Erweiterung im November fertig / Weitere Investitionen in Pflanzenbeetanlage und Stromerzeugung geplant

Klärwerk für die Zukunft gerüstet

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Stadtwerkeleiter Rainer Loosen und Ausschussvorsitzende Christiane Stodt-Kirchholtes.

FEHMARN -hö- Mittlerweile ist der Erweiterungsbau des Klärwerks Burgstaaken recht gut vorangekommen. Die umfangreichen Betonarbeiten für das rund zwei Millionen Euro teure Projekt sind fast abgeschlossen. Mit der Fertigstellung wird Mitte November gerechnet, acht Wochen später, als ursprünglich geplant, da erst im Mai mit dem Bau begonnen werden konnte. Das berichtete Sascha Deisinger, Technischer Leiter der Stadtwerke Fehmarn, in der Sitzung des Stadtwerke- und Hafenausschusses.

Wie notwendig die Klärwerkserweiterung für Fehmarn ist, untermauerte Stadtwerkeleiter Rainer Loosen mit Zahlen. Waren es in den 1990er-Jahren noch fünf zusammenhängende Monate, in denen das Klärwerk einen Auslastungsgrad von unter 50 Prozent besaß, sind es durch die Belebung der Nach- und Vorsaison mittlerweile nur noch zwei Monate: November und Februar oder März, je nachdem, wie die Karnevalstage und Ostern fallen. In der Hochsaison kommt das Klärwerk an seine Kapazitätsgrenze heran.

Betriebselektriker Wolf-Rüdiger Junge vor den neuen Klärbecken – noch eine Baustelle, doch im November soll die Erweiterung des Klärwerks abgeschlossen sein.

Werden aktuell pro Jahr 850000 m³ Schmutzwasser gereinigt, könne dank der Erweiterung „die Eine-Million-Grenze geknackt“ und bis zu 1,1 Millionen m³ behandelt werden, so Loosen. Mehr Schmutzwasser bedeutet aber auch einen Anstieg der Nassschlammmenge: 2014 waren es rund 6000 Tonnen, 2017 schon über 9000 Tonnen und im ersten Halbjahr 2018 fast 5000 Tonnen.

Seit 2013 wird dieser Nassschlamm in die aus drei Beeten bestehende Pflanzenbeetanlage gepumpt, wo es nach Angaben von Rainer Loosen zu einer sehr guten Mengenreduktion von 97,35 Prozent gekommen ist. Bis zur Inbetriebnahme der Pflanzenbeetanlage hatte die Klärschlammmenge nach mechanischer Behandlung nur um 80 Prozent reduziert werden können. Eine wesentliche Verbesserung also, da das Restsubstrat teuer in die Verbrennung gegeben werden muss. Mittlerweile würden fast 200 Euro pro Tonne verlangt, berichtet Loosen.

Da nun aber auch die Pflanzenbeetanlage aufgrund der zu behandelnden hohen Abwassermenge an ihre Kapazitätsgrenze angelangt ist, plädierte der Stadtwerkeleiter für den Neubau eines vierten Beetes. Die Fläche ist vorhanden. Entsprechende Haushaltsmittel sollen ab 2019 in den Wirtschaftsplan eingestellt werden. „Wir sind auf dem Weg zu 10000 Tonnen jährlich, mit der Pflanzenbeetanlage sparen wir richtiges Geld“, ist sich Loosen sicher. Das sah der Ausschuss ebenso, er stimmte einmütig zu.

Beeträumung nach zehn Jahren

Nach zehn Jahren Betrieb ist die erste Beeträumung für 2023 vorgesehen, im Abstand von jeweils zwei Jahren sollen die weiteren zwei Beete geräumt werden. Entsprechende Rücklagen für Beeträumungskosten würden schon heute gebildet, so Loosen.

Der Ausschuss gab bei einer Enthaltung ebenfalls grünes Licht für eine weitere Investition, die ebenfalls im Zusammenhang steht mit der gestiegenen Abwassermenge. So sollen in den Wirtschaftsplan 2019 rund 200000 Euro eingestellt werden für den Bau einer Windkraftanlage mit einer Nabenhöhe von 42 Metern und einer Leistung von 30 kW. Sie würde jährlich rund 100000 kW/h produzieren und 20000 Euro Stromkosten pro Jahr einsparen. Nach acht bis neun Jahren hätten sich die Investitionskosten wieder eingespielt, so Loosen, der die Lebensdauer der Anlage auf 20 bis 25 Jahre schätzt.

Im Klärwerk fallen jährlich beträchtliche Stromkosten an. So werden für die Reinigung von 850000 m³ Schmutzwasser 650000 kW/h im Jahr fällig. Bis zu 250000 kW/h werden mithilfe einer Mikrogasturbine sowie PV-Anlagen selbst produziert. Verbleiben rund 400000 kw/h Strom, die teuer eingekauft werden müssen und sich allein für das Jahr 2017 auf rund 100000 Euro beliefen.

Aus Sicht des Ausschusses ist die Errichtung einer Windmühle zur Stromerzeugung somit eine sinnvolle und nachhaltige Investition.

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