Veranstaltungsleiter treffen sich zum Austausch / Eike Doyen: „Genug Gäste für alle da“

Konkurrenzdenken ablegen

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Die Veranstaltungsleiter (v.l.): Nils Paustian (Kellenhusen), Heike Müller (Oldenburg), Emile Holst und Anja Stamp (Azubi und Veranstaltungsleitung Dahme), Eike Doyen (Heiligenhafen), Tabea Braun (Lübecker Bucht, Scharbeutz), Roland Früh (Großenbrode), Jan Femerling (Grömitz) und Julia Behrend (Fehmarn).

Großenbrode/Fehmarn – Von Mareike Falz Das Konkurrenzdenken hinter sich lassen, gemeinsam die derzeitige Corona-Situation meistern und zusammen nach vorne schauen. Das haben sich die Veranstaltungsleiter der Tourismusgemeinden entlang der Lübecker Bucht als Ziel gesetzt.

  • Austausch-Aktion wurde von der fehmarnschen Veranstaltungsleiterin Julia Behrend initiiert
  • Nachfrage nach Strandkörben enorm hoch
  • Neue Locotions dank Corona auf Fehmarn

Initiatorin der Austausch-Aktion ist Fehmarns Veranstaltungsleiterin Julia Behrend. „Ich habe gesehen, dass Grömitz schon mit den ersten Konzerten startet. Da wollte ich mich einfach mal austauschen“, so die Fehmaranerin, die daraufhin das Gespräch mit den umliegenden Ostseebädern suchte – auch um „das Konkurrenzdenken, das vorher vielleicht herrschte, abzulegen“.

Aus dem ersten Treffen, das vor wenigen Wochen in Heiligenhafen stattgefunden hatte, konnte der dortige Veranstaltungsleiter Eike Doyen viel Positives mitnehmen. Vorher habe keiner gewusst, was zu tun sei – das Treffen habe Doyen geholfen: „Mir ging es danach besser, es war für die Psyche gut.“ Über das Konkurrenzverhalten in den letzten Jahren konnte Heiligenhafens Veranstaltungsleiter nur den Kopf schütteln: „Was für ein Käse. Wenn man miteinander spricht, bringt das allen mehr. Es sind genug Gäste für alle da“, sagte Doyen am Montag beim zweiten Treffen dieser Art in Großenbrode.

Dass genug Gäste für alle da sind, hat auch schon Nils Paustian aus Kellenhusen festgestellt. Hier sei besonders die Nachfrage nach Strandkörben enorm hoch gewesen. „Die Menschen haben befürchtet, dass sie nur an den Strand dürfen, wenn sie einen Strandkorb gemietet haben“, erzählte Paustian. Seiner Meinung nach sei das Konkurrenzdenken historisch gewachsen, was unter anderem auch die Politik zu verantworten habe, „aber es verbessert sich gerade, und das muss es auch“, so Nils Paustian.

Tabea Braun von der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht und Scharbeutz berichtete davon, dass in ihrem Gebiet eine sogenannte Strand-Ampel dafür sorge, dass es an den Stränden nicht zu Überfüllungen komme. Großenbrodes Veranstaltungschef Roland Früh berichtete am Montag, dass es zwar viele Anfragen gebe, „aber wenn wir voll sind, sind wir voll“. Zur Event-Organisation sagte Früh, wohl auch im Namen aller Veranstaltungsleiter, dass es viele kleine Punkte seien, die es schwer machen würden, gewohnte Veranstaltungen umzusetzen. Aber es helfe kreativ zu werden.

Das Problem mit zu vollen Stränden und Konkurrenzdenken hat die Stadt Oldenburg nicht. „Wir haben keinen Strand, wir profitieren von den Tagestouristen der Bädergemeinden“, erklärte Heike Müller von der „Kultour“ Oldenburg. „Wir sind da, wenn die Hochsaison zu Ende ist.“ Dennoch, so Müller, sei auch in Oldenburg das Kulturprogramm weggebrochen. „Jetzt wollen wir die Kultur aber wieder aufleben lassen und zeigen, dass es sie noch gibt“, zeigte sich die für Oldenburg zuständige Veranstaltungsleiterin optimistisch.

Ein besonders großes Problem sei es, erklärte Nils Paustian, dass die verschiedenen Ordnungsämter in den Gemeinden sehr unterschiedliche Vorgaben haben würden. In Kellenhusen sei es beispielsweise so, dass man zwischen zwei Stuhlreihen mindestens 3,60 Meter Abstand lassen müsse – deutlich mehr als in den umliegenden Städten. Das sei besonders für Puppentheater, Ostseeclown und Co. ärgerlich, die an anderen Orten bei gleichem Platz vor mehr Zuschauern spielen dürften. Einig waren sich die Veranstaltungsexperten darüber, dass es wünschenswert wäre, wenn sich auch die Ordnungsämter untereinander austauschten und sich auf gemeinsame Regeln einigten. „Eigentlich handeln ja alle nach der Landesverordnung“, fügte Jan Femerling vom Grömitzer Veranstaltungsbüro hinzu und sagte weiter, dass dieses im Detail einfach nicht so deutlich werde.

Aber trotz aller Schwierigkeiten ist aus jeder Krise auch immer etwas Positives mitzunehmen. So haben sich die Veranstaltungsleiter vorgenommen, auch nach der Corona-Krise weiterhin im Austausch zu bleiben und vielleicht sogar gemeinsame Sache zu machen. „Wir könnten über gemeinsame Veranstaltungsreihen für alle nachdenken“, schlug Femerling vor. Auch Roland Früh zeigte sich von diesem Impuls angetan: „Ideen gibt es. Man könnte zum Beispiel das Budget sinnvoller einsetzen, wenn man sich vielleicht Künstler für einen Tag teilt“, überlegte Früh laut.

Neue Veranstaltungsideen und -orte dank Corona

Als erfreuliche Folge der Corona-Situation hat Julia Behrend vor allem die neuen Location-Möglichkeiten auf der Insel Fehmarn wahrgenommen. „Wir machen aktuell fast nur Open-Air-Events. Das ist zwar ein bisschen riskant, aber da-raus haben sich ganz neue Flächen entwickelt, die wir so vorher nicht genutzt haben.“ Als Beispiel nannte die Insulanerin den Platz bei der Bootswerft Schaich mit direktem Blick auf die Fehmarnsundbrücke und den Sonnenuntergang. „Den übernehmen wir auch so für die nächsten Jahre“, sagte Julia Behrend über den neuen Veranstaltungsort weiter.

Eike Doyen berichtete, dass die Stadt Heiligenhafen bei Veranstaltungen noch sehr vorsichtig sei und vieles nicht genehmigt habe. Dafür sei aber die Veranstaltung „Mucke auf dem See“ am vergangenen Sonnabend umso erfolgreicher gewesen. „Nach wenigen Minuten wussten wir, das ist was für die Ewigkeit.“ Und auch die kommende Veranstaltungsreihe „Heiligenhafener Bootskulttour“, bei der Künstler vor 40 beziehungsweise 70 Zuschauern während einer Rundfahrt auf dem Schiff ihr Programm präsentieren, ist aus der Corona-Situation heraus entstanden. „Das sind zwei Veranstaltungsreihen, da hätte man vielleicht mal drüber nachgedacht, aber das ging jetzt durch Corona alles viel schneller.“

Und trotz aller Freude darüber, dass nach und nach wieder Veranstaltungen stattfinden können, steht bei allen Veranstaltungsleitern der verantwortungsvolle Umgang während der Events im Vordergrund. Eine Exit-Strategie, also die Option, eine Veranstaltung vorzeitig aufzulösen, wenn zu viele Menschen an einer Stelle sind oder sich nicht an die Regeln halten, haben alle Organisatoren im Hinterkopf. Allerdings konnte jeder der Eventprofis von bislang durchweg sehr disziplinierten Gästen berichten.

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