Umweltrat Fehmarn empfiehlt Abschaffung der Spender

Kontroverse Diskussion um Hundekotbeutel

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Hier nicht! Diese Schilder sind bekannt. Wo sie stehen, soll der Hund seine Notdurft nicht verrichten. Jedoch: Bello kann‘s nicht lesen, ist er auch noch so klug. Frauchen und Herrchen sind gehalten, die hündischen Hinterlassenschaften zu entfernen. Doch nicht immer machen sie‘s, und genau darum geht‘s.

FEHMARN -lb- Fehmarns Umweltrat hatte sich auf Antrag der SPD-Fraktion auf jüngster Sitzung ein Meinungsbild zum Umgang mit Hundekotbeuteln verschafft. Nach kontroverser Debatte empfahl der Umweltrat mit sieben Ja-, drei Neinstimmen und einer Enthaltung die komplette Abschaffung der Kotbeutel-Spender auf der gesamten Insel.

Für den sich aus der Diskussion ergebenden weitergehenden Antrag, für sämtliche Hinterlassenschaften (Kaugummis, Zigarettenkippen, Kronkorken ...) ein Bußgeld zu erlassen gab es sieben Jastimmen und vier Enthaltungen. Intensiv und kontrovers wurde diskutiert. „In die Landschaft geworfene Hundekotbeutel werden immer mehr zum ästhetischen und vor allem aber zum Umweltproblem“, so hieß es in der Antragsbegründung. Beim Neubau der Pumpstation Burg hätten bis zu 400 illegal weggeworfene Kotbeutel entsorgt werden müssen.

Im Rahmen ihrer Recherche zu dem Thema, was woanders in diesem Zusammenhang bereits praktiziert werde, stellte Beate Burow von der Geschäftsstelle des Umweltrates Fehmarn die sogenannten Kacka-Fähnchen vor. In Goslar tragen sie flotte Sprüche von „Auf frischer Tat ertappt“ bis „Schuld ist nicht der Hund“. Die Fähnchen könnten dann von den hündischen Hinterlassenschaften angeekelte Menschen in die Hundehaufen gepiekst werden – zur besseren Auffindung der Haufen und als öffentliche Ermahnung an Hundehalter, die den Dreck ihrer Hunde nicht wegräumen. So läuft man nicht mehr um Hundehaufen, sondern um Hundehaufen mit Fähnchen herum. Und es geht noch krasser. „Eine Kommune hat eine Gen-Datenbank angelegt“, erklärte Beate Burow. Ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro sei rechtlich möglich, nur wäre es schwer zu kontrollieren. Der Bußgeldhöhe widersprach Andreas Hansen (FWV) mit einem Verweis auf das seit April 2016 gültige Hundegesetz in Schleswig-Holstein. Dort sei ein Bußgeld zwischen 50 bis maximal 100 Euro festgesetzt. „Es ist schwierig durchzusetzen, denn nur das Ordnungsamt und nicht der Nachbar darf kontrollieren“, so Andreas Hansen. Geld hätten die Kommunen, die einen solchen Bußgeldkatalog erlassen hätten, auch nicht damit eingenommen. Auch Josef Meyer (CDU) sprach sich für die Abschaffung der Hundekotbeutel aus. „Das ist Aufgabe eines jeden Hundebesitzers. Wesentlich schlimmer sind die Zigarettenkippen, die überall hingeschmissen werden“, merkte Meyer an. Kot in der Natur sei unproblematisch, nur in den Ortschaften gebe es Probleme, wenn Hundebesitzer den Hundehaufen nicht entfernten. „Hier können wir auch keine Kompromisse machen“, meinte Volker Riechey. Er vertritt die Tourismuswirtschaft im Umweltrat.

 „In einer Tourismusregion alles unter Strafe zu stellen, finden wir sehr abwegig“, sagte Gunnar Gerth-Hansen (SPD) auf die Anmerkung von Bürgermeister Jörg Weber (SPD), dass einige Kommunen einen Bußgeldkatalog für sämtliche Vereinigungen erlassen hätten. „Das Thema ist, wie kriegen wir die illegalen Hundekotbeutel aus der Landschaft“, führte Gunnar Gerth-Hansen weiter aus. Ebenfalls erneuerte er die Forderung nach verrottbaren Kotbeuteln. „Die verrotbaren Beutel sind seit zwei Jahren beschlossener Konsens“, warf die stellvertretende Vorsitzende des Umweltrates Fehmarn, Christiane Stodt-Kirchholtes, ein. „Die Hundesteuer ist eine Luxussteuer und keine Aufwandssteuer. Wir können den Hundebesitzern nicht noch das Toilettenpapier stellen“, so Gerth-Hansen. Deshalb müssten die Spender weg.

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