Trockenheit im Sommer führt zu Ernteverzug und -einbußen / Fehmarnkohl weit über die Insel hinaus beliebt

Kohlernte in vollem Gange

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Kohlbauer Peter Joachim Witt mit seinen Kindern Mayla und Niko bei der Kohlernte.

FEHMARN -wa- Dass auf Fehmarn die Kohlernte begonnen hat, ist kein Geheimnis. Hier und da liegt auf den Feldwegen wieder das eine oder andere Wirsingblatt. Und auf den Feldern der rund 15 fehmarnschen Kohlbauern geht es in diesen Wochen so richtig rund. Viele Erntehelfer sind eingesetzt, um die Kohlköpfe zu schneiden und auf die Anhänger zu packen, bevor sie zum großen Teil die weite Reise von Fehmarn in den Rest der Republik antreten.

Einer der Kohlbauern ist Peter Joachim Witt aus Blieschendorf. Er hat insgesamt 28 Hektar Kohl angepflanzt. „Davon sind 20 Hektar Wirsingkohl und acht Hektar Kopfkohl, also Rot- und Weißkohl“, erklärt Witt, der den Hof von seinen Eltern übernommen hat. Insgesamt produziert er rund eine Million Kohlköpfe pro Jahr. Etwa die Hälfte des Kohls, der auf Fehmarn in den Handel geht, kommt von seinen Feldern. Den überwiegenden Teil jedoch schickt er über seine Vertriebsfirma Inselgemüse GmbH & Co. KG auf die Reise durch ganz Deutschland, hauptsächlich in die Pfalz, nach Nordbayern und München. Dazu kommt auch noch jede Menge Kohl von anderen Bauern der Insel, die ihre Produkte ebenfalls über Witts Firma vertreiben. „Unser Hauptabnehmer ist Aldi Süd. Aber wir liefern unseren Wirsing nicht direkt an Aldi, sondern an den Großhandel, der den Kohl nochmal neu kommissioniert“, lässt Witt wissen. Dies sei nötig, weil Aldi keine kompletten Züge kaufe.

Aufgrund der Trockenheit konnte mit der Kohlernte in diesem Jahr erst vier Wochen später als üblich angefangen werden. Und so sieht man erst seit Kurzem viele Erntehelfer und -wagen auf den Kohlfeldern. „Das war die schlimmste Dürre, an die wir uns hier auf Fehmarn erinnern können“, erklärt Witt. Auch die Generation seiner Eltern könne sich nicht an eine so extreme Trockenheit erinnern. „Leider ist nichts so gewachsen wie sonst. Beim Weizen, Raps und Mais haben wir an die 20 Prozent Einbußen. Beim Kohl sind es sogar 30 Prozent“, lautet das traurige Resümee aus der Landwirtschaft des für den Tourismus so positiven Sommers.

Die Wärme sei auch der Grund dafür gewesen, dass sich Schädlinge sehr viel schneller vermehrt hätten als es normalerweise der Fall sei. Ebenso seien viele Insektenarten, die es in den letzten Jahren so gut wie gar nicht mehr gegeben habe, wieder am Start gewesen, allen voran die mehlige Kohlblattlaus. „So mussten wir in diesem Jahr etwas mehr Pflanzenschutzmittel einsetzen und hatten das Problem, dass diese sich nicht gut in den Pflanzen verteilen konnten, weil die Saftproduktion in den Kohlpflanzen wegen der Trockenheit komplett zum Stillstand gekommen war“, erklärt Witt. „Es war dieses Jahr wirklich schwierig, ein ordentliches Produkt herzustellen.“ Das Jahr sei für die Landwirtschaft bisher sehr aufregend gewesen. Zur Aussaat im Mai waren die Böden durch den vielen Regen seit letztem Herbst teilweise noch verdichtet. „Und es war allen klar, dass nach so viel Regen auch eine Trockenheit kommt. Jetzt steht wieder eine feuchte Zeit bevor.“

Auf die Frage nach den Arbeitskräften führt Peter Joachim Witt aus: „Es wird immer schwieriger, Personal zu bekommen. Wir arbeiten ausschließlich mit Saisonarbeitskräften.“ Angefangen habe man bei der Kohlernte mit Hausfrauen und Tagelöhnern, später seien vermehrt Polen als Erntehelfer eingesetzt worden. Seit drei Jahren arbeitet Witt mit Erntehelfern aus Rumänien. Derzeit beschäftigt er 14 Frauen und Männer, die in Ferienwohnungen untergebracht sind. „Acht Monate im Jahr haben wir Personal. Zwei Monate im Jahr vermieten wir die Wohnungen.“

Schon weit vor dem ersten Weltkrieg haben die Bauern auf Fehmarn Kohl angebaut. Anfänglich Weiß- und Rotkohl, ab Mitte der 1930er-Jahre kam der grüne Feldwirsing dazu. Nach dem zweiten Weltkrieg haben Züchter einen speziellen Typ aus der Sortenvielfalt gefunden, der für den Anbau auf der Insel am geeignetsten war. Das milde Seeklima, der Wind, die jodhaltige Luft, viel Sonne und die nicht vorhandenen Industrieabgase sorgen für den ganz besonderen Geschmack des Fehmarnkohls. Und das wissen nicht nur die Fehmaraner selbst zu schätzen.

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