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Neuer Asphalt auf 4,75 Meter Breite: Im Sommer wurde die Strecke Albertsdorfer Kreuz-Strukkamp saniert.

Straßenkataster-Richtschnur steht: 10,5 Millionen Euro jährlich für Bestandssicherung nötig

Fehmarns Kraftakt zur Straßenerhaltung

Fehmarn –Von Manuel Büchner– 2017 hatte die Fehmarns Politik die Erstellung eines Straßenkatasters beauftragt, um den Bestand und den Zustand der Wege und Straßen zu erfassen und zu kategorisieren. 2018 wurden etwa 342 Kilometer befahren

  • Zwei Drittel der Straßen im schlechten Zustand
  • Entscheidungen können besser eingeordnet werden
  • Acht Millionen Euro sollen in den nächsten Haushalt eingestellt werden

Ein erstes Zwischenergebnis im Mai 2019 machte deutlich, dass zwei Drittel der befahrenen Strecken in einem schlechten oder sehr schlechten Zustand sind. Ein vorläufiges Abschlussergebnis präsentierte Dienstagabend Kai Weltzien, der zuständige Projektleiter der beauftragten Fachfirma „Lehmann+Partner“, in der AG Inselwege Vertretern aus allen Fraktionen.

Die nackten Zahlen sind auch anderthalb Jahre später kein Anlass für Freudensprünge. Der Experte aus Erfurt empfahl für Straßenbaumaßnahmen jährlich 7,0 Millionen Euro. Hinzukommen 2,2 Millionen Euro Unterhaltung, wenngleich Personal, Material und Fahrzeugkosten des Bauhofes darin enthalten seien, erklärt Bauamtsleiter Benjamin May. Kleinere Summen sind für Nebenanlagen (0,8 Millionen Euro) und die Unterhaltung unbefestigter Wege (0,5 Millionen Euro) aufgeführt. Diese in Summe 10,5 Millionen Euro bilden eine sichere Erhaltung der Straßen ab. Den spürbaren Abbau des Investitionsstaus beziffert „Lehmann+Partner“ allerdings auf 13 Millionen Euro jährlich.

„Wir müssen jedes Jahr ausreichend Geld in die Hand nehmen, um unsere Straßen zu erhalten, auch um den Investitionsstau der letzten Jahre abzuarbeiten“, so Bürgermeister Jörg Weber, der dies als eine Frage des nachhaltigen Handelns für zukünftige Generationen erachtet. Ein Kraftakt – keine Frage. Der sei vollumfänglich dauerhaft sicherlich nicht durchzuhalten, schätzt May. „In den nächsten zwei Jahren sicherlich. Auf lange Sicht gesehen, bin ich skeptisch.“ Im Kern spielt das Kataster auch dem Strategiewechsel zu mehr Substanzerhaltung in die Karten. May erklärt: Eine Straße, die augenscheinlich in einem guten Zustand sei, aber erste Schäden aufweise, könne man durch eine präventive Unterhaltungsmaßnahme nicht nur vor einer Verschlechterung schützen, sondern so auch viel Substanz mit wenig Aufwand retten. In der AG hat May erneut positive Reaktionen hinsichtlich des methodischen Vorgehens vernommen. „Das Kataster versetzt die Politik in die Lage, Entscheidungen besser einzuordnen“, misst er dem Instrument eine hohe Bedeutung bei. Die sieht auch Weber: „Die hohe Relevanz des Straßenkatasters wird zunehmend deutlicher, je öfter es genutzt wird.“ Indes sind „die Zahlen, wie sie sind. Das hat niemanden mehr geschockt“, so May. Wer mit offenen Augen über die Insel fahre, wisse um den Zustand der Straßen. In der Runde sei auch die Frage diskutiert worden, wie stark sich Fehmarn auf das Kernwegenetz konzentrieren solle. Denn Straßenbaumaßnahmen innerhalb des Netzes belaufen sich laut Empfehlung des Experten „nur“ auf knapp 6,0 Millionen Euro.

Das Kernwegenetz schafft Prioritäten

Das rund 140 Kilometer lange Kernwegenetz hat die Politik definiert. Es umfasst Straßen, die prioritär erhalten und auch ausgebaut werden sollen. Die Straßen außerhalb des Netzes werden zurückgestellt, was auch dazu führt, dass Wege gesperrt werden müssen, da die Erhaltung im Sinne der Verkehrssicherungspflicht mit einfachen Erhaltungsmaßnahmen nicht mehr wirtschaftlich zu stemmen sei, so May, beziehungsweise diese Maßnahme immer aufs Neue wiederholt werden müsse, während gleichzeitig – weil außerhalb des Kernwegenetzes – mittelfristig keine problemlösende Investition geplant sei. „Damit ist natürlich nicht gesagt, dass dieser Weg dauerhaft raus ist – sonst würden wir diesen Abschnitt zurückbauen“, konkretisiert der Bauamtschef. Es sei schlichtweg eine Momentaufnahme. Als Beispiel nennt Verwaltungschef Weber die Strecke Hinrichsdorf-Ostermarkelsdorf, deren Sperrung vom Bauausschuss im August mit knapper Mehrheit aufgehoben und die Strecke entsprechend repariert wurde. Generell hätten die Stadtvertreter sich in den letzten Jahren dazu entschieden, mehr Geld für Straßen in die Hand zu nehmen, so Bauamtsmitarbeiter Lars Laußat. „6,0 bis 8,0 Millionen Euro war der Zielkorridor in den letzten zwei Jahren“, sagt May. Der Bauhof hatte beispielsweise 2019 knapp 1,6 Millionen für den Unterhalt der Straßen eingesetzt, in diesem Jahr werden es knapp 1,9 Millionen sein, berichtet Bauhofchef Timo Jädke. Hinzu kämen zusätzlich 2,0 Millionen Euro für investive Straßenbaumaßnahmen durch den Bauhof in 2020, so Jädke und fasst zusammen: „In den letzten beiden Jahren wurden wir mit finanziellen Mitteln gut ausgestattet und konnten dementsprechend auch Gas geben.“ Die ersten großen investiven Maßnahmen nach den im Kernwegenetz festgelegten Ausbaubreiten 3,55 und 4,75 Meter sind realisiert worden: Landkirchen-Teschendorf, Strukkamp-Albertsdorfer Kreuz, Wenkendorf- Teichhof und auf 3,0 Meter Petersdorf-Gollendorf. Der Kampf gegen den Verfall findet auch in den Ortslagen statt. Laußat zählt Gollendorf, Gahlendorf und auch in Dänschendorf die Lindenallee im letzten Jahr auf.

Mit 8,0 Millionen Euro in die Haushaltsplanung

Für Unterhaltung und Investitionen werden aus den Vorbesprechungen zum Budget 6 des Bauamtes für den Haushalt 2021 8,0 Millionen Euro als Vorschlag im kommenden Bau- und Umweltausschuss Diskussionsgrundlage sein. „Ob das machbar ist, muss sich mit Blick auf die anderen Budgets noch zeigen“, so der Leiter des Bauamtes.

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