Timmendorfs Bürgermeister Volker Popp (l.) hat einen gewaltigen Plan: Er will für seine Gemeinde eine Lösung erstreiten, die 180 Millionen Euro teurer wird.  Foto: Heiko Witt

Bahn legt Kosten auf den Tisch: Trasse östlich der Autobahn würde 180 Millionen Euro mehr kosten

Keine Alternativen für Nordkreis

FEHMARN  (wi)  • Seit Donnerstagabend liegen Zahlen auf dem Tisch: Die Bahn-Anbindung für die Beltquerung würde 900 Millionen Euro kosten (bislang 840 Millionen). Die Alternativtrasse östlich der Autobahn würde 20 Prozent mehr kosten, also 1,08 Milliarden Euro. Westlich der Autobahn kämen 25 Prozent drauf, das wären dann 1,125 Milliarden.

Vor allem Timmendorfs Bürgermeister Volker Popp favorisierte die östliche Variante und erklärte, dass diese Lösung nur im ersten Moment teurer wäre. Seine Gemeinde werde den Nachweis erbringen, dass ihr erhebliche Umsätze verloren gehen würden. Bei nur zehn Prozent Gästerückgang durch ratternde Güterzüge in den Ortschaften wäre der Schaden schnell höher als 180 Millionen. Die westliche Variante fand übrigens keinen Zuspruch, soll auch ökologisch bedenklich sein.

Im Kreishaus war mächtig was los. Zu dem Behördengespräch mit der Deutschen Bahn AG kamen am Donnerstag mehr 100 Interessenvertreter aus dem Kreis Ostholstein. Sowohl Bürgermeister aus den Städten und Gemeinden entlang der Bahnstrecke Puttgarden – Bad Schwartau sowie Verwaltungsmitarbeiter und Politiker von Landes-, Kreis- und Gemeinde-ebene waren der Einladung des Kreises gefolgt. Die Vertreter der Deutschen Bahn (DB) Projektbau GmbH präsentierten den aktuellen Stand der Planungen zur Schienenhinterlandanbindung für die Feste Fehmarnbeltquerung. Zugleich stellten sie sich den zahlreichen, zum Teil auch kritischen Fragen aus den Reihen der Teilnehmer – jedoch nicht der Presse.

Schnell wurde klar: Mit der Vorentwurfsplanung sind die Gemeinden nicht einverstanden. Im Nordkreis sind gar keine Varianten vorgesehen, im Südkreis nur einige bereits bekannte Umfahrungen.

Landrat Reinhard Sager zog in dem nachfolgenden Pressegespräch Bilanz: „Es ist ein positives Signal der Bahn, dass sie bereits zum zweiten Mal in der Phase der Vorentwurfsplanung das Gespräch mit der Region und den Austausch mit den regionalen Akteuren sucht.“

Zu den vorgestellten Varianten für das südliche Kreisgebiet erklärte Sager weiter, dass die bereits bekannten verschiedenen Trassenführungen nun erstmals aus Sicht der DB erläutert und mit den Bürgermeistern diskutiert worden seien. Er machte hierzu jedoch auch deutlich, dass man von einer Streckenführung, die die berechtigten Interessen der Region angemessen berücksichtige, immer noch weit entfernt sei. Sager: „Ich bedauere es sehr, dass für den Nordkreis nach wie vor keine Trassenvarianten von der DB untersucht werden.“ Er kündigte an, dass sich der Kreis gemeinsam mit dem Land und den betroffenen Kommunen in Berlin erneut mit Nachdruck für diese Untersuchungen einsetzen werde. „Auch im Nordkreis ab Beschendorf führt die Bahnstrecke durch Siedlungsbereiche und Bädergemeinden wie zum Beispiel Großenbrode. Wie im Südkreis müssen daher auch hier Alternativen für die Streckenführung geprüft werden“, so der ostholsteinische Verwaltungschef. Eine Unterstützung für dieses Anliegen habe auch der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, in dem Gespräch in Berlin im Dezember 2009 zugesagt.

Weitere wichtige Themen der Gesprächsrunde mit der DB waren Fragen des Lärmschutzes und die Möglichkeiten zur Beseitigung höhengleicher Bahnübergänge entlang der Trasse. Die DB machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass sie beim Ausbau von Bahnübergängen an die Vorgaben des Eisenbahnkreuzungsgesetzes gebunden sei. Der finanzielle Anteil der Kommunen könne also gegebenenfalls nur durch Verhandlungen mit dem Land und dem Bund über Ausgleichszahlungen oder Fördermittel für Kreis und Gemeinden reduziert werden. Im Hinblick auf die weitere Zeitplanung machte die DB deutlich, dass sie nach wie vor plane, bereits Ende des ersten Quartals 2010 dem Bundesverkehrsministerium eine Vorzugsvariante vorzulegen, die als Grundlage für die weitere Entwurfsplanung dienen solle. Man habe aber großes Interesse an der vom Kreis und den Gemeinden geplanten „Betroffenheitsanalyse“, deren Ergebnisse man in den weiteren Planungsprozess der Bahn einbeziehen werde. Außerdem soll ein Raumordnungverfahren eingeleitet werden.

ft-online/lokales vom 22. Januar 2010

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