Rund 120 Achtklässler von der Inselschule beweisen sich in der Stadtvertretersitzung

Kommunalpolitik hautnah

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Bürgervorsteherin Brigitte Brill (mit Mikrofon) führte gekonnt und gelassen durch die fiktive Stadtvertretersitzung

FEHMARN -nv/wa- Drei Tage lang beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der achten Klassen der Inselschule Fehmarn im Rahmen des Planspiels „Pimp My Island“ mit Vorschlägen, die das Leben auf der Insel verbessern könnten. Am Freitag fand zum Abschluss die fiktive Stadtvertretersitzung unter Leitung von Bürgervorsteherin Brigitte Brill statt.

Mit Kommunalpolitik trifft man bei den meisten Schülerinnen und Schülern nur auf gelangweilte Gesichter. Das hat sich in den letzten Tagen zumindest bei einem Teil der Inselschüler geändert. Drei achte Klassen haben sich mit Themen, die sie selbst, aber auch andere Zielgruppen betreffen, beschäftigt und Anträge zu diesen verfasst. Dabei hatten sie am Donnerstag Unterstützung von zahlreichen echten Stadtvertretern, die sich die Zeit genommen haben, um die in drei Fraktionen aufgeteilten Klassen auf die Vorstellung ihrer Anträge im Rahmen der Sitzung vorzubereiten.

Begleitet wurden die Schülerfraktionen von einem Presse-Team, in welches sich eine weitere Klasse verwandelt hatte. Sie hat das Planspiel aus journalistischer Sicht begleitet. Die Klasse 8e war als „Faktenwerkstatt“ mit von der Partie. Hier ging es um den Umgang mit Medien. Im Vordergrund standen das Thema „Fake News“ und das Verfassen von Schlagzeilen.

„Pimp My Island“ wird seit neun Jahren in der Inselschule veranstaltet. „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, das Spiel in den achten Klassen durchzuführen“, erklärte Projektleiterin Alina Schilling. Kommunalpolitik stünde in dieser Stufe auf dem Lehrplan. Darüber hinaus ließen sich die Jugendlichen in diesem Alter bereits motivieren und das Verständnis für kommunale Angelegenheiten sei durchaus vorhanden. „Die Jugendlichen bekommen viel mit, was in ihrem Umfeld passiert. Mithilfe des Planspiels erhalten sie einen besseren Blick für die Hintergründe der Kommunalpolitik“, betonte Schilling. An den Themen und Problemen, über die sich die Jugendlichen Gedanken machen, „sieht man auch, dass sie ähnliche Bedürfnissen haben wie die, über die in der Stadtverordnung beraten wird.“

Vom Käsekuchen bis zur kostenlosen Fahrkarte

Auf der Tagesordnung standen Ideen ganz unterschiedlicher Art: Über den zehn Meter langen Käsekuchen, der allen, die Hunger haben, zur Verfügung stehen soll, wurde genauso verhandelt wie über die Verbesserung der Freizeitaktivitäten, darunter der Bau von Jumphouse-, Lasertag- oder Soccerhallen. Weitere Themen waren komplett behindertengerechte öffentliche Gebäude, die Sanierung der Sporthallen und der Radwege, bessere Busverbindungen und kostenlose Schülerfahrkarten sowie die Aufstellung von zusätzlichen Mülleimern, besonders in den abgelegeneren Dörfern.

Dabei waren die Sanierung der Radwege und Sporthallen sowie die technische Ausstattung an der Inselschule Themen, über die fast unisono positiv abgestimmt wurde. Auch der Antrag zur Technik wurde fast einstimmig angenommen. Vor der Abstimmung über diesen Antrag, der da hieß „Technik, die funktioniert“, beschwerten sich die Schüler über den schlechten Zustand der Beamer, der Computer und der Laptops: „Die Computer und die Laptops brauchen extrem lang zum Hochfahren.“ Außerdem sei das Internet sehr langsam und somit arbeiteten auch die Browser nur im „Schneckentempo“. In den Antrag aufgenommen wurde auch die Anschaffung von Tablets.

Die Jugendlichen hatten sich auch über die Finanzierung Gedanken gemacht. So kam von einer Fraktion die Idee, dass man die Lasertaghalle ja nicht neu bauen müsse, sondern diese auch in einer Scheune unterbringen könne.

Jugendliche dachten auch an die Touristen

Bei den meisten Anträgen die Freizeit betreffend stand nicht nur die eigene Bespaßung im Vordergrund. Immer wieder wiesen die Schülerinnen und Schüler darauf hin, dass diese Vorschläge doch auch den Tourismus fördern. Einer davon war dann die Vergrößerung der Schwimmhalle und deren Ausstattung mit weiteren Spielgeräten. Dafür gab es 55 Ja-Stimmen und sechs Enthaltungen. Bei einigen der insgesamt 18 Anträge schieden sich die Geister jedoch sehr. So gab es beispielsweise bei dem Thema Mülleimer 34 Jugendliche, die sich für die Aufstellung weiterer Mülleimer aussprachen und 22, die dagegen waren. Im Laufe der anderthalbstündigen Sitzung waren die Schüler nicht immer konzentriert, aber trotzdem engagiert bei der Sache.

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