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Kap Hoorn: Segler Lars Carstensen lässt die Fehmarn-Flagge im Wind wehen

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Von: Lars Braesch

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Fehmarn Kap Hoorn Lars Carstensen Fehmarn-Flagge
Am 3. April erreichte der Fehmaraner Lars Carstensen mit dem norwegischen Segelschulschiff Kap Hoorn. Vor dem „Mount Everest der Segler“ hisste der Insulaner die Fehmarn-Flagge. © Privat

Zum Kap Hoorn möchte jeder Segler irgendwann einmal reisen. Der Fehmaraner Lars Carstensen hat sich am 3. April einen Lebenstraum erfüllt. Dem FT berichtete der 59-Jährige von seiner spannenden Reise.

Fehmarn – Das Kap Hoorn ist das große Ziel eines jeden Seglers. In der ersten Aprilwoche erfüllte sich der Fehmaraner Lars Carstensen an Bord des norwegischen Segelschulschiffes „Statsraad Lehmkuhl“ einen Lebenstraum. Mit 110 Mann Besatzung ging es von Ushuaia (Argentinien, südlichste Stadt der Welt) durch den Beagle-Kanal zum „Mount Everest der Segler“. Dort angekommen, durfte die Fehmarn-Flagge natürlich nicht fehlen. Nach seiner Rückkehr berichtete der 59-Jährige dem FT von seiner spannenden Reise. 

Mit dem Flugzeug ging es von Hamburg aus via Frankfurt nach Buenos Aires. „Von dort aus sind es noch einmal rund 3000 Kilometer bis Ushuaia“, erklärte Carstensen. Viele Kreuzfahrten in die Antarktis würden von dort aus starten. Wegen der Coronapandemie hatte der Insulaner einen ersten Versuch, zum Kap Hoorn zu reisen, noch canceln müssen. Vor rund einem Jahr hatte er dann gelesen, dass auf der „Statsraad Lehmkuhl“ Plätze als Trainee frei waren. „Da habe ich sofort gebucht und meine Chance genutzt“, blickte Carstensen zurück. 

Segelschulschiff wurde 1914 in Geestemünde gebaut

Das norwegische Segelschiff wurde 1914 in Geestemünde als Segelschulschiff „Großherzog Friedrich August“ für den „Deutschen Schulschiff-Verein“ (gegründet 1900) gebaut. Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Bark 1919 als Reparationszahlung nach England, ehe es 1923 vom norwegischen Reederverband gekauft wurde. Heimathafen ist Bergen. 

„Die Norweger bilden auf dem Schiff junge Leute aus, und auch die norwegische Marine chartert die Bark, um Kadetten auszubilden“, berichtete Lars Carstensen.  Das Segelschulschiff befindet sich zurzeit auf Weltumsegelung. 

„Ebenfalls sind Wissenschaftler an Bord, die permanent Daten wie Salzgehalt und Mikroplastik messen. Es soll auf die Bedeutung der Ozeane hingewiesen werden. Dabei geht es nachhaltig um die Welt“, so Carstensen. Auch der norwegische DJ Kygo war mit an Bord. Bis März 2023 wird die „Statsraad Lehmkuhl“ in insgesamt 36 Häfen einlaufen. Von Puerto Rico soll es am 16. März 2023 zurück nach Bergen gehen. Im Heimathafen wird das Segelschulschiff am 15. April 2023 zurückerwartet. Interessierte können die Route online auf oneoceanexpedition.com mitverfolgen.

Es ist keine Kreuzfahrt, wo man an Deck steht und Drinks mit Schirmchen trinkt

Segler Lars Carstensen

Dann ging es endlich los. „Es ist keine Kreuzfahrt, wo man an Deck steht und Drinks mit Schirmchen trinkt. An Bord gibt es keine elektronischen Winden. So werden mindestens 25 Mann Besatzung benötigt, um ein Segel zu setzen“, schilderte Lars Carstensen seine Eindrücke. Von Ushuaia aus ging es durch den Beagle-Kanal in westliche Richtung. Es sei sehr kalt gewesen, da Eis in den Kanal getrieben worden war. Mit gerade einmal zwei Knoten (3,7 Stundenkilometer) ging es in Richtung Pazifik, damit das Segelschulschiff nicht etwa mit einem Eisblock kollidierte. Als die Besatzung das freie Wasser erreichte, gab es viel Wind. „Wir hatten lang gezogene Wellen von sechs Metern Höhe. Das ist richtiges Hochseesegeln bei sieben bis acht Windstärken, in Böen auch mal zehn oder elf“, erläuterte Lars Carstensen.

Fehmarn Lars Carstensen Rudergänger
An Bord bekommt jedes Besatzungsmitglied Aufgaben. Hier ist Lars Carstensen als Rudergänger im Einsatz. © Privat

Die Besatzung ist in drei Wachen aufgeteilt. Carstensen wurde der blauen Wache zugeteilt, die von 8 bis 12 Uhr und von 20 bis 0 Uhr aufziehen musste. Jedes Besatzungsmitglied bekommt bestimmte Aufgaben (Ausguck, Rudergänger). Auch am Ruder durfte Lars Carstensen stehen.

Das Leben an Bord sei „sehr rustikal“ gewesen

Das Leben an Bord sei „sehr rustikal“ gewesen. So gibt es keine Kabinen, sondern die Besatzung schläft auf einem großen Deck in Hängematten. Auch herrschte ständig Betrieb an Bord. „Eine Wache zieht auf, eine Wache zieht ab“, beschrieb Carstensen das ständige Treiben.  

Die Besatzung erreichte am 3. April das Kap Hoorn, dort, wo schon sehr viele Schiffe versunken sind. „Ich wollte einmal dort sein, wo sich viele Segellegenden abgespielt haben. Ein Sehnsuchtsort, da musste man mal hin“, freute sich der Fehmaraner, als er Kap Hoorn vor sich hatte. Alle an Bord seien sehr ergriffen und zutiefst beeindruckt gewesen. Auch der Kapitän umsegelte erstmalig das Kap Hoorn. „Jeder Segler spricht mit Respekt vom Kap“, erklärte Carstensen, der das Segeln im Alter von neun Jahren bei der Burger Segler Vereinigung erlernte.

Schätzungen zufolge sind über 800 Schiffe mit mehr als 10000 Seeleuten vor Kap Hoorn gesunken. Carstensen und die „Statsraad Lehmkuhl“ blieben vom Schiffbruch verschont. 

Fehmarn Lars Carstensen Feuerland
Bei der Rückkehr nach Ushuaia hatte Lars Carstensen im Beagle-Kanal einen traumhaften Blick auf die schneebedeckten Gipfel von Feuerland. © Privat

Über den Atlantik und den Beagle-Kanal wurde zurück nach Ushuaia gesegelt. „Dort hat es in den Bergen mächtig geschneit. So hatten wir einen traumhaften Blick auf die schneebedeckten Gipfel von Feuerland“, schwärmte Lars Carstensen am Ende seines einwöchigen Segeltörns am anderen Ende der Welt.

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