Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers positioniert sich beim runden Tisch gegen Kinderarmut

Pro Kindergrundsicherung

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Peter Wendt (l.), Präses der Kirchenkreissynode, und Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, beim runden Tisch gegen Kinderarmut.

Eutin –mf– Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, hat eine regelmäßige Debatte „über das Menschenbild und die Haltung“ beim Umgang mit Empfängern staatlicher Leistungen angemahnt.

Die Vorstellung, dass Menschen alleine auf Belohnung, Sanktionen oder Sanktionsdrohungen reagieren würden, sei bei Mitarbeitern in vielen Ämtern verbreitet und stelle ein Hemmnis bei der Prävention von Kinderarmut dar, sagte Hilgers bei einer Veranstaltung des Kirchenkreises Ostholstein zum Thema Kindergrundsicherung. Er forderte eine „Haltung der Wertschätzung und Hilfsbereitschaft“ im Umgang mit den Betroffenen.

Auf kommunaler Ebene bedürfe es außerdem einer guten Vernetzung aller Fachkräfte, die im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe tätig seien. Es sei wichtig, Familien und Alleinerziehende möglichst früh zu unterstützen und aktiv auf sie zuzugehen, weil späte Hilfen weniger Erfolg hätten. „Wir können uns das auch ökonomisch nicht leisten, so viele Kinder zu Leistungsempfängern zu erziehen, anstatt zu Leistungsträgern“, sagte Hilgers vor den Teilnehmern des zweiten runden Tisches gegen Kinderarmut, an dem im „Haus der Begegnung“ in Eutin Entscheider und Fachleute aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe und der Verwaltung teilnahmen.

Darunter waren etwa die Kreistagsabgeordneten Manfred Jaeger (SPD) und Gabriele Freitag-Ehler (SPD) sowie Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein. Vertreten waren zudem der Kinderschutzbund, das Diakonische Werk Schleswig-Holstein und der Sozialdienst katholischer Frauen.

Als Sprecher einer von Wohlfahrtsverbänden und Gewerkschaften getragenen Initiative zur Einführung einer Kindergrundsicherung warb Hilgers für eine strukturelle Änderung der Förderung von Familien und Alleinerziehenden, wonach mehrere zu beantragende Einzelleistungen gebündelt und durch eine automatische Auszahlung ersetzt würden. Vor allem die verdeckte Armut derjenigen, die anspruchsberechtigt seien, aber keine Anträge stellten, werde dadurch gemindert, so Hilgers. Seinen Angaben zufolge sind etwa drei Millionen der rund 13 Millionen Kinder in Deutschland auf staatliche Transferleistungen an die Eltern angewiesen. Berücksichtige man noch Familien, die trotz Anspruchs keine Förderungen beantragten, so lebten etwa 4,4 Millionen Kinder in Armut und das, obwohl die Eltern von 2,8 Million Kindern einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

Die Einführung einer Kindergrundsicherung wird seit Längerem diskutiert. Mehrere der im Bundestag vertretenen Parteien zeigen sich aufgeschlossen, allerdings werden unterschiedliche Modelle diskutiert. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist die Kindergrundsicherung kein Thema.

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