Corona macht Mini-Sabbatical von Pastor Kark-Carlson einen Strich durch die Rechnung

Kein Ausstieg auf Zeit

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Aus dem Mini-Sabbatical wird nichts. Corona grätscht in viele Bereiche des Alltags unschön hinein. Die Deutschland-Tour mit dem Motorrad findet nicht statt. Pastor Bertolt Kark-Carlson hofft, die Fahrt 2021 unternehmen zu können.

Fehmarn – Von Nicole Rochell Es hätte eine besondere Auszeit werden sollen. Ein dreimonatiger Ausstieg auf Zeit, der ihn zu einigen Stätten seiner Kinder- und Jugendzeit geführt hätte. Eine Fahrt quer durch Deutschland. Auf seinem Motorrad. Das Gefühl von Freiheit und beruflicher Ungebundenheit als Beifahrer. Doch nichts ist mit der Freistellung auf Zeit.

Corona macht dem Mini-Sabbatical von Pastor Bertolt Kark-Carlson einen Strich durch die Rechnung. Dabei war alles schon eingestielt. Propst und Kirchenleitung hatten grünes Licht gegeben. Der Landkirchener Gottesmann hatte die grobe Route ausgearbeitet, das Gepäcksystem war bereits an seine 750er Honda montiert.„Ich hätte Stätten aufgesucht, wo ich noch nie gewesen bin oder schon lange nicht mehr war“, ist Pastor Bertolt Kark-Carlson enttäuscht, dass der Ausstieg aus dem Alltag nun nicht stattfinden wird.

Die Pause hätte er nicht zuletzt dafür nutzen wollen, sich darüber Gedanken zu machen, wie er seine letzten Amtsjahre gestalten möchte. Die arbeitsfreie Zeit hätte der Regeneration gedient und der schöpferischen Ermüdung vorbeugen sollen, die sich unweigerlich einstellt, nach vielen Jahren im Amt ohne größere Auszeiten: Seit Anfang Oktober 1999 ist Bertolt Kark-Carlson als Pastor in Landkirchen tätig. Nicht zuletzt hätte die Zeit ohne Arbeit einen nicht unerheblichen Anteil zum körperlichen Wohlbefinden leisten sollen. Denn die Fahrt war gekoppelt mit Anwendungen, die zur Verbesserung seiner Hals- Nacken-Schmerzen, die ihn bereits seit Längerem plagen, beitragen sollten. Vor eineinhalb Jahren, Pastor Bertolt Kark-Carlson war 60 Jahre alt, hatte er sich das Motorrad gekauft: 24 Jahre alt, der „Hobel“, aber wie neu, sehr gut in Schuss. Schon reiseklar gemacht, die Seitenkoffer bereits montiert, hätte es in diesem Monat losgehen sollen.

Erstes Ziel: Ueckermünde. Im Ferienhäuschen in Mecklenburg-Vorpommern wollte Kark-Carlson die Reise detaillierter planen. Die hätte ihn nach einer Zwischenstation in Bad Doberan, wo er Verwandte besucht hätte, über Pfingsten nach Hamburg geführt, wo seine Tochter mit ihrer Familie lebt – der Besuch guter Freunde inklusive.

Weiter wäre es in den Harz gegangen, in die Nähe von Goslar. Im Sole-Heilbad Bad Harzburg, zweitgrößte Stadt im Landkreis Goslar am Nordrand des Harzes, hatte Kark-Carlson bereits

Unterkunft und Anwendungen gebucht. Der Besuch der Therme sowie Behandlungen standen bereits auf der Vorhaben-Liste des 62-Jährigen. In Bad Harzburgsei er als Vierjähriger in einem Kinderlandheim gewesen, fiel Kark-Carlson ein, als er über seine nun gecancelten Reisevorbereitungen sprach.

Über Marburg, wo er seinerzeit den zweiten Teil seines Studiums absolvierte, wäre es weiter nach Boppard an den Rhein gegangen. Trier, Worms, Koblenz und die Loreleystadt Sankt Goarshausen, wo noch einmal der Besuch der Therme und Anwendungen auf dem Programm gestanden hätten, wären unter anderem weitere Stationen seiner Deutschland-Tour gewesen. Seine Frau Kathrin Kark, mit dem Auto nachgekommen, wäre in Boppard dazugestoßen und bis zum Schluss der Reise geblieben.

Mit Distanz über den eigenen Tellerrand blicken

„Ich habe mir Abstand erhofft, ein wenig Zeit, um auf mein Leben zu schauen“, so Pastor Kark-Carlson, der sich nicht nur über die gesundheitsstabilisierenden

Maßnahmen,sondern auch darüber gefreut hätte, mit genügend Distanz über den eigenen Tellerrand zu blicken und mit neuen Ideen, Einblicken und Kreativität den Alltag danach wieder erholter aufzunehmen. „Es wäre eine Reise gewesen fürKörper, Geist und Seele“, so Landkirchens Pastor. „Da hätte ich viel von gehabt.“

Ob die Tour noch einmal nachgeholt werden kann, steht in den Sternen.

Auch Pastor Dr. Ronald Mundhenk, der 28 Jahre Seelsorger der Ameos-Einrichtungen Heiligenhafen war, hatte sich schon gefreut. Er hätte Pastor Bertolt Kark-Carlson in der Zeit seines Mini-Sabbaticals vertreten und hatte sich bereits vorbereitet. Im Oktober habe sich der Pastor im Ruhestand die Gemeinde schon einmal angeschaut, ließ Bertolt Kark-Carlson wissen, der die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, das Sabbatical vielleicht im nächsten Jahr nachholen zu können.

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