Ausbau der B207: OVG lässt Großenbrode und Fehmarn abblitzen

Klagen im Eiltempo abgewiesen

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Die Amalienhofer Brücke muss im Zuge der Erweiterung der B 207 durch einen Neubau ersetzt werden.

Fehmarn/Großenbrode –hö– Es ging schnell, für deutsche Gerichte rasend schnell. Der 4. Senat des Oberverwaltungsgerichts (OVG) in Schleswig hat die Klagen der Gemeinde Großenbrode und der Stadt Fehmarn gegen den Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau der B207 abgewiesen. Am Donnerstag und Freitag (13. und 14. Februar) fand die mündliche Verhandlung statt, am Montag (17. Februar) wurde das Urteil gesprochen und eine Revision gegen diesen Richterspruch nicht zugelassen.

Die Argumente der beiden betroffenen Kommunen hätten den Senat nicht zu überzeugen vermocht, heißt es vonseiten des OVG. Großenbrode wie auch Fehmarn hatten die beabsichtigte Verkehrsführung während der Bauzeit und die planerische Aussparung der Fehmarn- sundbrücke bemängelt. Zu den Forderungen gehörte auch eine Anpassung sämtlicher Einzelmaßnahmen Straße, Schiene, Belttunnel und Fehmarnsundquerung in ein einheitliches Verfahren. Großenbrode sah zudem den Hochwasserschutz auf seinem Gemeindegebiet nicht ausreichend berücksichtigt.

„Es ist schon erstaunlich, wie schnell das ging“, war die Verwunderung bei Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber groß. „Fast fünf Jahre haben wir nichts gehört“, erinnerte er an die Klageerhebung im Jahr 2015 und die Mitteilung Anfang Januar 2020, dass am 14. Februar verhandelt werde. Nach der mündlichen Verhandlung hätte es „einen halben Arbeitstag“ gedauert, um ein Urteil zu finden – „Respekt“, formulierte Weber spitz. „Für den Richter muss das eindeutig gewesen sein, was ich nicht verstehe.“

Die Stadt Fehmarn hätte nun noch die Möglichkeit, Beschwerde einzulegen gegen die Nichtzulassung einer Revision, so Weber, doch zunächst einmal wolle man die schriftliche Begründung des Urteils abwarten, ehe mit der Anwältin über das weitere Vorgehen beraten werde.

Wird die Amalienhofer Brücke neu errichtet, bedeutet dies, dass die Verkehrsführung auf der B207 mit einer Ampelschaltung geregelt wird. Die Staus, die in der Saison schon jetzt regelmäßig die Nerven der Verkehrsteilnehmer strapazieren, dürften in Dauer und Länge zunehmen. Weber weist aber noch auf zusätzliche gravierende Einschränkungen hin, die mit einer Baustelle Amalienhofer Brücke verbunden wären: Auf der B207 wird es in Fahrt- richtung Süden keine Abfahrt nach Burg geben. Wer also aus Richtung Puttgarden in die Inselmetropole fahren will, beispielsweise zu den Grenzhandelsmärkten, muss die Kreisstraße benutzen. Oder aber er fährt weiter bis zur dann bereits fertiggestellten Anschlussstelle Avendorf, um von dort wieder zurückzufahren nach Burg. Diese Auskunft habe der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein in Schleswig erteilt, so Weber.

Beim Bau der Anschlussstelle Großenbrode kommt es nach Angaben des für beide Kommunen tätigen Regionalmanagers Jürgen Zuch ebenfalls zu massiven Einschränkungen. Im Bereich der Lagune dürfe im Winterhalbjahr vom 1. Oktober bis 30. April nicht gebaut werden – also nur im Sommer, wenn das Verkehrsaufkommen am höchsten ist. Und während der Vollsperrung der Abfahrt Großenbrode soll der gesamte Verkehr in das Ostseeheilbad über die Anschlussstelle Heiligenhafen Ost abgewickelt werden.

„Da kommt was zusammen“, erinnert Zuch daran, dass sämtliche Bauvorhaben – Straße, Schiene, Belttunnel, Fehmarnsundquerung – ziemlich parallel durchgeführt werden. Doch vor dem OVG zählt das alles nichts. Zuch: „Wir sind Opfer der rein formalen Prüfung.“

Aufseiten des beklagten Landes war die Freude über den Urteilsspruch nicht zu überhören. Dr. Thilo Rohlfs, Staatssekretär im Kieler Verkehrsministerium, zeigte sich mit den Entscheidungen der Schleswiger Richter zufrieden: „Das stimmt mich vorsichtig optimistisch, dass auch die weiteren Klagen abgewiesen werden und wir hoffentlich so schnell wie möglich Baurecht bekommen – idealerweise noch in diesem Jahr.“

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