswig-Holstein haben in ihrer Antwort zum Forderungskatalog der Stadt Fehmarn diesbezüglich auch keine Unterstützung zugesagt. Minister Dr. Bernd Buchholz hat in einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Landtags am 19. Dezember diese Ablehnung ausdrücklich bestätigt.“

Die DB Fernverkehr AG, ein eigenwirtschaftlicher Betrieb, werde nur gefragt, ob sie an einem solchen – vom Bund beauftragten – Fernhalt halten wolle und welche Bahnsteiglängen dafür nötig seien. Circa 1000 Ein- und Ausstiege beziehungsweise besondere Verhältnisse seien pro Tag notwendig, um einen ICE-Halt zu rechtfertigen, fordere die DB AG. Die Bahn prüfe dies regelmäßig nach. Bei Nichterreichung der Fahrgastzahlen werde der Halt aus wirtschaftlichen Gründen wieder aus dem Fahrplan gestrichen.

Auch die dänische Staatsbahn habe kein Interesse an einem ICE-Halt auf Fehmarn, fahren SPD und Freie Wähler in ihrer Pressemitteilung fort.

„Die Stadt Fehmarn hätte bei einem zusätzlichen Halt am Ferngleis an der Amalienhofer Brücke sämtliche Kosten für Infrastrukturmaßnahmen – Grundstückskosten, die Erschließung für Straße und gegebenenfalls Radweg, die Einrichtung beziehungsweise der Bau und die Instandhaltung eines Park & Ride, Winterdienst gegebenenfalls die zusätzliche Ausstattung wie Toiletten, Fahrstuhl et cetera sowie die ÖPNV-Anbindung – zu tragen. Bei einer Grobschätzung wird von circa 2500000 Euro ausgegangen“, machen SPD und Freie Wähler in ihrer Mitteilung die Rechnung auf.

Der dann zweite Bahnhof am Steinkamp wäre auf Dauer wirtschaftlich nicht zu halten. Der Bestand wäre in Gefahr, heißt es in der Mitteilung weiter.

„Aus den genannten Gründen resultiert unsere Forderung, einen ICE-Haltepunkt (SPFV-Halt ,Wagrien‘) in erreichbarer Nähe mit entsprechender Infra- struktur an der neu zu errichtenden Bahnstation Heiligenhafen-Großenbrode einzurichten und zu unterstützen. Diese Bahnstation wird neu gebaut. Die Nord-Region Ostholsteins wäre vielleicht in der Lage, die Forderung nach entsprechenden Ein- und Ausstiegen zu erfüllen. Ohne die Zusammenlegung wird dies nicht möglich sein. Dieser Haltepunkt wäre über die K42 gut erreichbar“, begründen Sozialdemokraten und Freie Wähler in ihrer Pressemitteilung.

„Der Bahnhof in Stadtnähe am Steinkamp ist ein Erfolgskonzept. Wir wollen dieses Konzept stärken und ausbauen.“ Der Bahnhof Fehmarn-Burg soll zweigleisig ausgebaut werden. Beim Land Schleswig-Holstein soll eingefordert werden, dass der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) für die Insel Fehmarn neu strukturiert und verbessert wird, um die Fahrplanverschlechterungen durch die gegenwärtige Planung der Festen Fehmarn-Beltquerung auszugleichen, heißt es.

„Dies ist möglich durch einen Stundentakt bei Schienenpersonennahverkehrsverbindungen von Lübeck nach Fehmarn und der Weiterfahrt im Takt nach Dänemark, der Durchbindung der Züge von Hamburg bis Fehmarn im Zweistundentakt durch schnelle Regionalexpresszüge, der Fahrplantaktung vom nächstgelegenen ICE-Halt auf deutscher Seite. Es darf keine Fahrplanausdünnung in den Randzeiten geben“, geht aus der Pressemitteilung weiter hervor. Das neue Nahverkehrskonzept nach Fertigstellung der FBQ-Schienenanbindung bringe erhebliche Reisezeitverbesserungen, sehen es die Verfasser der Mitteilung. „Die Reisezeit von Fehmarn nach Lübeck verkürzt sich auf 49 Minuten, der kostengünstigere Nahverkehr benötigt von Oldenburg nach Lübeck nur vier Minuten länger als ein ICE.“

Die Vorteile liegen für SPD und FWV klar auf der Hand. Fehmaraner, Pendler, Schüler und Touristen hätten vielfältige Möglichkeiten, zentrumsnah stündlich in beide Richtungen zu reisen.

„Diese Forderungen bedeuten kein Einknicken gegenüber Bund und Land, sondern sind die Ergebnisse gründlicher Recherche, Verhandlungen und Gespräche der FWV und der SPD. Es soll das Beste für die Bürgerinnen und Bürger Fehmarns erreicht werden“, heißt es abschließend.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.